Raserei bleibt das Hauptproblem

Matthias Bungeroth

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Sicherung eines Unfallortes. - © Barbara Franke
Sicherung eines Unfallortes. (© Barbara Franke)

Bielefeld. Tempolimits auf Autobahnen sind heiß umstritten. Als im Frühjahr 2015 auf der Autobahn 2 zwischen Herford und dem Autobahnkreuz Bad Oeynhausen neue Schilder aufgestellt wurden, die die Höchstgeschwindigkeit des Kraftverkehrs in diesem Bereich auf 120 km/h begrenzten, setzte eine heftige Debatte um die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme ein.

Gut drei Jahre später steht Rainer Stodt (56), neuer Chef der Autobahnpolizei OWL, weiter zu dem Schritt, den Amtsvorgängerin Ursula Wichmann auf den Weg brachte. „Das ist positiv für den Verkehrsfluss“, sagt der Polizeidirektor dieser Zeitung. Auf dem betreffenden Autobahnabschnitt hatten die Unfallforscher eine besonders hohe Quote von Verkehrsunfällen mit schweren Folgen ausgemacht. „Ein Problem sind die Geschwindigkeitsdifferenzen“, sagt Stodt, der bereits im Regierungsbezirk Arnsberg viel Erfahrung bei der Arbeit bei der Autobahnpolizei sammelte (s. Infokasten).

Dies gelte auch für alle anderen Abschnitte des Autobahnnetzes, fügt der Polizeibeamte hinzu, dem in OWL 140 Kolleginnen und Kollegen unterstehen. „Homogene Verkehrsflüsse sind wesentlich weniger unfallträchtig“, so Stodt. Die Verkehrssicherheit auf den Autobahnen zu verbessern bleibt ein Hauptziel der Autobahnpolizei OWL.

Deshalb will man sich auf den zuletzt erreichten Erfolgen auch nicht ausruhen, wie Stodt betont, der jetzt drei Monate an seinem neuen Platz tätig ist. Denn immerhin sank die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden in der Region 2017 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent von 254 auf 249. Die Zahl der Verunglückten sank im gleichen Zeitraum ebenfalls deutlich um 16,1 Prozent, von 498 auf 418.
Aber, so unterstreicht Stodt: „Hauptunfallursache Nummer 1 war auch im Jahr 2017 nicht angepasste Geschwindigkeit.“ Ihr Anteil an den Verkehrsunfällen mit Personenschaden betrug 45,9 Prozent, gut fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Zu hohe Geschwindigkeit und nicht ausreichender Abstand sind wesentliche Ursachen für Verkehrsunfälle“, betont Stodt.

Auch der hohe Anteil des Güterverkehrs bereitet dem Chef der Autobahnpolizei Kopfzerbrechen. Rund 35.000 von 100.000 Fahrzeugen, die an Spitzentagen auf der A 2 unterwegs sind, seien Lkw. „Da kommt es immer wieder zu Konfliktsituationen.“

Lkw sind im Verhältnis zu ihrem Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen auf Autobahnen (32,6 Prozent) überproportional an Verkehrsunfällen mit besonders schweren Folgen beteiligt, nämlich mit 42,2 Prozent. So steht es im Bericht des Polizeipräsidiums Bielefeld für 2017. Insgesamt wurden im Vorjahr auf dem rund 220 Kilometer langen Autobahnnetz in OWL 31.278 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. In 12.938 Fällen wurden Abstandsverstöße zur Anzeige gebracht.

Deshalb wird die Autobahnpolizei diese Delikte auch künftig verstärkt im Auge behalten, wie Stodt betont. Bei ihrer Arbeit im Dienste der Verkehrssicherheit könnte die Technik die Polizei gut unterstützen. Stodt: „Wir wünschen uns Verkehrsbeeinflussungsanlagen.“ Diese seien auf niedersächsischer Seite bereits mit Erfolg im Einsatz. Mit diesen ferngesteuerten, digitalen Schilderbrücken könne man flexibel auf unterschiedliche Verkehrslagen reagieren.

Weitere Tempolimits seien aktuell kein konkretes Thema. An den Rast- und Tankanlagen wird die Autobahnpolizei auch weiterhin ein Auge auf die Kriminalitätsentwicklung haben. „Dafür haben wir eine eigene Organisationseinheit“, so Stodt. Es gebe Kontrollen zusammen mit dem Zoll, dem Bundesamt für den Güterverkehr oder der Bezirksregierung Detmold im Bereich des Abfalls. In diesem Zusammenhang bedankt sich Stodt auch bei anderen Institutionen für das gemeinsame Vorgehen. „Die Kooperation mit Autobahnmeistereien, Rettungsdiensten und Feuerwehren läuft vorbildlich.“

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