Herzenswünsche der todkranken Amalija aus Salzkotten

Uwe Müller

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Inniges Verhältnis: Denise Ebers und ihre Tochter Amalija wollen die Zeit, die ihnen noch zusammenbleibt, intensiv nutzen. - © Privat
Inniges Verhältnis: Denise Ebers und ihre Tochter Amalija wollen die Zeit, die ihnen noch zusammenbleibt, intensiv nutzen. (© Privat)

Salzkotten-Niederntudorf. Sie liebt Pferde und Prinzessinnen über alles, würde gerne Urlaub auf einem Reiterhof machen und auch Disneyland Paris sehr gerne besuchen – eigentlich alles ganz normale Wünsche eines fünfjährigen Mädchens. Doch für Amalija aus Niederntudorf sind es ganz besondere Herzenswünsche – vielleicht ihre letzten, denn sie hat einen unheilbaren Tumor in ihrem Kopf.

„Dass Amalija an der Krankheit sterben wird, ist klar", sagt ihre Mutter Denise Ebers unmissverständlich, „wie lange wir noch Zeit haben, das wissen wir nicht. Die Ärzte sprechen darüber nicht. Aber zurzeit geht es ihr recht gut und daher möchte ich gerne so viel wie möglich mit ihr unternehmen und ihr Wünsche erfüllen." Doch der 30-jährigen Mutter fehlen dazu die finanziellen Mittel.

Wünsche zu erfüllen fällt schwer

Die Alleinerziehende musste aufgrund der intensiven Betreuung ihres Kindes ihren Job als Bäckereiverkäuferin vor zwei Jahren aufgeben und lebt seitdem von Hartz IV – große Sprünge sind da nicht drin. Daher kam die Idee einer guten Freundin, sich bei der Online-Kampagne „GoFundme" anzumelden, wie gerufen.

Seit November 2017 bekommt Amalija lebenserhaltende Chemotherapie. - © Privat
Seit November 2017 bekommt Amalija lebenserhaltende Chemotherapie. (© Privat)

Vor zweieinhalb Jahren war die Welt der kleinen Familie noch in Ordnung. Aber beim Sonntagsfrühstück im August 2016 entdeckte Denise Ebers eine Schwellung hinter dem Ohr ihrer Tochter. „Als Mutter hat man da so ein Gefühl. Wir sind dann ins Krankenhaus", sagt sie. Ein Behandlungsmarathon begann, an dessen Ende die endgültige, niederschmetternde Diagnose stand. „Da bricht eine Welt zusammen, wenn dein zweieinhalbjähriges Kind Krebs hat. Ich hatte Schwierigkeiten ihr ins Gesicht zu schauen", so Ebers. Im Klinikum in Bethel wurde ihre Tochter zweimal operiert, aber die Ärzte schafften es nicht, den Tumor komplett zu entfernen. Etliche Chemotherapien und Bestrahlungen brachten keinen Erfolg.

Kleine Fluchten aus dem Alltag

Seit November 2017 bekommt Amalija nun eine dauerhafte, lebenserhaltende Chemotherapie. „Man sieht es ihr kaum an. Sie ist recht fit, nur längere Strecken schafft sie nicht mehr. Aber leider hatten wir auch ein paar Rückschläge", berichtet Amalijas Mutter. Der Krebs streute. Der Tumor im Kopf wächst zwar nicht mehr, dafür aber einer am Hals. Das Mädchen leidet immer wieder unter starken Schmerzen und bekommt Morphium – am 20. Mai steht daher die nächste OP an. „Die Operation kann erfolgreich sein und Amalija ein Jahr ohne Schmerzen. Aber man weiß es nicht – es ist eine tickende Zeitbombe", weiß Denise Ebers, die von einem Palliativteam unterstützt wird.

Um aus dem Alltag zu fliehen, hat Denise Ebers ihre Tochter beim Reittherapeutischen Zentrum in Paderborn angemeldet. Bei der Reittherapie blüht die sonst ängstliche und anhängliche Amalija auf. „Wenn sie auf einem Pferd sitzt, staune ich nur. Sie lässt die Hände los, schließt ihre Augen – das Pferd gibt ihr Sicherheit."

Akzeptanz des Unumgänglichen

Als das Schicksal ihrer fünfjährigen Tochter auch in den sozialen Medien bekannt wurde, bekam die Familie Ebers gleich einige Angebote. „Wir sind schon zweimal zum Reiten eingeladen worden und auch sieben Tage auf einem Reiterhof wurden uns geschenkt", zählt Denise Ebers auf. Und ein über 200 Kilometer entfernter Bikerclub lädt die Beiden zu einem tollen Tag ins Phantasialand ein. „Da waren so viele liebe Nachrichten", freut sich Ebers, „aber wir müssen natürlich erst abwarten wie die OP ausgeht."

Sie selber spricht offen und ehrlich über die tödliche Krankheit ihrer kleinen Tochter, sie hat sie akzeptiert. „Wenn man täglich mit Leben und Tod umgehen muss, lernt man stark zu sein", erklärt sie. Aber es gibt auch schwache Momente. „Die vielen Medikamente, die natürlich auch Nebenwirkungen haben, Untersuchungen, Therapien – manchmal will Amalija nicht mehr, sie kann kein Krankenhaus mehr sehen", so Denise Ebers, die zugibt: „Manchmal sehnt man auch den Tod als Erlösung herbei."

Information

Spenden sammeln im Internet

Mit der Online-Fundraisingkampagne auf GoFundMe sammelt Denise Ebers Spenden, um Amalijas Wünsche erfüllen zu können (gofundme.com/fuer-amalija)

GoFundMe ging 2010 in den USA an den Start und ist die weltweit größte gesellschaftliche Online-Fundraisingplattform. Hier können Privatpersonen andere Privatpersonen unterstützen. Die Spenden gehen 1:1 an die Kampagnen.

GoFundMe nimmt keine Nutzungsgebühren, sondern finanziert sich über ein freiwilliges Trinkgeld der Spender.

Seit über einem Jahr gibt es GoFundMe in Deutschland. Über 100.000 Menschen spendeten in dieser Zeit mehr als sieben Millionen Euro. Damit ist Deutschland der am schnellsten wachsende Markt für GoFundMe in Europa.

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