Bachelor-Studium an Bielefelder Medizin-Fakultät geplant

Lothar Schmalen

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Mission Medizin-Fakultät: Der Bielefelder Uni-Rektor Gerhard Sagerer erläutert im Landtag die Pläne für die neue Fakultät. - © Sarah Jonek
Mission Medizin-Fakultät: Der Bielefelder Uni-Rektor Gerhard Sagerer erläutert im Landtag die Pläne für die neue Fakultät. (© Sarah Jonek)

Düsseldorf/Bielefeld. An der neuen medizinischen Fakultät der Bielefelder Universität sollen junge Mediziner auch einen Bachelor erwerben können. Das wäre einzigartig in Deutschland, sagte Uni-Rektor Gerhard Sagerer, der im Wissenschaftsausschuss des Landtags über die Pläne für die die Medizinerausbildung in Bielefeld berichtete.

Im Konzept für die neue Fakultät steht auch ein Bachelor-Studiengang mit einem zusätzlichen forschungsorientierten siebten Semester als Wahlmöglichkeit („Bachelor interdisziplinäre medizinische Wissenschaften"). So liegt es auch dem Wissenschaftsrat zur Prüfung vor. Sagerer strebt in einem zweiten Schritt an, das siebensemestrige Bachelor-Studium obligatorisch zu machen. Dazu bedarf es einer Ausnahmegenehmigung des Wissenschaftsrats und des NRW-Wissenschaftsministeriums. Das Medizin-Studium würde in Bielefeld dann insgesamt ein Semester länger dauern als an allen anderen medizinischen Fakultäten in Deutschland. Die Bachelor-Absolventen könnten entscheiden, ob sie sich in weiteren Semestern und in einem praktischen Jahr an einer Klinik zum Arzt ausbilden lassen oder ein anderes, ein Masterstudium absolvieren.

Wissenschaftlicher Schwerpunkt der neuen Fakultät soll die Medizin für Menschen mit Behinderungen und für chronisch Erkrankte werden. Das passe gut in die Region OWL mit ihren großen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, sagte Sagerer.

Seit September 2018 liegt dem Wissenschaftsrat das Konzept für das „Bielefelder Modell" vor, im Dezember folgte ein Ortstermin des Gremiums in Bielefeld. Nun warten alle gespannt auf das Ergebnis der Prüfungen des Wissenschaftsrates. „Der Rat ist immer kritisch, da werden wir vielleicht noch den einen oder anderen Änderungshinweis bekommen", sagte Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos). Sie hatte kurz nach ihrer Amtsübernahme im Sommer 2017 bei dem Gremium ein Gutachten für alle Medizinischen Fakultäten in NRW in Auftrag gegeben.

Sagerer berichtete der Wissenschaftspolitikerin in Düsseldorf von seinem Zeitplan. Im Wintersemester 2021/22 sollen zunächst 48 Studierende des ersten Semesters und 48 Studierende des fünften Semesters beginnen. In Volllast sollen dann zum Wintersemester 2025/26 insgesamt 300 Medizin-Studienplätze zur Verfügung stehen.

Der Bielefelder Uni-Rektor erhielt Lob von allen Seiten für die zügige und inhaltlich stringente Planung der neuen Fakultät, die mit am Ende knapp 2.000 Studenten eine der größten an die Uni wird. Sogar SPD und Grüne, die in ihrer Regierungszeit die Neugründung einer Medizin-Fakultät in Bielefeld für zu teuer erachtet hatten und stattdessen die Kooperation der Bochumer Medizin-Fakultät mit Kliniken in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke eingestielt hatten, waren voll des Lobes. Der Bielefelder SPD-Abgeordnete Georg Fortmeier würdigte ebenso wie sein Bielefelder Kollege von den Grünnen, Matthi Bolte-Richter, die Planungen Sagerers.

Genau zu der Zeit, wenn die neue Fakultät in Bielefeld 2025 ihre Volllast erreicht, laufen die Kooperationsverträge zwischen der Uni Bochum und den OWL-Kliniken aus. Sagerer zeigte sich offen, dann auch die Kliniken in Minden, Herford und Bad Oeynhausen in die Bielefelder Mediziner-Ausbildung zu integrieren. „Die Bochumer finden dann sicher anderswo Klinik-Partner."

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Kooperation bei der Pharmazie?

An der Uni Bielefeld gibt es Überlegungen, für die neue Mediziner-Ausbildung im Bereich Pharmazie mit der Technischen Hochschule OWL in Lemgo zu kooperieren. Dort gibt es einen Studiengang Pharmatechnik „Das wäre eine Möglichkeit", sagte Uni-Rektor Gerhard Sagerer im Landtag, als er nach der in Bielefeld fehlenden Disziplin Pharmazie gefragt wurde. „Jetzt in Bielefeld gleich auch noch einen neuen Fachbereich Pharmazie zu planen, wäre wohl etwas zu viel verlangt", so Sagerer.

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