Schwimmmeister werden gesucht

Jan Ahlers

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Werden knapp: Schwimmmeister werden oft gesucht. - © dpa
Werden knapp: Schwimmmeister werden oft gesucht. (© dpa)

Bielefeld. Seit Wochen brutzelt die Sonne vom Himmel. Selbst wenn die große Hitze dieser Tage verschwindet, soll der Region mindestens angenehmes Sommerwetter erhalten bleiben. Viele Menschen strömen dann in die Freibäder, suchen Abkühlung und sind froh, dass am Beckenrand Aufsichtspersonen stehen. Es sind Schwimmmeister oder zumindest ausgebildete Rettungsschwimmer. Doch es mangelt an Nachwuchs. Woran liegt das?

Schon seit Ende Juli sind alle Bielefelder Hallenbäder geschlossen. Die jährliche Revisionszeit wurde kurzerhand etwas verlängert, weil das knappe Personal in den Freibädern benötigt wird. „Das liegt am außergewöhnlichen Sommer“, sagt Hans-Werner Bruns, Geschäftsführer der Bielefelder Bäderbetriebe (BBF). Auch die überdachten Bäder in Harsewinkel und Warburg schließen beispielsweise während der Freibadsaison. Fast schon die Regel sind kurzfristige Schließungen oder Änderungen der Öffnungszeiten von Bädern, weil bei Erkrankungen niemand einspringen kann.

Personalmangel lässt sich nicht von der Hand weisen. Genaue Statistiken gibt es nicht, doch nach Schätzungen von Reinhard Nowak, NRW-Vorsitzender des Bundes Deutscher Schwimmmeister (BDS), fehlen bundesweit 2.500 bis 3.000 Schwimmmeister. Er klagte schon im vergangenen Jahr bei der Rheinischen Post unter anderem über unattraktive Arbeitszeiten, die junge Leute abschrecken.

Für Hans-Werner Bruns, der sich im Bundesverband öffentlicher Bäder engagiert, wird zu negativ über den Job gesprochen. „Der Arbeitnehmerverband redet diesen tollen Beruf madig“, sagt er. Hochgerechnet auf immer noch etwa 7.000 öffentliche Bäder in Deutschland sei der Mangel längst nicht so gravierend. Doch Bruns betont auch: „Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen.“ Er schlägt eine Spezialisierung der Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe vor. „Gästebetreuung, Kursangebote, technische Schwerpunkte – das Berufsbild umfasst heutzutage ein viel größeres Feld“, sagt er.

Zu allem Überfluss kamen nun Negativschlagzeilen, ausgelöst durch einen Gast des Senner Waldbads in Bielefeld, der brutal auf einen Schwimmmeister einprügelte. Wenige Tage zuvor war in Solingen ebenfalls eine Aufsichtskraft attackiert worden. „Traurige Ausnahmen“, meint Bruns. Seine Badegäste würden nicht aggressiver sein als früher, was auch die konstant niedrige Zahl von etwa 50 Hausverboten pro Jahr – die meisten aufgrund von nächtlichen Schwimm-Abenteuern – bekräftigt. Das bislang letzte Deeskalationstraining hätten seine 45 Schwimmmeister vor drei Jahren absolviert, meint der Bäderleiter. Durch die jüngsten Vorfälle überlegt er, diese Trainings wieder aufzunehmen.

Klaus Wagner, Sprecher der DLRG Westfalen, hat von den gewalttätigen Übergriffen ebenfalls gehört. „Ich kann aber nicht bestätigen, dass die Häufigkeit zugenommen hat.“ Ein bedeutend größeres Problem seien ihm zufolge Gaffer, die bei Rettungseinsätzen im Wasser den Weg versperren. „Es bilden sich schnell Menschentrauben, junge Leute zücken ihre Handys und machen Fotos“, klagt Wagner. Für den Fall, dass seine Rettungsschwimmer tätlich angegriffen werden, bereitet die DLRG während der Ausbildung aber nicht gesondert vor. „Wir müssen uns auf das Retten konzentrieren. Gibt es einen Angriff, wird die Polizei eingeschaltet“, sagt Wagner.

Dass in den vergangenen Jahren weniger Rettungsschwimmer ausgebildet wurden, daraus macht Wagner keinen Hehl. Ihm zufolge bilde die DLRG so viele Leute aus, wie es die Kapazität der Schwimmbäder zulasse. „Wo sollen wir ausbilden, wenn Bäder schließen?“ Der Rattenschwanz wachse, schlussfolgert er. Hans-Werner Bruns räumt auch ein, dass man zuletzt zu wenige Schwimmmeister ausgebildet habe. Um das Nachwuchsproblem zu beseitigen, „müssen sich alle Beteiligten wesentlich mehr anstrengen.“

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