Leiharbeit liegt weiter im Trend

Angelina Kuhlmann

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Leiharbeit macht Unternehmen flexibler. - © dpa
Leiharbeit macht Unternehmen flexibler. (© dpa)

Bielefeld. Von der „Einstiegschance" bis hin zum „prekären Beschäftigungsverhältnis" – die Leiharbeit kennt viele Bezeichnungen. Was sie nicht kennt, ist eine fehlende Nachfrage nach ihren Arbeitskräften. Laut der Agentur für Arbeit Bielefeld ist ihre Zahl in den letzten vier Jahren in OWL gestiegen: Mittlerweile sind etwa 28.000 Arbeitnehmer in einem Leiharbeitsverhältnis beschäftigt – das sind 39 Prozent mehr als 2013. Im Vergleich stieg die Beschäftigtenanzahl nur um 9 Prozent auf 825.329. Die Auftragslage in der Wirtschaft sei gut und es gebe zu wenig Fachkräfte – somit herrsche Hochkonjunktur in der Zeitarbeitsbranche, sagt Wolfram Klinke, Sprecher des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen.

„Die ursprüngliche Definition der Zeitarbeit ist es ja, flexibel reagieren zu können", sagt Linke. „Wir reden da von internationaler Wettbewerbsfähigkeit." In anderen Ländern sei die Zeitarbeit weniger verpönt. Wenn es um den Verdienst von Leiharbeitern geht – der mittlere Bruttolohn von Vollzeit-Leiharbeitern betrug 2017 1.868 Euro monatlich, der von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten 3.209 Euro – dann führt Linke an: „Bei uns sind 50 Prozent ungelernte Hilfskräfte." In Unternehmen seien die Leiharbeiter auch dann wichtig, wenn sich die Auftragslage kurzfristig ändere, ergänzt Dieter Kühnel, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbands Metallindustrie Bielefeld – Herford – Minden.

„Mit 100 Prozent Stammbelegschaft kann man nicht flexibel reagieren." Dabei gehe es nicht darum, günstige Arbeitskräfte zu bekommen. „Die sind bereit, Geld in die Hand zu nehmen. Leiharbeiter kosten im Monat deutlich mehr." Eine Möglichkeit, die Kühnel und Linke sehen, weniger Leiharbeiter zu beschäftigen, sind flexible Arbeitsverträge für Stammarbeiter. Betriebe könnten so mit ihnen auf schwankende Auftragslagen reagieren.
Für Hermann Janßen, stellvertretender Geschäftsführer von Verdi Ostwestfalen-Lippe, ist Leiharbeit „ein prekäres Arbeitsverhältnis."

Er räumt aber ein, dass es schwierig ist, sie zu verhindern. Wichtig sei ihm, dass Leiharbeiter auf einem „hohen tariflichen Niveau" auf einer Stufe mit den Stammarbeitern stehen. „Gott sei Dank ist die Leiharbeit aber etwas aus der Schmuddelecke gekommen." Es gebe seriöse Firmen, die dafür sorgten, dass „die vernünftig bezahlt werden" und die das Ziel haben, Leiharbeiter in ein Beschäftigungsverhältnis beim Kunden zu bringen. Laut Agentur für Arbeit haben das im zweiten Halbjahr 2017 in OWL 60 Prozent derer geschafft, die aus der Leiharbeit raus wollten.

Information

Mehr Beschäftigte in Deutschland


  • In Deutschland ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit dem Vorjahr um 704.000 auf 32.869.000 Beschäftigte gestiegen. 2008 waren es noch 27.566.272.
  • Aus einer Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion geht auch die Zahl der Leiharbeiter hervor: Seit 2007 gibt es 43 Prozent mehr Leiharbeiter in Deutschland. Ende vergangenen Jahres waren es 1.031.589 – 39.000 mehr als noch 2016.

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