Verkauf: Was mit den Real-Märkten geschehen könnte

Frank-Thomas Wenzel

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Die Handelsgruppe Metro will die Real-Märkte loswerden. - © Oliver Berg
Die Handelsgruppe Metro will die Real-Märkte loswerden. (© Oliver Berg)

Düsseldorf. Läuft alles nach Plan, dürften schon im Herbst bei vielen großen Supermärkten die Leuchtschilder mit der Aufschrift „Real" verschwinden. Der bisherige Eigner, der Metro-Konzern, will die Kette an eine Gruppe von Immobilien-Investoren verkaufen. Edeka und andere Handelskonzerne könnten in vielen der Filialen künftig Lebensmittel anbieten. Klar ist aber auch, dass es Schließungen geben wird.

Märkte mit bis zu 15.000 Quadratmetern

„Mit dem von Redos geführten Konsortium haben wir einen starken und erfahrenen Partner gefunden, der aus unserer Sicht das überzeugendste Konzept für die Neuausrichtung von Real vorgelegt hat", sagt Olaf Koch, Chef des Metro-Konzerns, der sich künftig auf den Großhandel mit Lebensmitteln konzentrieren will.

Bei Real geht es um 279 Märkte und 80 Einzelhandels-Immobilien, in 65 davon befinden sich Real-Filialen. Die Kette ist in einem ganz speziellen Segment des Einzelhandels unterwegs. Sie betreibt sogenannte Selbstbedienungswarenhäuser. Das sind große Supermärkte mit einer Fläche von 5.000 bis 15.000 Quadratmetern, die sich meistens in der Peripherie von Städten befinden. Dort gibt es von der Frischmilch bis zum Motorroller so ziemlich alles, was man für den täglichen Bedarf sowie für Haus und Hof benötigt. Die Märkte sind häufig nur mit dem Auto zu erreichen.

Großeinkauf gerät aus der Mode

Seit Jahren gehört Real zu den Sorgenkindern des Metro-Konzern. Das Grundproblem ist, dass die Kundenfrequenz und die Umsätze im Verhältnis zu den enormen Verkaufsflächen zu gering sind. Der Großeinkauf mit dem Auto ist überdies bei vielen Stadtbewohnern aus der Mode gekommen.

In den ersten drei Monaten machte Real in der betrieblichen Tätigkeit (vor Abschreibungen) denn auch einen Verlust von 55 Millionen Euro – allerdings hat dies auch mit dem späten Ostern in diesem Jahr zu tun. Im Vorjahr kam noch ein Gewinn von 42 Millionen Euro zusammen. In der Metro-Zwischenbilanz für die drei Monate schlagen im Zuge der geplanten Veräußerung Abschreibungen auf die Tochter heftig durch: Der Konzern verbucht unter dem Strich einen Verlust von 459 Millionen Euro.

Schwierige Suche nach einem Käufer

Branchenkenner werfen dem Metro-Management vor, seit Jahren seine SB-Warenhäuser zu vernachlässigen. Seit September 2018 suchen Koch und seine Leute offiziell nach einem Käufer. Das erwies sich als zähe Angelegenheit.

Mit Redos gab es viele Verhandlungsrunden, doch man konnte sich zunächst nicht einigen. Eine Gruppe um die Immobilienfirma x+Bricks galt lange als Favorit. Doch das zerschlug sich. Einer der Gründe soll gewesen sein, dass Metro noch hätte draufzahlen müssen, um Real loszuwerden. So kam das Redos-Konsortium wieder ins Spiel, zu dem auch die Immobiliensparte des US-Bank Morgan Stanley und der Einkaufszentrumsbetreiber ECE gehört, der Teil der Hamburger Otto-Gruppe ist.

Schließungen von Märkten sind wahrscheinlich

Die Immobilien-Manager erhalten nun einen detaillierten Blick in die Real-Bücher. Ziel sei, „im Sommer zu einem Vertragsabschluss zu kommen", teilt Metro mit. Geplant ist, dass Metro zunächst noch eine Minderheitsbeteiligung von 24,9 Prozent behält, die frühestens nach drei Jahren an das Redos-Konsortium abgegeben werden kann. „Als Minderheitsgesellschafter sind wir bereit, den weiteren Weg verantwortungsvoll für einen definierten Zeitraum zu begleiten", sagt Koch.

Was bevorsteht, deutet Metro per Pressemitteilung an: „Das Konzept des Käufers basiert sowohl auf umfangreichen Investitionen als auch auf der Anpassung des Filialnetzes" – mit Letzterem sind Schließungen gemeint. Oliver Herrmann, Redos-Geschäftsführer, kündigt an, „das Filialnetz neu auszurichten". Er fügt hinzu: „Bei Standortabgaben legen wir großen Wert darauf, dass die Mitarbeiter übernommen werden."

Rossmann und Edeka haben Interesse

Nach Informationen dieser Zeitung ist geplant, 80 bis 100 Filialen an Branchenprimus Edeka abzugeben. Größere Standorte sollen aufgeteilt werden, damit dort auch ein zweiter Einzelhändler unterkommen kann.

Die Drogeriekette Rossmann soll dabei einer der Interessenten für eine gemeinsame Nutzung mit einem Supermarktbetreiber sein. Auch die Globus-Gruppe, zu der bereits 47-SB-Warenhäuser gehören, soll mit von der Partie sein. Offen sei, ob auch die Lidl-Schwester Kaufland zum Zuge komme, heißt es in Branchenkreisen.

34.000 Beschäftigte

Beim Konzept von x+Bricks war geplant, dass das Unternehmen der Schwarz-Gruppe bis zu 140 Märkte übernimmt. Wie groß die Zahl der Schließungen sein wird, soll noch offen sein. Es laufe aber darauf hinaus, dass Metro die Kosten für die Sozialpläne der betroffenen Beschäftigten übernehmen wolle, heißt es. Derzeit sind bei Real noch rund 34.000 Frauen und Männer beschäftigt.

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