Start vor Totensonntag: Paderborner Weihnachtsmarkt bricht mit Tradition

Lena Leite und Larissa Reichel

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Weihnachtssterne (© Symbolfoto: Pixabay)

Paderborn. Das Weihnachtsgebäck steht seit September in den Supermarktregalen, im Fernsehen läuft schon Weihnachtswerbung und die ersten Schneeflocken sind bereits gefallen. Auch die Buden für den Weihnachtsmarkt sind schon aufgebaut. Dieser startet nun erstmals vor Totensonntag – eine Premiere in Paderborn.

Der Weihnachtsmarkt beginnt in diesem Jahr am Freitag vor Totensonntag. Der Antrag auf die frühe Eröffnung wurde vom Schaustellerverein gestellt und vom Marktausschuss im Juni genehmigt. Lediglich die SPD stimmte für die reguläre Eröffnung nach Totensonntag. Jens Reinhardt, Pressesprecher der Stadt Paderborn, sagt über das Pilot-Projekt: „Es ist erst einmal ein Test." Mit den gesammelten Erfahrungen soll die Entscheidung im Nachhinein bewertet werden.

Andere Märkte auch schon früher geöffnet

„Die Eröffnung ist eine Bereicherung für die Stadt", meint Hans-Otto Bröckling, Vorsitzender des Schaustellervereins. Außerdem hätten andere Städte wie Bielefeld, Dortmund oder Münster ihre Weihnachtsmärkte in den letzten Jahren auch schon früher eröffnet. Angesichts der Konkurrenz fragt er: „Warum sollten wir unsere Kundschaft woanders hinschicken?" In den letzten Jahren sei der Weihnachtsmarkt zu kurz gewesen, dieses Jahr gelte als Ausgleich.

Auf Anfrage der Neuen Westfälischen erklärte das Erzbistum Paderborn, dass sich eine Stellungnahme zu dem Thema erübrige, da über das Vorgehen im Marktausschuss abgestimmt wurde. Bröckling hatte sich nach eigenen Angaben im Vorfeld nämlich die Genehmigung der katholischen und evangelischen Kirchenvertreter in Paderborn eingeholt. Demnach habe die Kirche nichts gegen den Vorschlag einzuwenden gehabt, so Bröckling.

Aber was halten die Paderborner von der frühen Eröffnung und der ganztägigen Schließung am Totensonntag? „Dass Sonntag geschlossen ist, finde ich, ist eine gute Idee", sagt die Studentin Jannika Flum aus Paderborn. Sie freue sich auf den Weihnachtsmarkt und habe auch mit der früheren Eröffnung kein Problem. Sabine aus Altenbeken gibt sich diplomatisch: „So eng sehe ich das nicht. Für die Aussteller gibt es dann einige Tage mehr. Aber ich hätte trotzdem erst Montag aufgemacht."

Gemischte Meinungen unter den Schaustellern

Gleichgültig zeigt sich Thomas aus Salzkotten: „Es ist mir völlig egal. Wenn die Schausteller mehr Tage brauchen, soll das so sein". Genauso sehen es Ursula und Wolfgang aus Bad Driburg: „Uns ist es egal. Wir kommen nicht extra für den Weihnachtsmarkt hier her. So spektakulär ist er jetzt auch nicht."

Kritik übt ein Ehepaar, das anonym bleiben will. „Es ist eine rein kommerzielle Geschichte und eine Vorziehung der Adventszeit", meint der Bad Lippspringer. Seine Frau fände es auch besser, wenn es einen deutlicheren Abstand zwischen Totensonntag und der Weihnachtsmarkteröffnung gäbe: „Ich finde es schöner, die Tradition zu wahren. So verschwimmen die Grenzen."

Auf der Seite der Schausteller gibt es ebenfalls gemischte Meinungen. Mario Voss, Betreiber einiger Stände auf dem Neuen Platz, sagt über die frühe Eröffnung: „Ich persönlich finde das klasse! Natürlich ist Totensonntag ein wichtiger Feiertag, aber es gibt auch viele Leute, die Lust auf Weihnachtsmarkt haben." Er denkt an Totensonntag auch an seine Mitarbeiter. „Die Schließung ist auf jeden Fall richtig. Die Tradition sollte man hoch halten", sagt der Paderborner.

Die Kunsthandwerker auf dem Weihnachtsmarkt hätten sich eine andere Lösung gewünscht. Ulrike Nottbeck, Betreiberin eines Lederwarenstandes, findet die Eröffnung „grundsätzlich zu früh". Sie hätte den ersten Advent als Eröffnungstermin bevorzugt: „Noch suchen die Leute keine Weihnachtsgeschenke." Seit 30 Jahren ist sie Teil des Weihnachtsmarktes und kann aus Erfahrung sprechen: „In den letzten Jahren fand ich die Laufzeit des Weihnachtsmarktes besser. Aber wir passen uns an."

Der Weihnachtsmarkt wird offiziell am kommenden Freitag, 23. November, um 16.30 Uhr eröffnet. Werk- und Sonntags ist der Markt bis zum 23. Dezember von 11 bis 21 Uhr sowie freitags und samstags bis 22 Uhr geöffnet.

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