Ärger bei Finke-Mitarbeitern wegen Bleibeprämie

Martin Fröhlich

  • 0
Angespannte Stimmung: Bei Finke Möbel an der Paderborner Straße bangen viele Mitarbeiter um ihre Zukunft. - © Marc Köppelmann
Angespannte Stimmung: Bei Finke Möbel an der Paderborner Straße bangen viele Mitarbeiter um ihre Zukunft. (© Marc Köppelmann)

Paderborn. Bei Finke Möbel schauen die Mitarbeiter auf den 2. Januar 2019. Dann soll ihnen in einer Betriebsversammlung erklärt werden, wie der Sozialplan aussieht, auf den sich Unternehmensleitung und Betriebsrat geeinigt haben. Das Möbelhaus wird zum 31. März geschlossen, die Verwaltung spätestens zum Jahresende.

Doch schon vor der Betriebsversammlung sorgt das Vorgehen der Unternehmensleitung bei vielen Mitarbeitern für Kopfschütteln. Nach Informationen dieser Zeitung geht es dabei vor allem um eine sogenannte Bleibeprämie. Finke war im Oktober von der Krieger-Gruppe (Höffner Möbel) übernommen worden. Zunächst hieß es, alle Standorte und damit auch der in Paderborn, blieben erhalten. Im November dann die Kehrtwende: Das Haupthaus und die Verwaltung werden geschlossen und abgerissen.

Manche Abteilungen sind stark unterbesetzt

Diese Ankündigung aber stellte die neue Unternehmensleitung um Geschäftsführer Franz-Josef Golüke vor ein Problem: Für den befristeten Weiterbetrieb des Möbelhauses und der Verwaltung brauchen sie Personal. Doch die Zahl der Mitarbeiter, die seit der Ankündigung der Schließung das Haus verlässt, wächst rasant. Manche Abteilungen waren so stark unterbesetzt, dass ein normaler Arbeitsablauf kaum noch zu gewährleisten war.

Deshalb wurde den verbliebenen Kollegen eine Art Bleibeprämie angeboten. Die soll erhalten, wer bis zum geplanten Ende im Haus weiterarbeitet. In der Verwaltung etwa sah der Vorschlag so aus: Wer bis zum Jahresende 2019 bei Finke weitermacht, erhält im Januar 2020 ein dreifaches Bruttomonatsgehalt als Prämie dazu. Eine der Bedingungen war dabei allerdings, dass maximal 20 Prozent Fehlzeiten aufgrund von Krankheit auftreten. Damit wollte man offenbar verhindern, dass sich Mitarbeiter langfristig krankschreiben lassen.

Die Kündigungsfrist wird zum Problem

Für die Prämienregelung wurde den Mitarbeitern ein Vertrag vorgelegt. Wie es heißt, habe rund die Hälfte der Beschäftigten unterschrieben. Die andere Hälfte tat das nicht. Diesen Kollegen, so ist aus dem Umfeld des Hauses zu hören, sei nun reihenweise klargemacht worden, dass bei ihnen die vollen Kündigungsfristen gelten. Das bedeutet: Wer einen anderen Job findet, muss trotz der Schließung die volle Kündigungsfrist einhalten.

Bei Finke in Paderborn arbeitet ein Großteil der Belegschaft schon viele Jahre. Die meisten unterliegen somit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten, was bei der kurzfristigen Suche nach einem neuen Arbeitgeber durchaus zum Hindernis werden kann. Praktisch könnte von diesen Betroffenen niemand vor Juli wechseln. Die Kritik aus Mitarbeiterkreisen lautet nun, dass die neue Unternehmensführung ursprünglich erklärt habe, den Beschäftigten, die neue Jobs finden, keine Steine in den Weg zu legen. Genau das aber tue sie nun.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!