Neugeborenes Kalb in Stücke gerissen - Wolf in Verdacht

Susanne Lahr

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Symbolbild. - © Pixabay
Symbolbild. (© Pixabay)

Bielefeld. Einen grausamen Fund hat ein Mitarbeiter der Firma AGS am Samstagmorgen auf einer Rinderweide in den Rieselfeldern Windel gemacht. Ein in der Nacht zu Samstag neugeborenes Kalb lag tot auf der Wiese. Von einem Tier brutal entzwei gerissen, so dass beide Hälften rund drei Meter auseinander lagen, die Eingeweide gefressen. Firmeninhaber Andreas Krumme vermutet, dass es sich bei dem Angreifer durchaus um einen Wolf gehandelt haben könnte.

Trittspuren waren zwar keine auf der Wiese zu finden. Und daher könnte auch ein wildernder Hund der Übeltäter gewesen sind. Aber Krumme, der auch Jäger ist, glaubt eher an den Wolf, da ein Hund angesichts der massiven Einwirkungen auf das 20 Kilo schwere Kalb schon ein geübter Wilderer sein müsse. Und unerschrocken, denn die seltenen englischen Longhornrinder haben durchaus beeindruckende Hörner. Die Rinder sind bis zu 1,40 Meter hoch und wiegen rund 600 Kilo.

Mutterkuh mit Narkosegewehr betäubt

Die Weide ist zwar mit einem etwa ein Meter hohen Elektrozaun versehen. Aber weder für Hund noch Wolf sei das ein Problem, sagt Andreas Krumme. Der Unternehmer, der einer von nur drei oder vier Züchtern dieser Rasse in Deutschland ist, hat Heiner Vorbohle und Volker Müller von der Tierklinik Vorbohle in Schloß Holte-Stukenbrock alarmiert.

Die Mutterkuh musste dringend behandelt werden, da sie die Nachgeburt noch nicht heraus gepresst hatte. „Die Tierärzte haben sie dafür mit einem Narkosegewehr sediert", schildert Krumme. Auch Heiner Vorbohle schließt nicht aus, dass es ein Wolf war. „Ich habe jedenfalls in 35 Jahren Berufspraxis noch nicht erlebt, dass ein Kalb bei der Geburt zerrissen wird."

DNA-Spuren gesichert

Informiert wurde auch Michael Schulte, einer der Luchs- und Wolfsberater des Landes im Regierungsbezirk Detmold. Er hat am Sonntagmorgen Fotos von dem Kadaver gemacht, Proben an den Bissspuren genommen. Über die im Speichel vorhandenen Erbgutinformationen (DNA) könnte sich der Verursacher vielleicht feststellen lassen. Auch konnte eine Kotprobe gesichert werden. Über spezielle Zellen im Kot wäre ein Nachweis ebenfalls möglich.

Allerdings, so der Wolfsberater, sei der Riss schon eine Weile her, so dass die DNA schon zerstört sein könnte. „Je früher wir Proben nehmen können, desto besser", betont Michael Schulte. Normalerweise werde versucht, die Proben innerhalb von 24 Stunden zu sichern." Das aktuell trockene und warme Wetter sei in diesem Zusammenhang auch ein Nachteil.

Ergebnis in vier Wochen

Ob ein Wolf das Kalb gerissen hat, kann Michael Schulte nicht sagen. „Das kann ich weder ausschließen noch bestätigten", sagt er. Eine Beurteilung sei aber auch nicht seine Angelegenheit, sondern die des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Das lässt die Proben im Senckenberg-Institut in Gelnhausen untersuchen, das zentral alles in Deutschland gesammelte Material unter die Lupe nimmt. Daher wird es nach den Worten von Schulte etwa vier Wochen dauern, bis ein Ergebnis vorliegt.

Was der Berater des Landes sagen kann, ist, dass zu dieser Jahreszeit die Jährlinge ihr Rudel verlassen. „Sie müssen sich auf den Weg machen und ein eigenes Revier suchen." Über die Wölfin auf dem Truppenübungsplatz in der Senne spricht er auch. „Es hat einige angebliche Sichtungen gegeben, aber seit einem halben Jahr haben wir keinen gesicherten Nachweis mehr, dass sie sich dort noch aufhält. "Futter böte auch die Bethel-Herde im Bielefelder Süden. Doch es hat dort bisher noch keinen Wolfskontakt gegeben. Und Jörg Ermshausen, Betriebsleiter der Bethel-Herde, hatte erst kürzlich gemutmaßt, die Autobahnen könnten die Wanderschaft erfolgreich behindern. Die Rieselfelder Windel und die Weide an der Niederheide liegen jenseits der Trennlinie A 2.

Weiterer Verdachtsfall in Berlebeck

Heiner Vorbohle berichtet gegenüber dieser Zeitung aber auch, dass er vor rund drei Wochen einen Terrier gerettet hat, der in der Nähe der Adlerwarte Berlebeck von einem „wolfsähnlichen Tier" angefallen worden sei. Der Angreifer habe sich aus dem Wald auf den Terrier gestürzt und diesem mit einem Biss in den Kopf beide Unterkieferäste zerbissen. Er habe vom Hund abgelassen, weil der Halter auf ihn zugestürzt sei. "Die Bevölkerung muss wissen, dass der Hund der Erzfeind des Wolfes ist", sagt Vorbohle. Das Ergebnis der in der Tierklinik genommen Proben erwartet Vorbohle in Kürze.

Information

Zwei tote Wölfe in zwei Jahren

Erst vor wenigen Tagen, am 30. März, ist an der Autobahn 2 bei Porta Westfalica ein toter Wolf gefunden worden. Seine schweren Verletzungen ließen vermuten, dass er von einem Auto angefahren worden war. Genetische Proben werden im Senckenberg-Institut in Gelnhausen untersucht, dort wo jetzt auch die in Bielefeld-Senne genommenen Materialproben landen.

Es ist der zweite in NRW tot aufgefundene Wolf. Bereits am 2. April 2017 war in Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke ein männlicher Wolf durch einen Verkehrsunfall getötet worden. Er war knapp zwei Jahre alt. Die genetischen Untersuchungen in diesem Fall erbrachten laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, dass dieser Wolf aus dem Rudel Altengrabow in Sachsen-Anhalt stammt.

Auch dessen Präparat befindet sich im Münsteraner Museum.Ebenso wie der 1835 bei Ascheberg erlegte Wolf, der lange Zeit als letzter Wolf auf NRW-Gebiet galt. www.wolf.nrw

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