Personalkosten sparen: Miele verkündet Einstellungsstopp

Ludger Osterkamp

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Schonwaschgang oder Kochwäsche: Mit einem iPod Touch oder einem iPhone lassen sich bestimmte Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte von Miele aus der Ferne steuern. Wird der innovative Fortschritt unter dem Einstellungsstopp leiden? - © dpa/Miele/tmn
Schonwaschgang oder Kochwäsche: Mit einem iPod Touch oder einem iPhone lassen sich bestimmte Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte von Miele aus der Ferne steuern. Wird der innovative Fortschritt unter dem Einstellungsstopp leiden? (© dpa/Miele/tmn)

Gütersloh. Das Unternehmen Miele ist bestrebt, bei den Personalkosten zu sparen. In einem Brief, der allen Mitarbeitern an den deutschen Standorten zugegangen ist, verkündet die Geschäftsleitung ab sofort einen grundsätzlichen Einstellungsstopp. Zudem will Miele befristete Verträge nicht mehr in unbefristete umwandeln.

Das Unternehmen begründet die Schritte mit der abflauenden Konjunktur bei gleichzeitig steigenden Kosten. Laut Geschäftsleitung zeichne sich schon jetzt ab, dass Miele im aktuellen Geschäftsjahr stagniere. „Wir werden kaum mehr als unseren Vorjahresumsatz erreichen können", heißt es in dem Brief.

In wichtigen Ländern erreiche die Branche schon seit Monaten keine Zuwachsraten mehr, in Deutschland, wo Miele rund 30 Prozent seines Gesamtumsatzes von 4,1 Milliarden Euro erzielt, sei der relevante Markt für große Hausgeräte sogar rückläufig.„So steigen unsere Kosten in Summe deutlich stärker als unser Umsatz, und eine Erholung unserer Märkte ist derzeit nicht in Sicht."

„Eine Erholung unserer Märkte ist derzeit nicht in Sicht"

Der von allen fünf Mitgliedern der Geschäftsleitung unterzeichnete Brief mit der Überschrift „Sofortprogramm zur Senkung der Kosten" ging an alle 11.300 Mitarbeiter der Miele & Cie. KG in Deutschland. Die 8.900 Beschäftigten der Miele Beteiligungs GmbH, in der die Auslandsstandorte und -vertriebsgesellschaften gebündelt sind, haben die Post dagegen nicht erhalten und werden es auch nicht, so ein Firmensprecher.

Unabhängig von diesen Sofort-Sparmaßnahmen laufen die beiden Effizienzsteigerungsprogramme Fit4Growth und MWS 4.0 (Miele-Wertschöpfungs-System) weiter. Das weitere Programm mit McKinsey, „Design2Excellence" genannt, ist laut Miele eher auf langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und übergeordnete Strukturen angelegt. Hier beabsichtigt Miele, weltweit ein Einsparvolumen von „deutlich mehr als 100 Millionen Euro" zu erzielen. In wenigen Wochen werde man dazu Näheres berichten können.

Überstundenkonten schrumpfen

Für das Sofortprogramm zur Kostensenkung habe Miele laut Brief „einen sorgfältig abgewogenen Katalog von Maßnahmen beschlossen, die kurzfristig umsetzbar und wirksam sind." Dazu zähle, Sachkosten wie Werbung, Instandhaltung und Firmenfahrzeuge zu prüfen. Die großen, internationalen Konferenzen für Führungskräfte kämen auf den Prüfstand und würden 2019 großteils ausgesetzt.

Bei den Personalkosten setzt Miele neben dem Einstellungs- und Entfristungsstopp darauf, die Überstundenkonten zu schrumpfen. Bestehende Guthaben sollen bis Ende Juni auf maximal 50 Stunden abgebummelt werden. Ferner kündigte Miele an, die Mehrstundenverträge fristgemäß zu kündigen – das sind Einzelverträge, die individuell vereinbaren, über die tariflich gesetzten 35 Stunden hinaus zu arbeiten.

Im Einklang mit den Betriebsvereinbarungen

Der Tarifvertrag erlaubt solche Vereinbarungen für bis zu 18 Prozent der Belegschaft – bei Miele soll der Anteil bei 12 Prozent liegen. Miele will solche Mehrstundenverträge um drei Stunden schrumpfen, sofern dadurch nicht die 35 Stunden unterschritten werden. Die Firmenleitung betont, alle Maßnahmen stünden im Einklang mit den Betriebsvereinbarungen.

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