So ändert der Klimawandel das Klima in OWL

Dirk-Ulrich Brüggemann und Martin Krause

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Durch die Trockenheit ramponiert: Wie auf diesem Acker im Kreis Minden-Lübbecke sind im Jahr 2018 in OWL viele Kartoffelpflanzen verdörrt. - © Heike von Schulz
Durch die Trockenheit ramponiert: Wie auf diesem Acker im Kreis Minden-Lübbecke sind im Jahr 2018 in OWL viele Kartoffelpflanzen verdörrt. (© Heike von Schulz)
Niederschlag an der Wetterstation Bielefeld-Sennestadt in den Jahren 2007-2017 - © DWD
Niederschlag an der Wetterstation Bielefeld-Sennestadt in den Jahren 2007-2017 (© DWD)

Bielefeld/Essen. Der ostwestfälische Landregen ist bedroht. Es geht um jene vertraute Art des nieseligen Niederschlags, die sich gelegentlich zu endlosem Dauerregen ausdehnt, und die zugleich für die gründliche Bewässerung unserer Region und das üppige Grün verantwortlich ist.

„Die tendenziell steigenden Temperaturen könnten dazu zu führen, dass Regenfälle in unseren Breiten im Sommer seltener, dafür aber heftiger werden – bis hin zu häufigerem Starkregen", sagt Guido Halbig, Leiter der Niederlassung Essen des Deutschen Wetterdienstes.

Das Wasser kurzer Regengüsse
fließt oberirdisch ab

Gärtner und und Landwirte werden mit den Wassermassen kurzer Regengüsse nicht glücklich, denn das Wasser fließt auf trockenen harten Böden allzu leicht oberirdisch ab – während der ergiebige Landregen tief ins Erdreich eindringen kann.

Der globale Klimawandel, der seit Jahrzehnten zu beobachten ist, wird auch das Klima – und das kurzfristige „Wetter"– in OWL verändern. Der ungewöhnlich lange und trockene Sommer dieses Jahres könnte wegweisend dafür sein, in welche Richtung es längerfristig geht. Klimaexperten erwarten, dass solche Hitzesommer künftig häufiger auftreten.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Niederschläge gesunken

Doch das von Hochdrucklagen geprägte heiße Wetter könnte auch ein statistischer Ausreißer gewesen sein.

 In welcher Weise die Niederschläge sich in der Vergangenheit entwickelt haben, zeigt der Blick auf die Statistik: Von 2007 bis 2017 ist die Summe der jährlichen Niederschläge an der Wetterstation Bielefeld-Sennestadt gesunken – dabei gehörte das Jahr 2017 mit mehr als 1.000 Millimeter Niederschlag zu den überdurchschnittlich regenreichen.

Die Entwicklung ist nicht eindeutig: Denn über einen langen Zeitraum betrachtet – etwa über die siebeneinhalb Jahrzehnte von 1941 bis 2017 – weist die Klimareihe einen Trend zu steigenden Jahresniederschlägen aus.

Bauern sind besorgt: Trockenheit hält noch an

Der meteorologische Sachverständige Karsten Mix ergänzt, dass etwa das „langjährige Niederschlagsmittel" in Bielefeld-Sennestadt von 901 Millimeter im Zeitraum 1961 bis 1990 auf 953 Millimeter (also 953 Liter pro Quadratmeter) im Zeitraum 1981 bis 2010 gestiegen ist. „Wir gehen bisher davon aus, dass die Niederschläge weiterhin leicht zunehmen", sagt Halbig.

Das Dürrejahr 2018 erscheint als Ausnahme: Bis Ende September fielen in Bielefeld erst 415 Millimeter Niederschlag – das waren 26 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des ebenfalls relativ trockenen Jahres 2016 und sogar 43 Prozent weniger als im klatschnassen Jahr 2017.

In Paderborn wurde neue Brunnen gebohrt

Die Dürre rückt die Entwicklung der Grundwasserspiegel in den Vordergrund: Paderborn verzeichnet schon seit dem Jahr 2008 ein Niederschlagsdefizit, sagt Michael Bernemann, technischer Leiter der Wasserwerke in der Domstadt. „Im letzten Jahr hatten wir etwas mehr Niederschläge. Im Moment ist der Grundwasserstand in Ordnung. Aber ab November muss es regnen, sonst sackt der Grundwasserspiegel ab", ergänzt Bernemann. Für die Wasserversorgung hat man in Paderborn alte Brunnen reaktiviert und neue gebohrt.

In Sachen Wasserverbrauch liegt die Paderstadt mit dem Netzverbrauch von 123 Litern Wasser pro Person und Tag genau im Durchschnitt. Und dieser Verbrauch ist auch notwendig, denn das Wasser soll ja immer frisch aus den Leitungen in die Haushalte kommen. Nur so ist ein ausreichender Durchfluss in den Wasserleitungen gewährleistet. Und das Wasser sollte auch immer kühl bleiben. „Im Sommer gab es Tage, in den in einigen Haushalten das Wasser mit einer Temperatur von 20 Grad aus den Hähnen floss", erklärt Bernemann.

Wasserstand der Aabachtalsperre deutlich gesunken

Ihr Trinkwasser beziehen die Paderborner überwiegend aus der bei Bad Wünnenberg gelegenen Aabachtalsperre. Sie fasst etwa 17 Millionen Kubikmeter, zur Zeit enthält der Stausee nur ungefähr 14 Millionen Kubikmeter. „Es muss also wieder Wasser nachkommen", sagt der technische Leiter der Paderborner Wasserwerke und erklärt, dass die Grundwasserbildung zwischen November und April stattfindet: „Also brauchen wird verlässliche Niederschläge im Winter."

Auch Bielefeld verzeichnet seit 2011 einen leicht rückgängigen Grundwasserspiegel, sagt Thomas Werning vom Umweltbetrieb der Stadt. „In diesem Jahr hat sich der Spiegel des Grundwasser trotz der Dürre etwas erholt", sagt Werning. „Die Lage ist nicht dramatisch. Die Schwankungen liegen nur im Bereich von Dezimetern."

Auf vielen Äckern gehen die Aussaaten nicht richtig auf

Viele westfälische Bauern sind allerdings beunruhigt, denn die Trockenheit hält an. „Vielerorts ist der Wassergehalt im Boden zu niedrig", sagt Jörn Krämer, Referent für Umweltpolitik beim Westfälisch-Lippischen Landwirtshaftsverband in Münster. Auf vielen Äckern gehen die Aussaaten von Wintergerste oder Winterweizen demnach nicht gut auf. Und der Rapsanbau sei wegen des Regenmangels mancherorts eingeschränkt worden. „Das Defizit ist noch nicht ausgeglichen, viele Bauern hoffen auf Regen", so Krämer.

Einzigartig ist die Dürre des Jahres 2018 freilich nicht. Im gesamten Jahr 1959 zum Beispiel kam weniger Wasser vom Himmel als 2018 allein bis September. Weitere trockene Jahre folgten in den 60er und 70er Jahren. Tröstlich: Ein Trockenjahr macht noch keine Wüste.

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