Gütersloh will die Freiwillige Feuerwehr bezahlen

Nadine Uphoff

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Helfen ehrenamtlich: Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr opfern ihre Freizeit, um Menschen zu retten. Auch Übungen, wie hier in Bielefeld, gehören dazu. Für ihre Auslagen bekommen einige Einsatzkräfte eine Aufwandsentschädigung, andere nicht.  - © Sarah Jonek
Helfen ehrenamtlich: Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr opfern ihre Freizeit, um Menschen zu retten. Auch Übungen, wie hier in Bielefeld, gehören dazu. Für ihre Auslagen bekommen einige Einsatzkräfte eine Aufwandsentschädigung, andere nicht.  (© Sarah Jonek)

Gütersloh. Sie retten Menschen aus dem Feuer, schneiden Verletzte aus Autowracks und retten Katzen von Bäumen: die Feuerwehr. Laut Statistik des Deutschen Feuerwehrverbandes gibt es 62.000 hauptamtliche Kräfte in Deutschland. Etwa eine Million Freiwillige engagieren sich hingegen ehrenamtlich im aktiven Einsatzdienst.

Die Stadt Gütersloh will ihrer Freiwilligen Feuerwehr jetzt 70.000 Euro zahlen. Aufgeteilt auf die 250 Aktiven in den fünf Löschzügen ergäbe das im Schnitt 280 Euro für jeden. Ein Punktesystem soll gewährleisten, dass „die Eifrigen" eine höhere Entschädigung bekommen als andere. Das Vorhaben ist umstritten. In OWL sind Zahlungen an die Feuerwehr unterschiedlich geregelt.

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Verdienst der Hauptamtlichen

Wer bei der Berufsfeuerwehr arbeitet, ist in der Regel Beamter. Daher richtet sich ihr Einkommen nach Besoldungsstufen. Im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst bekommen Brandmeister die Besoldungsstufe A7. Diese lag im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen bei Berufseinsteigern bei 2.343 Euro. Hinzu kommen oft Zulagen.

Laut Karl-Heinz Brakemeier, Kreisbrandmeister beim Lippischen Feuerwehrverband, gibt es solche Aufwandsentschädigungen in Lippe schon seit mindestens zwölf Jahren. Jedoch hält er den Begriff für missverständlich: „Es ist eigentlich eine Auslagenerstattung. Das fängt bei den gefahrenen Kilometern an, geht weiter über die Handykosten bis hin zur Kinderbetreuung."

Aufs Jahr gerechnet würden sich die Kosten schon summieren. Daher hält Brakemeier die Zahlung für positiv, um das Ehrenamt zu fördern. Als Anreiz, um neue Kräfte zu mobilisieren, sieht er den Vorstoß jedoch nicht: „Wegen Geld geht keiner zur Feuerwehr. Wer hier tätig ist, will helfen." Doch die Belastung für die Feuerwehrleute steigt: „Die Mitgliederzahlen stagnieren, während die Einsatzzahlen landesweit steigen", sagt Brakemeier. Trotzdem hält er die Aufwandsentschädigung für „gut angelegtes Geld", das immer noch günstiger als eine Pflichtfeuerwehr sei.

Auch in Bielefeld gibt es einen Pauschalbetrag für die Feuerwehren, weiß Detlev Eikelmann, Gesamtsprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bielefeld. Dieser werde in der Regel jedoch nicht an den Einzelnen ausgezahlt, sondern lande auf einem gemeinsamen Konto. Von dem Geld würden beispielsweise gemeinsame Aktivitäten bezahlt werden. Außerdem würden die Kameraden freien Eintritt in die Hallen- und Freibäder bekommen.

„Ich denke, man kann junge Leute eher mit vernünftiger Ausrüstung, modernen Unterkünften und Fahrzeugen locken", so Eikelmann. Das habe in Altenhagen und Senne bereits funktioniert. „Wir haben in Moment eine sehr, sehr starke Jugendfeuerwehr", ergänzt er. Probleme sieht er eher in der Tagesverfügbarkeit, wenn die Einsatzkräfte woanders arbeiten. Dieser Umstand lasse sich eben nicht mit Geld lösen.

In Herford gibt es, wie bislang in Gütersloh, nur für Führungskräfte eine pauschale Aufwandsentschädigung, die einzeln ausgezahlt wird, so Kreisbrandmeister Bernd Kröger. Das sei wie bei Übungsleitern im Sport. „Ich finde das wichtig und anerkennend, aber es muss eine Grenze geben, denn es handelt sich immer noch um ein Ehrenamt."

Wegen 200 bis 300 Euro im Jahr würde keiner zur Feuerwehr kommen. Aktuell sei die Feuerwehr im Kreis Herford gut aufgestellt und die Arbeitgeber bereit, ihre Mitarbeiter für die Brandbekämpfung freizustellen. „Weniger Verständnis gibt es für das Abstreuen von Ölspuren. Da versuchen wir schon mit dem Bauhof zusammenzuarbeiten", weiß Kröger. Zudem habe es sich bewährt, Fahrzeuge bei externen Firmen stehen zu haben, von denen einige bei der Wehr sind.

Bei der Feuerwehr in Minden bekommen alle Kameraden eine pauschale Aufwandsentschädigung: Jeder Ehrenamtliche erhält im Jahr 45 Euro plus 7,50 Euro pro Einsatz. Führungskräfte werden mit einer Zulage bedacht, weiß Heino Nordmeyer, Leiter der Feuerwehr Minden. Im vergangenen Jahr musste die Mindener Feuerwehr samt hauptamtlichen Kräften zu 1200 Einsätzen ausrücken. Eine Bezahlung nach Stunden sieht Nordmeyer kritisch. „Wir wollen natürlich nicht, dass eigenes Kapital für das ehrenamtliche Engagement aufgebracht werden muss, aber die Motivation muss woanders herkommen."

Für den Feuerwehrleiter steht fest, dass man schon bei den jungen Leuten mit der Nachwuchsgewinnung einsteigen muss. Durch eine Plakataktion und Flyer, auf denen Feuerwehrleute aus Minden zu sehen sind, hätten sie schon ein paar Neue dazugewinnen können, so Heino Nordmeyer.

Christoph Schöneborn, Landesgeschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren in NRW, sagt, dass die Aufwandsentschädigungen für Feuerwehren in den Kommunen sehr unterschiedlich geregelt sind: „Die Zahl derer, die für alle Feuerwehrkräfte pauschalisiert zahlen nimmt zu." Der Anteil liege aber noch unter einem Drittel.

Er weist darauf hin, dass es steuerrechtliche Dinge zu beachten gibt. So sei es besser, wenn die Stadt direkt an die Helfer zahlt und nicht die Feuerwehr, sowie der Betrag zeitunabhängig berechnet wird. Kritisch sieht Schöneborn Beträge, die über den Mindestlohn hinausgehen. „Wir bleiben eine ehrenamtliche Einrichtung."

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