Getötete Seniorin aus Borgholzhausen: Nachbarn hörten Schreie

Nicole Donath

  • 0
- © Symbolbild (LZ)
Polizei (© Symbolbild (LZ))

Borgholzhausen. Nachdem die Beamten auf der Leitstelle in Gütersloh den besorgten Anruf aus Borgholzhausen gegen kurz nach 10 Uhr am Pfingstsamstag entgegengenommen haben, gehen sie zunächst von einer Notlage der 86-Jährigen aus. Neben Streifenpolizisten schicken sie deshalb auch einen Gütersloher Notarzt und Rettungskräfte an die Wellingholzhauser Straße in der kleinen Stadt am Fuße des Teutos.

Dann der Schock: Hinter der Wohnungstür im Flur liegt die alte Dame am Boden. Am Kopf eine Platzwunde, ihr Körper weist zahlreiche Stichverletzungen auf. Niemand der Rettungskräfte vermag ihr noch zu helfen, der Notarzt kann nur noch den Tod von Evelyn W. feststellen. Die Situation und die Spuren lassen keine Zweifel: Ganz offensichtlich ist die Rentnerin einem grausamen Verbrechen zum Opfer gefallen.

Obduktion am Sonntag dauert außergewöhnlich lange

Die Rettungskräfte zögern nicht und informieren sofort die Polizei in Bielefeld, die noch am Mittag eine Mordkommission einsetzt. Zum Leiter der zehnköpfigen Ermittlungsgruppe mit dem Namen »Wellingholzhauser« wird Kriminalhauptkommissar Bernd Kauschke bestimmt. Er leitet das Team, in dem sowohl Kriminalbeamte aus Bielefeld als auch aus Gütersloh arbeiten. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Bielefeld, die in diesem Fall durch Staatsanwalt Veit Walter vertreten wird, suchen sie seitdem nach der Person, die diese fürchterliche Tat begangen hat.

Vor allem die Nachbarn der 86-Jährigen sind angesichts dieser Nachricht völlig schockiert. Seit elf Jahren hat Evelyn W., Mutter und Großmutter, auf 55 Quadratmetern im Erdgeschoss des gepflegten Mehrfamilienhauses gelebt. Anfangs noch mit ihrem Ehemann Helmut, nach seinem Tod vor drei Jahren alleine.

Alle berichten nur Gutes über sie. Wie freundlich und höflich sie gewesen sei. Dass sie immer ein Auge auf die Grünanlagen gehabt habe. Oder wie sie sich neuen Mietern in der Wohnanlage direkt gegenüber des DRK-Alten- und Pflegeheims Ravensberg angenommen habe. Stets adrett gekleidet und regelmäßiger Gast beim Mittagstisch des DRK. Dass nun Kripobeamte und Experten der Spurensicherung in ihren weißen Schutzanzügen das Haus, die Wohnung und die Umgebung in Augenschein nehmen und am Nachmittag ein Wagen vorfährt, um die Leiche der Seniorin abzuholen, ist für die Menschen aus dem Umfeld der Frau unfassbar.

Schreie aus der Wohnung am Freitagabend

Nach Informationen des Haller Kreisblattes (HK) soll am Freitagabend ein Zeuge Schreie aus der Wohnung von Evelyn W. gehört haben. Sicher ist jedoch nur, dass Nachbarn am Samstagvormittag bemerkten, dass die Rollläden nicht wie üblich heruntergelassen worden sind und sie auf kein Klingeln und Klopfen reagiert. Dabei wird sie als vorsichtige Dame beschrieben, die sogar zusätzlich eine Kette vor der Tür hatte, um sich zu schützen.

Die Obduktion findet am Pfingstsonntag in Bielefeld statt. Ab 10 Uhr am Morgen untersuchen die Beteiligten die Tote, dokumentieren dabei bis ins Detail alle Verletzungen. Am Ende sind sieben Stunden vergangen, bis ihre Arbeit geschafft ist – eine außergewöhnlich lange Zeit für diese Aufgabe. Aber eben auch ein Umstand, der auf die große Zahl der Verletzungen hindeutet. Nach Informationen des HK sollen es weit über ein Dutzend Stiche gewesen sein, mit denen die 86-Jährige verletzt worden ist.

Am Dienstag, so erklärt ein Polizeisprecher, sollen der Öffentlichkeit weitere Details bekanntgegeben werden. Und dann hoffen die Menschen auf Antworten auf ihre zahlreichen Fragen: Wer könnte diese Tat begangen haben und welches Motiv mag der Betreffende gehabt haben? War es jemand, der sich gewaltsam Einlass zu der Wohnung verschafft hatte, was zum jetzigen Zeitpunkt nicht als wahrscheinlich gilt, oder hat Evelyn W. die Person, von der sie später getötet wurde, sogar selber in ihre Wohnung gelassen? Und: Stammte die Tatwaffe aus der Wohnung des Opfers, oder hatte es die Person, die es einsetzte, mitgebracht?

Hinweise nimmt weiterhin die Polizei in Bielefeld unter der Telefonnummer (05 21) 54 50 entgegen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!