Eltern kämpfen für Realschulen in NRW

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Der Protest von Eltern hat dafür gesorgt, dass die Bosseschule in Bielefeld entgegen der Pläne der Stadt nicht geschlossen wird. - © SANDRA SANCHEZ
Der Protest von Eltern hat dafür gesorgt, dass die Bosseschule in Bielefeld entgegen der Pläne der Stadt nicht geschlossen wird. (© SANDRA SANCHEZ)

Bielefeld/Düsseldorf. Mit dem Start in das Schuljahr 2018/19 wird mit Blick auf die Anmeldezahlen der Schüler deutlich, dass das Interesse an Haupt- und Realschulen weiter dramatisch sinkt. Für den Dortmunder Erziehungswissenschaftler Heinz Günter Holtappels ist das ein klares Zeichen dafür, dass Eltern das traditionelle dreigliedrige Schulsystem abgewählt haben.

Der Verband Lehrer NRW widerspricht dieser These vehement. „In den Städten, in denen es noch Realschulen gibt, kämpfen die Eltern für den Erhalt der Schulform", sagt die OWL-Bezirksvorsitzende Astrid Pradella.

Am Beispiel der Stadt Bielefeld wird deutlich, wie erfolgreich das Engagement von Eltern sein kann, wenn sie sich vernetzen. So hat der Protest von Eltern dafür gesorgt, dass die Bosseschule entgegen der Pläne der Stadt nicht geschlossen wird. Dieser Trend lässt sich in ganz NRW beobachten. „Immer mehr Eltern kämpfen für die Schulform. Nicht nur für ihre Kinder, sondern auch für die nachfolgenden Generationen, die auch noch die Wahl haben sollten", erklärt Pradella.

In NRW laufen fünf Schulformen nebeneinander her

Nach Angaben des Verbands Lehrer NRW hat nicht das Desinteresse der Eltern dafür gesorgt, dass immer mehr Realschulen geschlossen werden, sondern die Schulpolitik der abgewählten rot-grünen Landesregierung mit dem Wunsch einer Einheitsschule. „Einheitsschulen wurden zwar nie eingeführt, aber durch die Einführung und Förderung von Sekundarschulen als integrierte Schulform in der Sekundarstufe I sind viele Realschulen nicht weiter gefördert worden", sagt Pradella. „Die Kommunen hatten also oftmals keine andere Wahl."

Aufgrund des Schulkompromisses 2011 zwischen der damaligen Minderheitsregierung unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der Opposition laufen in NRW fünf Schulformen nebeneinander her, obwohl sie teilweise sogar ähnlich pädagogisch arbeiten. Für Erziehungswissenschaftler Holtappels ist diese Situation ein Beispiel für die Ängstlichkeit der Politik vor einer Lösung, die klare Verhältnisse schafft.

Neben fehlender Förderung hat laut Lehrer NRW auch der Wechsel zu G8 an den Gymnasien den Realschulen geschadet. „Mit G8 wurde die 10. Klasse des Gymnasiums zum Vorbereitungsjahr. Wer von der Realschule wechselte, musste deshalb die 10. Klasse wiederholen", erklärt Pradella. „Deshalb ist der Wechsel zurück zu G9 auch ein wichtiger Schritt für Realschulen."

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