Drohbrief mit weißem Pulver löst ABC-Großeinsatz in Herford aus

Angelina Kuhlmann

Mitglieder des ABC-Zuges der Feuerwehr Herford untersuchen den verdächtigen Brief auf eventuelle Gefahrstoffe. - © Feuerwehr Herford
Mitglieder des ABC-Zuges der Feuerwehr Herford untersuchen den verdächtigen Brief auf eventuelle Gefahrstoffe. (© Feuerwehr Herford)

Herford. Als unbekanntes weißes Pulver aus einem Brief rieselt, greifen Mitarbeiter des Postverteilzentrums in Herford sofort durch. Sie sichern den Brief in einem speziellen Behälter und rufen die Feuerwehr. Gegen 13.30 Uhr kommt am Freitag die Herforder Berufsfeuerwehr samt ABC-Zug an - und findet auch noch ein Drohschreiben in dem verdächtigen Brief.

Die Spezialisten der Analytischen Task Force aus Dortmund unterstützte nach Rücksprache mit dem Landeskriminalamt die Feuerwehr Herford bei der Untersuchung des verdächtigen Briefes. - © Feuerwehr Herford
Die Spezialisten der Analytischen Task Force aus Dortmund unterstützte nach Rücksprache mit dem Landeskriminalamt die Feuerwehr Herford bei der Untersuchung des verdächtigen Briefes. (© Feuerwehr Herford)

"Wir kontrollierten nach umfangreichen Vorbereitungen und Sicherungsmaßnahmen den Behälter in dem der Brief gesichert wurde und den Brief auf atomare und chemische Kontamination", sagt Christoph Büker, Pressesprecher der Feuerwehr. "Verrecke, du Sau!" steht auf dem handgeschrieben Zettel, den die Einsatzkräfte sicherstellen. Was das Pulver angeht, schließt der ABC-Zug - die Buchstaben stehen für atomar, biologisch und chemisch - eine atomare Gefahr schnell aus.

Das Gebäude wird trotzdem zeitweise evakuiert. "Wir konnten aber nicht feststellen, was für ein Stoff es genau ist", so Büker. Das von der Polizei hinzugezogene Landeskriminalamt entscheidet deswegen: Es wird eine weitere Spezialeinheit nach Herford gerufen - die Analytische Task Force (ATF). Die hat die Möglichkeit mit einem Massenspektrometer weitere Untersuchungen des Stoffes vorzunehmen.

Aufgrund von Terrordrohungen, sind Einsatzkräfte besonders genau

Umfangreiche Vorbereitungen und Sicherungsmaßnahmen gehen einem Einsatz des ABC-Zuges häufig voraus. Die Einsatzkräfte tragen spezielle Schutzkleidung, um eine Kontamination mit Gefahrstoffen zu vermeiden. - © Feuerwehr Herford
Umfangreiche Vorbereitungen und Sicherungsmaßnahmen gehen einem Einsatz des ABC-Zuges häufig voraus. Die Einsatzkräfte tragen spezielle Schutzkleidung, um eine Kontamination mit Gefahrstoffen zu vermeiden. (© Feuerwehr Herford)

Die rückt gleich mit vier Fahrzeugen und 20 Einsatzkräften an. Gegen 20 Uhr geben die Spezialkräfte dann aber Entwarnung: Das weiße Pulver sei keine Gefahr für die Bevölkerung. Was dann folgt ist eine große Reinigungsaktion: "Alle eingesetzten Kräfte konnten wieder einrücken und die Gerätschaften an der Wache reinigen und für den nächsten Einsatz vorbereiten", sagt Christoph Büker.

Die Polizei Herford hat derweils den Adressaten des Drohbriefes ausfindig gemacht. "Der kann sich das nicht erklären", sagt ein Polizeisprecher. Jetzt werde nach dem Absender des mysteriösen Briefes ermittelt. Dass es sich bei dem Schreiben um eine Morddrohung gehandelt hat, könne er nicht bestätigen, sagt der Sprecher. Das Schreiben habe zum großen Teil wüste Beschimpfungen enthalten.

Um auf den Fund von unbekannten Substanzen in Briefen richtig reagieren zu können, werden die Mitarbeiter des Briefzentrums genau geschult: "Die haben dort eine bestimmte Verfahrensweise, wie Mitarbeiter in so einem Fall vorgehen sollen", sagt Christoph Büker. Die Einsatzkräfte gehen bei so einem Einsatz erst mal von einem "Worst-Case-Szenario" aus. Alles was in Berührung mit der Substanz gekommen sei, werde kontaminiert. Auch die Schutzanzüge des ABC-Zuges dürften nur in einem bestimmten Bereich wieder abgelegt werden.

Gerade in Zeiten von sich häufenden Terrordrohungen, müsse die Feuerwehr in solchen Situationen besonders genau vorgehen, erklärt Büker. Um welchen Stoff es sich bei dem weißen Pulver nun wirklich gehandelt hat, das bleibt geheim: "Bewusst will die Task Force nicht genau sagen, um was es sich handelt. So sollen Nachahmungstaten verhindert werden". Insgesamt sei es ein Zufall, dass der Brief gerade im Herforder Briefverteilzentrum gelandet ist.

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