12-Jährige surfen mit dem Smartphone im Schnitt täglich 165 Minuten

Finn Mayer-Kuckuk

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Weihnachtswunsch Smartphone: Experten raten zum Abwarten - © Symbolfoto Pixabay
Weihnachtswunsch Smartphone: Experten raten zum Abwarten (© Symbolfoto Pixabay)

Bielefeld. Weihnachtszeit ist Wunschzeit – und das heißt in vielen Familien: Die Anschaffung des ersten Handys steht an. Doch der dringende Wunsch nach dem ersten Smartphone wirft auch Fragen auf und bringt Konflikte. „Die Kinder haben das Empfinden, dass sie ein Handy brauchen, um in der Gruppe dazuzugehören", sagt Martin Drechsler von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM). Demgegenüber stehen knapp drei Viertel der Eltern, die sich um die Sicherheit der Kinder beim Umgang mit elektronischen Medien Sorgen machen. „Schließlich spielt schon für Kinder im Grundschulalter das Smartphone heute eine entscheidende Rolle im Leben."

Das erste eigene Smartphone gibt es laut Studien meist im Alter zwischen acht und 13 Jahren. Besonders häufig erfolgt die Anschaffung bereits beim Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule. Ein Leben ohne Smartphone ist Jugendlichen dabei offenbar völlig unmöglich. 97 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein Internethandy, wie die aktuelle Studie zu Jugend, Information und Medien (JIM 2018) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest zeigt.

Schon 95 Prozent der 12- und 13-Jährigen haben ein internetfähiges Handy. Fast alle Befragten gehen mit dem Smartphone ins Netz und dürfen das nach eigener Angabe auch, zwei Drittel der Jugendlichen sehen damit täglich Online-Videos an. Der Untersuchung zufolge sind sogar schon 85 Prozent der befragten 12- und 13-Jährigen täglich im Web unterwegs, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Die tägliche Nutzungsdauer dieser Altersgruppe hat sich im gleichen Zeitraum um 23 Prozent auf 165 Minuten erhöht.

Auch wenn das Handy in Kinderhänden längst Realität ist, raten Experten generell dazu, den Kauf möglichst lang hinauszuzögern. „Smartphones sind tolle Geräte, aber ein Kind sollte die nötige Reife haben, damit umzugehen", sagt Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE). Ritzer-Sachs ist in der BKE-Onlineberatung für Jugendliche und Eltern ständig mit Fragen zur Mediennutzung konfrontiert. Es sei heute unrealistisch, das Handy langfristig zu verweigern. „Aber die Gefahren überwiegen bei Kindern auf jeden Fall den Nutzen", sagt er.

Das richtige Einstiegsalter ist dabei je nach Kind unterschiedlich. Akzeptiert es auch mal ein Nein? Macht es seine Hausaufgaben ohne Drama? Das seien Anzeichen dafür, dass die Entwicklung auch für den Umgang mit einem Mobiltelefon weit genug fortgeschritten ist. Zwar hält Sozialpädagoge Ritzer-Sachs sogar ein Alter von zwölf und sogar 13 Jahren im Allgemeinen noch für zu jung für den Umgang mit Handys. Doch ihm ist klar, dass der Druck auf die Eltern ab diesem Alter langsam übermächtig wird.

Selbst Achtjährige haben schon ein Smartphone. Doch wenn in der Grundschule gequengelt werde, „alle in der Klasse haben schon ein Handy", sollten die Eltern erst mal herumfragen, ob das stimmt. „Jedes Jahr später ist besser", so Ritzer-Sachs. Es koste viel Energie, den Erstkauf hinauszuzögern, doch man tue dem Kind einen Gefallen.

Zeitbeschränkungen ratsam

Der Glaube, das Handy werde zum Recherchieren für die Schule verwendet und mache das Kind schlauer, erweist sich oft als Irrtum, berichtet der Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs. Auch die Hoffnung der Eltern, das Kind nun jederzeit erreichen und damit überwachen zu können, werde oft getrogen. Meist ignoriere es das Gerät genau dann, wenn die Eltern am dringendsten anrufen wollten. Er rät: Die Kids müssen fragen, wenn sie es benutzen dürfen, und es gibt Zeitbeschränkungen.

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