Internationaler Bienentag: Blütenvielfalt ist überlebenswichtig

Heike Krüger

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Eine Bienenkolonie. - © Symbolfoto: pixabay
Eine Bienenkolonie. (© Symbolfoto: pixabay)

Bielefeld. Überdüngung in der Landwirtschaft, Flächenversiegelung, halbherzige kommunale Pflanzaktionen, leblose private Steingärten oder einfach die Auswahl ungeeigneter Pflanzen und Nisthilfen – die Brüder und Schwestern der Biene Maja haben viele Kontrahenten. Oder immerhin schlecht informierte „Förderer".

Der 20. Mai ist seit 2018 Internationaler Bienentag (ausgerufen von den Vereinten Nationen) und damit innerhalb inflationär ausgewiesener Tage für oder gegen etwas eine „willkommene Gelegenheit, die Bienen in den Fokus zu nehmen". Das zumindest findet Werner Schulze, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft westfälischer Entomologen (Insektenkundler) und Sprecher des Bundesfachausschusses Entomologie im NABU (Naturschutzbund) Deutschland. Der Bielefelder stellt fest, dass es insgesamt „viel weniger Blühpflanzen gibt, die den Bienen Nahrung bieten". Und wenn, dann seien den meist gefüllten Blüten die Staubgefäße und Fruchtblätter „weggezüchtet" worden, weshalb sie kaum Nektar produzierten.

Statt Löwenzahn und Brennnesseln gibt es dann gezüchtete Dahlien, Rosen, Chrysanthemen oder Tulpen, die hübsch anzusehen sind, aber keinen Pollen ausbilden. Die Folge: „Die Bienen finden weit weniger Nahrung als noch vor 30 Jahren." Dies sei für das „Haustier" des Imkers, die Honigbiene, fatal und sorge für deren Schwund, so Schulze. Die Wildbienen, die als Bestäuber wichtig sind für ein ökologisches Gleichgewicht, trifft es noch härter. Sie brüten zwar auch im Totholz oder in Nisthilfen, überwiegend aber im Boden. Und der wird immer stärker verdichtet. Außerdem lebten Wildbienen nicht in Gemeinschaft, sondern müssten als Einzelkämpfer mit weitaus geringerem Flugradius als die Honigbiene mit ihrer direkten Umgebung zurechtkommen.

Intensive Düngung lasse immer mehr Gras wachsen, so der Insektenexperte: „Die Böden wuchern regelrecht zu, es gibt keine offenen Stellen mehr wie bei Sand- oder Kalkböden." Der größte Feind des Naturschützers sei „das satte Dunkelgrün" dieser zugewachsenen Flächen, die keinen Artenreichtum ermöglichen.

Auch das beliebte Mulchen von öffentlichen und privaten Rasenflächen oder das häufige Mähen, manchmal sogar mittels eines Mähroboters, sorge für die weitere Verdichtung der Böden und unterdrücke Blütenpflanzen. Den Naturschützern sind eigentlich weniger „gepflegte" Hausgärten mit der einen oder anderen vernachlässigten Ecke, mit einheimischen Wildpflanzen sowie weniger akkurate kommunale Grünflächen am liebsten.

Friedrich-Wilhelm Große-Wörmann, stellvertretender Vorsitzender des Kreisimkervereins Bielefeld, rät zum Kauf zertifizierter Wildblütenmischungen anstelle der schön anzuschauenden, aber nutzlosen Fremdmischungen aus dem Supermarkt. Städte und Gemeinden, die etwas für die Bienen tun wollten, sollten ihr Saatgut ebenfalls sorgfältig auswählen statt lediglich „Flur-Kosmetik" zu betreiben.

Als „Haupteinträger von Stickstoff", der die Bienen schädigt, identifiziert Schulze allerdings die Landwirtschaft. Der „blinde Aktionismus" mancher Verbände, jetzt Blühstreifen anzulegen, aber nebenan weiter Pflanzenschutzmittel aufzubringen, konterkariere die Anstrengungen. „Die Bauern stehen unter Druck", zeigt Schulze Verständnis.

Konsumenten wollten immer mehr günstige Lebensmittel, der Wettbewerb sei hart. „Aber sie müssen begreifen, dass sie sich auf Dauer die eigene Lebensgrundlage entziehen."

Volksbegehren in Bayern rüttelt wach

Rund 1,8 Millionen Menschen haben in Bayern das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen" unterzeichnet. Auf die Initiative geht eine EU-Bürgerinitiative gleichen Titels in Brüssel zurück. Die Organisatoren müssen innerhalb eines Jahres in mindestens sieben EU-Ländern eine Million Unterschriften sammeln.

Die Bienenschützer fordern u.a., dass in der Landwirtschaft weniger und vor allem keine gefährlichen Pestizide verwendet werden. Pflanzenschutzmittel, die seit 70 Jahren in der Landwirtschaft massenhaft eingesetzt werden, gelten als eine Ursache für massenhaftes Bienensterben. Zudem sollen mehr Schutzgebiete geschaffen werden.

Information
Hier geht's zum "Volksbegehren Artenvielfalt":

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