Brand in Herford: Tote Bewohnerin hatte wohl keinen Strom

Jobst Lüdeking und Frank-Michael Kiel-Steinkamp

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Das Dach wurde beim Brand zerstört - soll jetzt aber wieder hergestellt werden. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Das Dach wurde beim Brand zerstört - soll jetzt aber wieder hergestellt werden. (© Frank-Michael Kiel-Steinkamp)

Herford. Das Brandhaus am Lübbertor am Freitagmorgen gegen 12.45 Uhr: Eigentümer Bernd Heinrich, Vertreter der Bauverwaltung, Statiker und auch Handwerker können das beschädigte Gebäude zum ersten Mal nach dem verheerenden Feuer am Mittwoch und Donnerstag betreten. Ein Brandermittler der Kripo ist auch dabei.

Kripo hat große Teile beschlagnahmt

„Das Haus wird wieder aufgebaut", erklärt Bernd Heinrich kurz darauf und tritt damit Spekulationen über einen Abriss entgegen. Zunächst werde es in einem ersten Schritt darum gehen, dass die Geschäftsleute im Erdgeschoss wieder öffnen können – das könnte in etwa in den kommenden zwei Wochen passieren, erklärt der Eigentümer. Darüber hinaus müsse natürlich das Dach geschlossen werden.

Fotostrecke: Der Tag danach: Die ersten Bilder aus dem Herforder Brandhaus


Wie jedes Brandhaus ist auch das Gebäude am Lübbertor arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Neben dem durch den Brand zerstörten fünften Stock ist das Löschwasser durch viele der Räume gelaufen, hat nicht nur Möbel und Hausrat sondern auch Decken und Wände durchfeuchtet.

Große Teile des Hauses sind noch von der Staatsanwaltschaft Bielefeld als Tatort beschlagnahmt und dürften noch nicht betreten werden, so Polizeisprecher Uwe Maser am Morgen. Dagegen sind die Geschäftsräume freigegeben.

Obduktion des Brandopfers in der kommenden Woche

Inzwischen wurden weitere Details zu der beim Brand getöteten Bewohnerin bekannt. Nach noch unbestätigten Informationen soll der Frau der Strom abgestellt worden sein. Nun gibt es Spekulationen, dass die 72-Jährige möglicherweise deshalb als Ersatz Kerzen genutzt hat, die dann wiederum das Feuer in den mit Textilien vollgestopften Räumen ausgelöst haben könnten.

Darüber hinaus hatte die über und über mit Kleidung gefüllte Messi-Wohnung der Frau die Löscharbeiten und später auch die ersten Aufräumarbeiten der Feuerwehr extrem erschwert – den Rettungskräften war es unmöglich, in die Wohnung vorzudringen. Die Obduktion des Brandopfers sollen Gerichtsmediziner in der kommenden Woche vornehmen, erklärte Polizeisprecher Maser.



Die Nachricht, dass es weitergeht und wohl kein Abriss des Haues ins Auge gefasst wird, löst bei Betroffenen Erleichterung aus: „Wenn alles gut geht, können wir dann in zwei Wochen wieder öffnen", sagt Sevinc Ceber und lacht.

Die Situation im türkischen Grill

Gleiches gilt für ihren Nachbarn Solmaz Mammadova. Sie ist seit Juli 2018 Betreiberin des türkischen Grills Ocakbasi an der Hausecke zur Kreuzung. Sie wohnt privat an der Berliner Straße und war durch das Martinshorn der Feuerwehr auf den Brand über ihrem Restaurant aufmerksam geworden.

In ihrem Gastraum ist nach derzeitigem Stand kein Schaden entstanden. Ihr Vorratsraum mit drei Gefrierschränken, ein separater Kühlraum und das Büro sind aber im Keller untergebracht. Der ist – wie auch die Tiefgarage – voll Löschwasser gelaufen, so dass Geräte und Lebensmittel nicht mehr zu gebrauchen sind.

Zum Glück hat sie eine Inventarversicherung und eine Betriebsunterbrechungsversicherung. Das ist auch beruhigend für ihre vier Mitarbeiter, die nun eine Zwangspause einlegen müssen.

Einen zwangsweisen Umweg müssen derweil noch die Herforder einlegen: Aus Sicherheitsgründen wird der Bürgersteig rund um das Gebäude und auch der Bereich an der Ampel an der Berliner Straße komplett abgesperrt.

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