Stadt Bielefeld hält nichts mehr von Park+Ride

Mehr Park+Ride an Stadtbahn-Haltestellen, das wünscht sich mancher Autofahrer. Doch das Konzept für die Kombination von Auto, Bus und Bahn hat Nachteile. Die Stadt setzt auf eine Alternative

Christine Panhorst

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Viel genutzt, aber nicht nur begrüßt: Park+Ride-Plätze wie hier an der Stadtbahn-Endstation Milse, an der Autofahrer in die Linie 2 umsteigen können, sind zwar durchweg gut belegt, die Stadt sieht sie aber trotzdem mit Skepsis. - © Sarah Jonek
Viel genutzt, aber nicht nur begrüßt: Park+Ride-Plätze wie hier an der Stadtbahn-Endstation Milse, an der Autofahrer in die Linie 2 umsteigen können, sind zwar durchweg gut belegt, die Stadt sieht sie aber trotzdem mit Skepsis. (© Sarah Jonek)

Bielefeld. Die Luft ist dick, der Parkraum knapp. Die Bielefelder sollen umsteigen, so plant es die Stadt - vom Auto aufs Rad oder in Bus und Bahn. Wie, das fragen sich Autofahrer. In Zuschriften an die Redaktion bemängeln Zeitungs-Leser das Park+Ride-Angebot in der Stadt. Das wird im Internet von der Stadt zwar als "schnell und stressfrei" beworben, ist jedoch überschaubar. Und dabei wird es wohl bleiben. Denn im Verkehrsamt sieht man das Parkkonzept kritisch.

Trend zum Fahrrad?

Rund 550 Plätze für Park+Ride (P+R) gibt es an Bielefelder Endhaltestellen der Stadtbahn. Ein Ausbau im Innenstadtbereich sei nicht geplant, erklärt Patrik Kühn. Er beschäftigt sich mit der konzeptionellen Verkehrsplanung im Verkehrsamt der Stadt und sagt, es gebe viele Hürden beim P+R. "Das Parkkonzept ist nur sinnvoll, wenn es nah an Wohnorten konzipiert ist und mit möglichst viel Entfernung zum Zentrum." Andernfalls könne P+R, so Kühn, statt für weniger für mehr Verkehr sorgen. "Denn je näher ein P+R-Parkplatz an der Innenstadt ist, desto geringer wird die Hemmschwelle für Autofahrer, gerade im Berufsverkehr doch gleich den ganzen Weg per Auto zurückzulegen. Und P+R wird zur Alternative für Pendler, die bisher mit dem Zug gefahren sind."

Bereits 2015 hat die Stadt die Chancen von P+R für eine Entlastung der Innenstadt umfassend analysieren lassen. Mit ernüchterndem Ergebnis: "P+R braucht viel Fläche, und die ist zudem in zentraler Lage sehr kostbar", zählt Kühn auf. Auch sei es schwierig, P+R-Anlagen wirtschaftlich zu

betreiben. "Dazu kommt, dass die beiden wichtigsten Faktoren bei der Wahl eines Verkehrsmittels Zeit und Kosten sind." Damit P+R attraktiv sei, müsse es billiger oder schneller sein als die Autofahrt in die Stadt.

Kriterien, die mit der Kombination von Auto und Stadtbahn auf den relativ kurzen Wegen in die Innenstadt schwer zu erreichen seien, erklärt Kühn. Günstige Parkmöglichkeiten in der City seien eine Konkurrenz. Die vielen Zwischenhalte der Stadtbahnen kosten Zeit.

Hat P+R in Bielefeld also keine Zukunft? Doch, sagt Kühn. "Sinnvoll ist P+R zum Beispiel an regionalen Bahnhöfen." An den Haltepunkten der Sennebahn in Senne, Sennestadt und Windelsbleiche sind gerade neue Stellplätze entstanden. Im weitläufigen Bielefelder Süden ersetze die Zugfahrt eine deutlich längere Autofahrt, so Kühn: "Die Zuganbindung ist direkter. Hier kann die Zeitersparnis durch P+R hoch sein."

"Da wird sich wenig bewegen"

Bernd Küffner vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Bielefeld bestätigt die Argumente gegen das P+R: "Da wird sich wenig bewegen."

Und so sieht sich der Autofahrer einmal mehr mit dem Trend zum Fahrrad konfrontiert: Denn die "ganz große Lösung" für die Innenstadt heißt laut Kühn Bike+Ride (B+R). Der Umstieg vom Rad in Stadtbahn und Zug werde eine "zentrale Rolle" im neuen Radverkehrskonzept der Stadt spielen, das gerade erarbeitet wird.

Doch das B+R-Prinzip setzt voraus, dass das Fahrrad an der Haltestelle sicher abgestellt oder in Zug oder Stadtbahn mitgenommen werden kann. In Bielefelder Bussen und Stadtbahnen dürfen bisher Fahrräder nur mitgenommen werden, wenn ausreichend Platz ist. Gegen Aufpreis.

"Das hilft einem nicht weiter und ist gerade für Pendler im Berufsverkehr sehr unzuverlässig", bewertet Thomas Böhm vom ADFC Bielefeld das Angebot. Küffner rät zum Klapprad: "Das gilt als Handgepäck." Für sicheres Fahrradparken seien Radabstellanlagen und Fahrradboxen Lösungen, sagt Kühn. Die bräuchten zwar auch Fläche, aber weniger als P+R. Die Stadt sei da dran. Die Nachfrage ist jedenfalls da: Derzeit gibt es in der

Innenstadt acht Miet-Boxen am Hauptbahnhof, drei in Milse, 17 am Bahnhof Brackwede - alle belegt.

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