Der Bahnverkehr in NRW wird sich verändern - das hat Folgen für OWL

Der stündliche ICE-Halt in Bielefeld wird bleiben. Zu den IC-Halten gibt es noch keine konkreten Aussagen. Nah- und Fernverkehr wollen eine Einigung bis Ende Oktober vorlegen

Matthias Bungeroth

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Zwischen NRW und Berlin sollen Züge häufiger fahren. - © picture alliance / dpa
Zwischen NRW und Berlin sollen Züge häufiger fahren. (© picture alliance / dpa)

Unna/Bielefeld. Der Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen steht in den kommenden Jahren vor weitreichenden Änderungen im Fahrplanangebot. Das erläuterten DB-Experte Philipp Nagl und Joachim Künzel, Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Wichtige Ziele sind die Verdichtung des Angebots auf der ICE-Strecke zwischen NRW und Berlin, die Abschaffung des Kuppelns der ICE-Züge in Hamm und der Erhalt des stündlichen Stopps der ICE-Züge in Bielefeld.

Ergebnis bis Ende Oktober

„Es gibt eine sehr ausführliche Abstimmung zwischen Nah- und Fernverkehr", sagte Nagl, Leiter des Angebotsmanagements Fahrplan und Verkehrsleistungen der DB Fernverkehr. Dies sei auch unabdingbar, denn: „Mehr als 50 Prozent der Reisenden nutzen im Vor- und Nachlauf des Fernverkehrs auch Nahverkehrszüge." So sieht es auch Künzel, der zugleich eine zeitnahe Einigung auf ein neues Fahrplankonzept ankündigte: „Ende Oktober haben wir ein Ergebnis."

Zugleich machte Künzel deutlich, dass ein solches Konzept Kompromisse auf beiden Seiten einfordere. „Das Mobilitätsbedürfnis wird weiterhin steigen, aber die Infrastruktur reicht bei Weitem nicht aus." Was das am Ende genau für die Fahrpläne des Nah- und Fernverkehrs in NRW und OWL bedeutet, konnten die beiden Experten noch nicht sagen.

Entscheidung über ICE-Halte in Bünde, Minden und Bad Oeynhausen offen

Nagl unterstrich indessen, dass es bei einem stündlichen Halt der ICE-Züge auf der Strecke Köln-Bielefeld-Hannover-Berlin bleiben wird. „Der stand auch nie infrage."Ob Bielefeld allerdings von einer weiteren Verdichtung des Verkehrs zwischen NRW und Berlin im Fernverkehr profitieren werde, sei derzeit ebenso ungeklärt wie die Entscheidung über die ICE-Halte in Minden, Bünde, Bad Oeynhausen und Bünde auf der Strecke zwischen Berlin und Amsterdam. Um die weitere Versorgung dieser Haltepunkte hatte es heftige politische Auseinandersetzungen gegeben.

Um den Bahnverkehr insgesamt verlässlicher zu machen, solle der Kupplungsvorgang der ICE-Züge aus Wuppertal und Düsseldorf Richtung Berlin und umgekehrt zurückgefahren und letztlich abgeschafft werden. Nagl: „Das Kuppeln ist verspätungsanfällig." Eine Erfahrung, die indirekt zum Beispiel auch viele Fahrgäste auf der stark genutzten RE-Linie zwischen Düsseldorf und Minden machen, die nicht selten auf verspätete ICE-Züge warten müssen. Insofern nutze die Überarbeitung der Fahrpläne des Fernverkehrs auch dem Schienennahverkehr, sind die Experten überzeugt.

Langfristiges Ziel: 30-Minuten-Takt

Dass die Angebote zwischen NRW und Berlin ausgeweitet werden müssen, daran ließen Nagl und Künzel keinen Zweifel. Die ICE-Strecke habe eine durchschnittliche Auslastung von rund 60 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass der ICE 10 in den nächsten fünf Jahren an seine Kapazitätsgrenzen kommt", so Nagl. Deshalb soll alle zwei Stunden auch die Sitzplatzkapazität auf der Strecke Köln-Berlin deutlich ausgeweitet werden. Die ICE-Halte in Hagen und Wuppertal bleiben erhalten.

Langfristiges Ziel der Planer sei es, einen Halbstundentakt zwischen NRW und Berlin im Fernverkehr zu realisieren. Der IC Berlin-Amsterdam soll zudem mit neuen Zügen befahren werden, die beim Grenzübergang zu den Niederlanden nicht mehr zusätzlich halten müssen.

Information

Die Deutsche Bahn zieht wegen steigender Schulden und sinkender Gewinne die Notbremse. Mit einem Ausgaben-Stopp wolle der Staatskonzern mit gut 40 Milliarden Euro Umsatz und 300.000 Mitarbeitern ein weiteres Abrutschen verhindern, sagten Konzern-Manager.

Bestellungen ab einer bestimmten Summe dürfen nur mit Sondergenehmigung in Auftrag gegeben werden. Hintergrund sei, dass sich im Nahverkehr und bei der Güterbahn die Lage zuspitze.

Zugleich soll der Anstieg der Schulden begrenzt werden, der 2018 die 20-Milliarden-Euro-Grenze erreichen könnte.

Eine Bahnsprecherin nannte das Paket einen „normalen unternehmerischen Vorgang".

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