OWL-Bauern sehen Wolfsansiedlung sehr kritisch

Matthias Bungeroth

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Sprechen für die Landwirte in OWL: Herbert Quakernack, Antonius Tillmann und Hubertus Beringmeier (v. l.). - © Wolfgang Rudolf
Sprechen für die Landwirte in OWL: Herbert Quakernack, Antonius Tillmann und Hubertus Beringmeier (v. l.). (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld. Nicht gerade jubelnd ziehen die Landwirte in Ostwestfalen-Lippe in diesen Tagen ihre Bilanz für 2018. „Das Jahr war ein extremes Jahr für uns", sagt Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL. Die Dürre schmälerte die Erntebilanz, die Zahl der Betriebe geht voraussichtlich um rund 360 auf 6.500 zurück.

Und doch ist der Ruf nach staatlicher Unterstützung denkbar gering. Nur zehn Betriebe haben einen Antrag auf Dürrehilfe gestellt, sagte Beringmeier nach neuen Zählungen. Jüngst war noch vom Zehnfachen die Rede gewesen. „Bauern wollen nicht nach Steuergeldern greifen, sondern Unternehmer sein", sagt Beringmeier. Deshalb bringt Herbert Quakernack, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL, erneut den Vorschlag einer Risikoausgleichsrücklage ins Gespräch. „Dies ist kein Steuersparmodell", unterstreicht Quakernack. Aber es müsse möglich sein, dass Landwirte gute und schlechte Jahre steuerlich miteinander verbinden. Mit einer solchen Reserve könnten Risiken wie Klima- und Unwetterfolgen sowie Preisschwankungen auf den globalen Märkten besser abgefedert werden.

Werde 2019 ähnlich von Dürre geprägt wie das jetzt zu Ende gehende Jahr, „kriegen wir ein Problem", ist Beringmeier überzeugt. Angesichts dieser Gemengelage bereitet den Landwirten eine weitere Entwicklung immer größere Sorgen: die Ansiedlung einer immer größer werdenden Zahl von Wölfen, auch in Ostwestfalen-Lippe.

Deshalb spricht Antonius Tillmann, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes OWL, in dieser Sache auch Klartext. „Wir werden keine friedliche Koexistenz von Weidehaltung und Wolf ermöglichen können", mahnt Tillmann. Der Wolf stelle die Halter von Pferden, Schafen, Ziegen, Rindern und Geflügel unter freiem Himmel vor unlösbare Probleme. „Das Risiko wird gar nicht mehr versicherbar sein."

Hinzu komme, dass die Stimmung bei vielen Tierhaltern auch aus anderen Gründen auf den Nullpunkt gesunken sei. Dies hätten Klagen von Umweltverbänden gegen Tierhalter ausgelöst, die angeblich ihre Herden nicht gut genug vor Wolfsattacken geschützt hätten, so Tillmann.

„Wir müssen uns als Gesellschaft klar werden, was wir wollen", plädiert der Landwirt aus Höxter für eine grundlegende Debatte in dieser Frage. „Bevor die Probleme unbeherrschbar werden, muss die Begrenzung der Wolfspopulation mit jagdlichen Mitteln ermöglicht werden."

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