NRW bittet Schulschwänzer vor den Ferien zur Kasse

Lena Vanessa Niewald

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Der Flughafen Paderborn-Lippstadt. - © Marc Köppelmann
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt. (© Marc Köppelmann)

Detmold. Auf den letzten Schultag vor den Ferien verzichten, um ein Urlaubsschnäppchen abzugreifen – immer mehr Schüler in NRW gehen eigenmächtig einen oder zwei Tage eher in die Sommerferien. Doch das kann richtig teuer werden. Bis zu 1.000 Euro müssen Schüler oder deren Eltern im schlimmsten Fall zahlen.

Mehr als 1.000 Mal verhängten Behörden in NRW im vergangenen Jahr Bußgelder wegen solcher Schulschwänzer. Damit sei die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren noch mal gestiegen, heißt es von fast allen Regierungsbezirken. Im Regierungsbezirk Detmold erteilte die Behörde im vergangenen Jahr 61 Bescheide; im Jahr davor waren es 55 – und das seien nur die Fälle, die überhaupt an die Bezirksregierung übermittelt würden, sagt Pressesprecher Andreas Moseke. Im ersten Zugriff seien nämlich die Schulen verantwortlich.

Fehlen Schüler unentschuldigt oder zweifeln Lehrer die Entschuldigung des Schülers oder der Eltern an, kann die Schule die angegebenen Gründe kontrollieren. Sie kann Elterngespräche einberufen, Mahnungen aussprechen oder mit dem Ausschluss vom Unterricht drohen. Legen Eltern dagegen Widerspruch ein, kommt die Bezirksregierung ins Spiel, prüft den Fall erneut und kann dann Bußgeldbescheide ausstellen.

Frank Görgens, stellvertretender Vorsitzende des Lehrer-Verbands NRW, weiß aus seiner Erfahrung als Schulleiter einer Gesamtschule, dass Eltern heute teilweise richtig dreist werden können, wenn es um Urlaub und Reduzierungen geht. „Ich erlebe Eltern, die völlig ungeniert zu mir kommen und mich darum bitten, ihr Kind eine Woche früher zu beurlauben, weil dann der Flug 1.000 Euro günstiger ist. Das geht natürlich nicht."

Scharfe Polizeikontrollen an Flughäfen wie etwa vor den Pfingstferien in Bayern wird es in NRW am Freitag aber nicht geben, heißt es sowohl von der Bezirksregierung als auch vom NRW-Schulministerium. Solche Kontrollen seien mit sehr hohem Aufwand verbunden. Stattdessen appelliert das Ministerium an die Lehrer. Auch in den Tagen vor den Ferien seien sie angehalten, den Unterricht so interessant, relevant und zielführend zu gestalten wie an den anderen Tagen.

„Dass in der letzten Woche keine Klassenarbeiten mehr geschrieben werden, liegt in der Natur der Sache", kontert der Lehrer-Verband NRW. Zeitlich hätten sie gar nicht mehr die Möglichkeit, die Arbeiten dann noch zu korrigieren. „Mal ganz abgesehen davon, dass wahrscheinlich ein Sturm der Entrüstung losbräche, wenn wir uns erdreisten, am letzten Tag noch eine Klassenarbeit anzusetzen", sagt Görgens.

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