Bielefelder zieht gegen Datingportal "Parship" vor Gericht

Jens Reichenbach

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Nur ein Klick zur großen Liebe? Klappt nicht immer. - © Symbolfoto: Pixabay
Nur ein Klick zur großen Liebe? Klappt nicht immer. (© Symbolfoto: Pixabay)

Bielefeld/Hamburg. Mit Erfolg hat jetzt der Bielefelder Sascha K. (Name geändert) vor dem Hamburger Amtsgericht gegen das Datingportal "parship.de" geklagt. Der Bielefelder hatte im April auf der Dating-Plattform einer "Premiummitgliedschaft" für 600 Euro im Jahr zugestimmt. Zwei Tage vor Ablauf der eingeräumten Widerrufsfrist trat er von dem Vertrag zurück. Parship bestätigte den Widerspruch, forderte aber zunächst 432, später sogar 510 Euro für die zwölftägige Mitgliedschaft - laut Betreiber der angemessene Wertersatz.

Wie bereits berichtet, berechnet das Datingportal den Wert der anteiligen Nutzung trotz der Kritik zahlreicher Verbraucherschützer nicht nach dem zeitlichen Anteil der Mitgliedschaft, sondern nach der Zahl der bereits gelungenen Kontakte. Weil Parship Premiummitgliedern sieben Kontakte im Jahr garantiert und Sascha K. tatsächlich in der kurzen Zeit zu sechs Singles Kontakt hatte, kam das Hamburger Unternehmen zu der überraschenden hohen Wertersatz-Forderung.

Das ließ sich der Bielefelder nicht bieten. Als im Juli sogar ein Inkassobüro zusätzliche Gebühren verlangte, nahm er Kontakt mit Rechtsanwalt Christian Bergmann auf und entschied sich nach der Rechtsberatung schließlich gegen diese Forderungen gerichtlich vorzugehen.
Betroffene möchten sich juristischen Ärger ersparen

Bergmann erklärt: "Der Wertersatzanspruch nach der Zahl der Kontakte ist nach aktueller Rechtsauffassung unbegründet." Doch die meisten Betroffenen bezahlten solche Forderungen einfach, um sich den juristischen Ärger zu ersparen. Auch Sascha K. ging mit seiner "negativen Feststellungsklage" ein gewisses Kostenrisiko ein - Streitgegenstand und Prozesskosten lägen hier ähnlich hoch. "Das schreckt viele Kunden ab", sagt der Anwalt.

Möglicherweise gehe Parship genau davon aus. Denn das Datingportal stellte im Streit mit dem Bielefelder keine Anträge und erschien auch nicht mit einem Vertreter zum Gerichtstermin. Das Amtsgericht erließ laut Bergmann deshalb ein Versäumnisurteil und gab K. Recht. "Demnach muss er keinen Wertersatz zahlen, die Prozesskosten muss die Parship-Betreibergesellschaft PE Digital GmbH tragen."

Parship betont weiterhin, dass die Vermittlung besonders gut passender Partner Kernleistung des Services sei, so eine Unternehmenssprecherin: "Und das ist der Grund, weshalb wir für bereits entstandene Kontakte Wertersatz berechnen."

Die Bielefelder Verbraucherzentrale beschäftigt sich etwa einmal im Monat mit gleich gelagerten Fällen. Oft könne mit Hilfe der Experten schon vor dem finalen Gerichtsstreit ein Vergleich erzielt werden, dem dann doch ein Wertersatz nach Dauer der Mitgliedschaft zugrunde liegt. Auch zahlreiche Klagen waren bisher vor Gericht erfolgreich. Allerdings scheiterte der Versuch der Verbraucherzentralen, Parship juristisch eine Berechnung des Wertersatzes zu verbieten, der nicht nach der Dauer der Mitgliedschaft geht.

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