Schule in OWL führt Jogginghosen-Verbot ein

Nicole Bliesener

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In verbotenen Jogginghosen: Schulleiterin Anja Sprengel, Walaa Taleb, Maximilian Rebin, Maria Abdo, Lorita Avdijaj und Mohamed Ibrahim zeigen sich in unerwünschter Kleidung. - © Nicole Bliesener
In verbotenen Jogginghosen: Schulleiterin Anja Sprengel, Walaa Taleb, Maximilian Rebin, Maria Abdo, Lorita Avdijaj und Mohamed Ibrahim zeigen sich in unerwünschter Kleidung. (© Nicole Bliesener)

Bad Oeynhausen/Lage. Jogginghosen sind derzeit schwer in Mode. An der Realschule Süd in Bad Oeynhausen sind die bequemen Buxen allerdings verboten. „Jogginghosen sind keine angemessene Kleidung in der Schule", sagt Anja Sprengel, Leiterin der Realschule Süd. Besonders das hellgraue Schlabbermodell des bequemen Beinkleids war der Schulleiterin und ihrem Kollegium ein Dorn im Auge. „Wir bereiten hier unsere Schülerinnen und Schüler auf das Arbeitsleben vor und dazu gehört auch angemessene Kleidung", sagt Sprengel.

Wie genau denn eine angemessene Kleidung auszusehen hat und welche Kleidungsstücke als unangemessen eingestuft werden, wurde eifrig diskutiert. Heraus kam eine klare Definition: „Keine Jogginghosen, keine Kappen und auch keine heißen, bauchfreien Tops", sagt Anja Sprengel. Leggins gingen gerade so durch.

An der Sekundarschule Lage gibt es das Verbot seit Bestehen der Schule - also mittlerweile seit sechs Jahren. "Ich erscheine in angemessener Kleidung in der Schule", lautet die entsprechende Passage in der Schulordnung. "Das heißt nicht in Sportkleidung oder Jogginghosen", sagt Ute Kuhlmann, stellvertretende Schulleiterin. Das Verbot werde aber nicht rigoros verfolgt. Nur uneinsichtige "Wiederholungstäter" müssten damit rechnen, dass sie sich umziehen müssen. "Das sind aber absolute Ausnahmefälle", erklärt Ute Kuhlmann. Die Akzeptanz der Verordnung sei groß.

Eltern und Lehrer sind dafür, Schüler stimmten dagegen

In Bad Oeynhausen traf die paritätisch besetzte Schulkonferenz die Entscheidung für das Verbot im vergangenen Mai. „Das war eine demokratische Entscheidung", sagt Sprengel. Die vier Elternvertreter und die vier Lehrer sprachen sich für ein Jogginghosen-Verbot aus, die vier Vertreter der Schüler allerdings dagegen.

Während die Entscheidung von Eltern und Lehrern positiv aufgenommen wurde, stieß das Verbot bei den Schülern auf wenig Gegenliebe. „Vor allem die Jungen wollten das nicht einsehen", berichten Walaa Taleb und Lorita Avdijaj. Die beiden Realschülerinnen finden, dass der Schlabberlook nichts für die Schule ist. Von der strengen Regelung in Sachen schulterfreier Tops allerdings sind sie nicht so überzeugt. „Das Verbot von schulterfreien Shirts finde ich etwas übertrieben", sagt Lorita.

„Zu Hause sind Jogginghosen okay, aber im Unterricht nicht", fügt Mitschülerin Maria Ado hinzu. Maximilian Rebin und Mohamed Ibrahim sind der Überzeugung, dass Jogginghosen eher in den Sport gehören. Die beiden haben vor dem Verbot aber auch in der Schule schon mal Jogginghosen getragen, „aber keine Schlabberhosen, sondern enger geschnittene Sporthosen", erklärt Mohamed Ibrahim.

Natürlich habe es von Seiten der 500 Schülerinnen und Schüler auch etliche Provokationen gegeben, berichtet Anja Sprengel. „Am Anfang hat es viele Diskussionen und Gespräche mit Schülern gegeben", berichtet die Schulleiterin. Es dauere eine Zeit, bis alle sensibilisiert seien und die Änderung in der Schulordnung akzeptieren.

„Wir sehen uns nicht als Mode-Polizei"

„Wir haben auch Schüler wieder nach Hause geschickt, mit der Bitte sich umziehen", gibt Anja Sprengel unumwunden zu. „Drei mal Jogginghose macht eine Verwarnung", rechnet Sprengel vor. „Wir sehen uns aber nicht als Mode-Polizei, sondern in der Verpflichtung, unseren Schülerinnen und Schülern auch bestimmte Werte zu vermitteln", sagt die Schulleiterin.

Die fünf Schülerinnen und Schüler, die für den Pressetermin extra Joggingkluft mitgebracht haben, sehen in dem Verbot einen Imagegewinn für ihre Schule. „An anderen Schulen gibt es so ein Verbot nicht", wissen Maximilian und Mohamed.

Andere Schulen sehen keine Notwendigkeit für ein Verbot

Und tatsächlich: Weder am Immanuel-Kant-Gymnasium, noch an der Europaschule und an der Realschule Nord sehen die jeweiligen Schulleitungen einen Grund für ein solches Verbot. „Bei uns gibt es keine Vorgaben für den Alltag, solange die Kleidung bezogen auf Hosen- und Rocklänge und Weite des Ausschnitts angemessen ist. Bei besonderen Anlässen erwarten wir eine darauf abgestimmte Kleidung", teilt Karola Picht-Dreier, Leiterin der Realschule Nord, auf Anfrage mit.

„Wir haben schon mal über Schulkleidung nachgedacht, den Gedanken aber wieder verworfen", sagt Dirk Rahlmeyer, Leiter der Europaschule im Schulzentrum Nord. „Allerdings achten wir sehr wohl darauf, dass Schüler und Schülerinnen nicht schmutzig in die Schule kommen und wenn einer keine Socken trägt, fragen wir auch schon mal nach." Grundsätzlich aber könne jeder das tragen, was er möchte, „wir haben keine Kleidungsstücke auf der Agenda", so Rahlmeyer.

Auch im Immanuel-Kant-Gymnasium ist ein Verbot von bestimmten Kleidungsstücken noch in keinem Gremium diskutiert worden, sagt Schulleiter Tom van de Loo. „Selbstverständlich wird beim Thema Bewerbung auch über angemessene Kleidung gesprochen", sagt van de Loo.

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