Umweltbundesamt will Parkplätze in Innenstädten um ein Drittel reduzieren

Matthias Bungeroth

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Wenig Platz für Fußgänger: In vielen Großstädten dominiert nach wie vor das Auto den Verkehrsraum.   - © Picture Alliance
Wenig Platz für Fußgänger: In vielen Großstädten dominiert nach wie vor das Auto den Verkehrsraum.   (© Picture Alliance)

Autofahrer kennen das: Die Straßen in den Innenstädten sind verstopft, und wer einen Parkplatz vor dem Einkaufsbummel sucht, hat nicht selten das Nachsehen. Da kommt nun vom Umweltbundesamt (UBA) ein Vorstoß, der auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar erscheint: Die Zahl der Parkplätze in den Innenstädten soll deutlich reduziert werden, so die provokante Forderung - von einem Drittel ist die Rede.

Denn diese Flächen sollen künftig Fußgängern zur Verfügung stehen. Das befürworten Experten auf dem zweiten deutschen Fußgängerverkehrskongress in Berlin. Zu den Mitveranstaltern gehört das Verkehrsministerium von Nordrhein-Westfalen.

"Wir brauchen eine bundesweite Strategie zum Fußverkehr, wie sie es in mehreren europäischen Ländern gibt", sagt dazu UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Und in der Tat gibt es Städte wie zum Beispiel Helsinki, die Autos sogar weitgehend aus der Innenstadt verbannen wollen - allerdings nicht mit Verboten, sondern mit Angeboten, die das Auto überflüssig machen sollen.

Die natürlichste Form der Mobilität

Zufußgehen sei "die natürlichste und grundlegendste Form der Mobilität", sagt Krautzberger. Es sei deshalb wichtig, den Fußverkehr zu stärken, "für mehr Umweltschutz und lebenswertere Städte", wie sie es formuliert.

Deshalb debattieren die rund 300 Expertinnen und Experten in Berlin an zwei Tagen die Grundzüge einer möglichen bundesweiten Fußverkehrsstrategie, die erstmals einen Handlungskatalog festschreiben würde.

Die Liste möglicher Maßnahmen ist lang und dürfte auch für Zündstoff sorgen. Dazu gehört etwa die Forderung nach einem neuen, fußgängerfreundlichen Planungsrecht ebenso wie die Einführung einer Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerorts, die Erhöhung von Bußgeldern für fußgängerfeindliches Verhalten oder die Festlegung baulicher Mindeststandards für Fußwege oder Ampelschaltphasen.

Es gibt noch zu wenig Wissen

Darüber hinaus soll die Forschung mit eigenen Programmen das Thema gezielt aufnehmen und vorantreiben. Denn bisher gibt es zu dieser umweltfreundlichen Form des Verkehrs laut Krautzberger noch zu wenig Wissen. Sie weiß aber: "Ein Fünftel aller Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, ist kürzer als zwei Kilometer." Damit könnten die meisten Wege "problemlos zu Fuß zurückgelegt werden".

Wer aber derzeit auf diese Fortbewegungsart setze, habe in Deutschland oft unter Abgasen, Lärm und Enge zu leiden und sei stark unfallgefährdet. Krautzberger: "Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Verkehrstoten innerorts waren zu Fuß unterwegs." Zudem sei das Potenzial des Fußverkehrs noch keineswegs ausgeschöpft.

Deshalb schlägt das UBA als Ziel bis zum Jahr 2030 vor, den Fußverkehrsanteil der Deutschen von derzeit durchschnittlich 27 Prozent in den Kernstädten auf 41 Prozent und von durchschnittlich 23 Prozent in den ländlichen Kreisen auf 35 Prozent zu steigern.

"Das europäische Ausland hat die Bedeutung des Fußverkehrs längst erkannt", sagt Krautzberger. In Ländern wie Österreich, Schottland oder Wales sowie Finnland und Norwegen gebe es nationale Fußverkehrsstrategien.

Eine bundeseinheitliche Strategie könne den zuständigen Kommunen helfen, ihre Aufgaben auf diesem Gebiet zu bewältigen.

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