Telenotärzte sollen auch in OWL zum Einsatz kommen

Nicht bei jedem Notfall muss eine Notärztin oder ein Notarzt physisch anwesend sein. Das System Telenotarzt wird heiß diskutiert.

Matthias Bungeroth

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Telenotärzte könnten künftig in OWL Rettungseinsätze unterstützen.  - © picture alliance/imageBROKER
Telenotärzte könnten künftig in OWL Rettungseinsätze unterstützen.  (© picture alliance/imageBROKER)

Lemgo/Bielefeld. Bei medizinischen Notfällen sollen in ganz Nordrhein-Westfalen künftig sogenannte Telenotärzte zum Einsatz kommen, die per Video in die Rettungswagen am Einsatzort geschaltet werden. Das beabsichtigt Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

"Nicht bei jedem akuten Notfall muss eine Notärztin oder ein Notarzt physisch anwesend sein", sagt der Minister. Auch in Ostwestfalen-Lippe sind erste Gespräche zur Einführung dieses Systems schon weit gediehen. "Wir stehen Ende Oktober vor einer Entscheidung", sagt Meinolf Haase, als Fachdienstleiter des Kreises Lippe für die Organisation von Notfalleinsätzen zuständig.

Es gehe darum, eine Entscheidung für das Gebiet der Kreise Lippe, Paderborn und Höxter herbeizuführen, so Haase. Man spreche mit Anbietern der Technologie und der kassenärztlichen Vereinigung, so Haase weiter. "Ich begrüße das Thema Telemedizin auf das Äußerste", betont Haase. In Aachen wird das Telenotarzt-System bereits seit einem Jahr angewendet.

Fürsprecher in OWL

Dabei unterstützen hoch qualifizierte Notärzte den jeweiligen Rettungsdienst vor Ort bei Therapiemaßnahmen oder organisatorischen Hilfeleistungen. Die Kontaktaufnahme zwischen Rettungswagen und Einsatzleitstelle erfolgt über Mobilfunk und eine spezielle, eigens hierfür entwickelte mobile Kommunikationseinheit.

Die Einsatzleitstelle der Feuerwehr in Lemgo disponiert für ganz Lippe pro Jahr rund 50.000 Noteinsätze. Hinzu kommen jede Woche rund 700 Anrufe für den kassenärztlichen Notdienst unter den Rufnummern 116/117, auch für die Kreise Paderborn und Höxter, wie Haase erläutert.

Das System des Telenotarztes findet in OWL auch weitere Fürsprecher. "Ich halte das für eine gute Idee", sagt Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, auf Anfrage. Der Bielefelder Mediziner war, wie er berichtet, selbst zehn Jahre lang als Notarzt im Einsatz.

Telenotarzt kann Arzt nicht ersetzen

Man dürfe allerdings trotz dieser neuen Technologie nicht nachlassen, neue Notfallmediziner auszubilden, betont Windhorst. Denn der Telenotarzt könne im Zweifelsfall nicht generell den rollenden Arzt vor Ort ersetzen. Die Kammer habe im Vorjahr insgesamt 165 Notfallmediziner erfolgreich ausgebildet. Diese Anstrengungen müssten auch weitergehen, um nicht in eine Mangelsituation zu kommen.

In der Stadt Bielefeld sowie im Kreis Gütersloh ist die Einführung des Telenotarztes aktuell noch kein Thema, wie Anfragen ergaben.

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