Bielefelder Drogendealer fahren Luxus-Limousinen - und beziehen Hartz IV

Jürgen Mahncke und Jens Reichenbach

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Blaulicht (© dpa)

Bielefeld. Die Polizei wertet die jüngste Razzia gegen den organisierten Drogenhandel als großen Erfolg. Behördensprecher Stefan Tiemann zeigt sich sehr zufrieden über das Ergebnis. Steht doch die Familie, die federführend in diesem Fall Drogenhandel betrieben haben soll, schon seit vielen Jahren im Fokus der Ermittler.

Denn Adil M., Oberhaupt des kurdisch-jesidischen Familienclans, und drei seiner Söhne gehören nach Informationen dieser Zeitung zu den Festgenommenen, die inzwischen in U-Haft sitzen - wegen "Drogenhandels mit nicht geringen Mengen".

Seit Jahren ist Adils Sohn Cihan M. (32) in Drogengeschäfte verwickelt, sein Bruder Özgür (31) wollte vor zehn Jahren sogar die Schuld auf sich nehmen, als sein vorbestrafter Bruder Cihan damals versehentlich seine Freundin angeschosssen und lebensgefährlich verletzt hatte. Oberhaupt Adil (52) galt immer als der Mann, der die Fäden in den Händen hält. Seit dem sogenannten TÜV-Mord 2002 an der Böttcherstraße soll er nur noch mit einer schusssicheren Weste auf die Straße gehen.

Hartz IV-Empfänger fahren teure Luxuslimousinen

Ein Jahr lang waren die Kripoermittler nun auf den Fersen der mutmaßlichen Drogenhändler. Und dann kam der Tag des Zugriffs. Wie berichtet, hatten SEK- und Einsatzhundertschaften unterstützt von Polizeihunden im Auftrag der Kripoermittler gleich neun Objekte in der Bielefelder Innenstadt und in einem Fall in Enger durchsucht. Zehn Verdächtige wurden anschließend vorläufig festgenommen. Fünf von ihnen landeten angesichts der Beweislage sogar in Untersuchungshaft.

Wie am Rande des Einsatzes bekannt wurde, soll die Familie M. offiziell von Hartz IV leben. Doch die Männer fahren teure Luxuslimousinen der Marken Mercedes, Audi und BMW. Sechs solche Fahrzeuge beschlagnahmte die Kripo.

Im Haus des Clan-Chefs an der Gutenbergstraße sollen allein fünf der 60 Kilo Rauschgift gefunden worden sei, die später sichergestellt wurden. Die Polizei stellte zudem Bargeld im hohen fünfstelligen Bereich sicher.

Wofür diente das hydraulische Gerät?

Die Ermittlungen in dem Fall dauern weiter an. Neben Drogen und Drogenutensilien wurde auch Diebesgut und ein hydraulisches Gerät gefunden, das möglicherweise für schwere Einbrüche hilfreich gewesen sein könnten.

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