Zeckenplage in NRW erwartet: Alles was Sie wissen sollten

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Doppelt so groß wie heimische Artgenossen: Die Hyalomma-Zecke. - © Andrea Schnartendorff/Robert Koch-Institut/dpa
Doppelt so groß wie heimische Artgenossen: Die Hyalomma-Zecke. (© Andrea Schnartendorff/Robert Koch-Institut/dpa)

Bielefeld/Berlin. Ein Ausflug in den Wald, ein Nachmittag im Garten oder eine Gassirunde mit dem Hund – und schon sind sie da: Zecken. Bundesweit melden Gesundheitsämter einen Anstieg bei Infektionskrankheiten, die durch die Tiere übertragen werden. Durch den milden Winter und die derzeit feuchte Wetterlage erwarten Experten eine Zeckenplage.

Wie gefährlich sind Zecken?

Sie können nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) etliche Infektionskrankheiten übertragen. Zu den bedeutendsten gehören die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn. Die Bakterieninfektion Borreliose kommt bundesweit vor.

Nach Schätzung des Landesbetriebs Wald und Holz NRW erkranken jährlich etwa 70.000 Menschen an der Lyme-Borreliose. Zu den Symptomen zählen Rötungen und Entzündungen der Haut, geschwollene Lymphknoten, Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit, geschwollene Gelenke, Taubheitsgefühle.

Bislang gibt es keine Impfung. „In NRW übertragen etwa zehn Prozent der Zecken Borrelien", erklärt Förster Jan Preller vom Waldinformationszentrum Hammerhof in Warburg. „Das heißt aber nicht, dass jeder zehnte Zeckenstich zur Borreliose führt." Preller: „Wenn die Zecke schnell entfernt wird, ist die Infektionsgefahr relativ gering."

FSME ist eine Virusinfektion, die anfangs zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen führt. Meist heilt sie ohne Schäden ab, sie kann aber selten auch zu dauerhaften Nervenschäden und sogar zum Tod führen. FSME ist nicht ursächlich behandelbar, Ärzte können also nur Beschwerden wie Fieber oder Schmerzen lindern. Laut RKI gab es 2017 485 FSME-Fälle in Deutschland – 39 Prozent mehr als noch 2016.

Impfung Ja oder Nein?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind oder beruflich gefährdet sind. In Deutschland gelten Bayern, Baden-Württemberg sowie Teile Hessens und Sachsens als Risikogebiete. Seit Kurzem grenzen zwei Risikogebiete in Hessen (Landkreis Marburg-Biedenkopf) und Niedersachsen (Landkreis Emsland) an NRW.

In OWL ist eine FSME-Impfung nach Angaben des Bielefelder Kinderarztes Marcus Heidemann nicht nötig. „Für Reisen in Risikogebiete empfehle ich die FSME-Impfung aber Kindern und Erwachsenen", erklärt Heidemann. Der Impfschutz hält mindestens drei Jahre. „Kinder können im ersten Lebensjahr geimpft werden", ergänzt Heidemann.

Welche Zecken leben hier?

Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist der gemeine Holzbock. Sie kann Borrelien und FSME-Viren übertragen. Seit 2007 breitet sich auch die tropische Zecke Hyalomma aus. 2018 meldete das RKI Exemplare in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein sowie in OWL: Eine Frau in Rheda-Wiedenbrück fand eine Hyalomma-Zecke in ihrem Haus. Keine der entdeckten Zecken trug Erreger wie das gefährliche Krim-Kongo-Virus.

Wann kommen Zecken vor?

Zecken sind ab einer Temperatur von etwa acht Grad Celsius aktiv. FSME tritt laut RKI bevorzugt im Frühjahr und Sommer auf, aber auch im Herbst. „Zecken sind sehr robust und aufgrund der milder werdenden Winter mitunter fast das ganze Jahr aktiv", erklärt Förster Preller.

Wie schütze ich mich?

„Auf Ausflüge in die Natur sollte niemand aus Angst vor Zecken verzichten. Wer auf sich und seine Kinder achtet, kann sich gut vor Zecken schützen", sagt Preller. Wichtig seien lange Hosen. „Während und nach dem Ausflug sollte man die Hosenbeine abstreifen und sich anschließend gründlich von Kopf bis Fuß absuchen." Zecken stechen besonders gern an Kopf, Hals, Achseln, Ellenbeugen, Bauchnabel, Genitalbereich und Kniekehlen.

Wie lassen sich Zecken entfernen?

Vor allem: Die Zecke nicht quetschen, damit keine Körperflüssigkeit austritt. Mediziner Heidemann: „Die Zecke möglichst hautnah, langsam und kontrolliert entfernen, ohne das Tier dabei zu drehen oder mit Kleber oder anderen Flüssigkeiten zu beträufeln." Geeignet seien Pinzetten, Karten oder sogenannte Zeckenlassos. Sitzen Zecken an schwierigen Stellen wie Augenlidern, rät der Mediziner zu einem Arztbesuch.

Anschließend sollte die Stichstelle beobachtet werden. „Entwickelt sich eine kreisrunde Rötung, sollten Betroffene zum Arzt." Aber keine Panik: Besuche in der Notaufnahme seien unnötig. Das RKI rät zudem zu einem Arztbesuch, wenn in den 14 Tagen nach einem Stich und einem Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet grippeähnliche Symptome auftreten.

Gibt es Leute, die für Zecken besonders attraktiv sind?

Studien zeigen zwar, dass Menschen mit einem hohen Anteil an Milchsäure auf der Haut besonders attraktiv für Gelbfiebermücken sind. Für Zeckenarten ist ein Zusammenhang nicht bekannt. „Entscheidend ist das menschliche Verhalten", erklärt ein RKI-Sprecher. „In der Regel ist es nicht die Zecke, die auf den Menschen zuläuft, sondern der Mensch, der sich die Zecken von der Vegetation abstreift."

Worauf müssen Tierbesitzer achten?

Hundebesitzer berichten in OWL nach Waldspaziergängen von bis zu 60 Zecken auf ihrem Tier. Auch bei freilaufenden Katzen finden Besitzer täglich Zecken. „Katzen und Hunde täglich absuchen und Zecken entfernen, denn auch Tiere können schwer erkranken", rät der Herforder Veterinär Johannes-Wolfgang Otto – etwa an Borreliose. Zur Abwehr seien auch Antiparasitika oder Spot-on-Präparate geeignet, die auf die Haut des Tieres aufgetragen werden.

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