Klinik vergisst schon betäubten Patienten in OP-Vorbereitungsraum

Klinikum Schaumburg entschuldigt sich bei dem Patienten. Dem reicht das aber nicht

Jakob Gokl

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Das Klinikum Schaumburg entschuldigte sich bei einem Patienten, dessen Operation vergessen worden war. - © Jakob Gokl/szlz
Das Klinikum Schaumburg entschuldigte sich bei einem Patienten, dessen Operation vergessen worden war. (© Jakob Gokl/szlz)

Rinteln/Vehlen. Hundert Mal habe man sich schon bei ihm entschuldigt, berichtet Arnold U. (Name geändert). „Aber das kann man doch nicht einfach so stehen lassen", findet der Rintelner. Eigentlich hätte er am 10. Mai im Schaumburger Klinikum am Rücken operiert werden sollen. Nachdem er für seine Operation vorbereitet worden war, bekam der 57-Jährige seine „Prämedikation" und schlief deswegen ein. „Das war gegen 10 Uhr", erinnert er sich.

Vier Stunden später wacht er auf und merkt gleich: Etwas stimmt nicht. Arnold U. war alleine, und noch immer im gleichen Raum, in dem er für die Operation vorbereitet worden war. „Ich wurde im Krankenhaus einfach vergessen", berichtet er am Telefon.

Notfallknopf gedrückt - nichts tat sich

Halbnackt, nur mit einem OP-Kleidchen bekleidet, und von der Prämedikation noch immer schummrig im Kopf lag Patient U. im Vorbereitungssaal. „Und ich hatte ja nichts am Mann, kein Handy, keine Uhr, gar nichts." Über einen Fernseher habe er wenigstens herausgefunden, wie spät es war. Doch obwohl er mehrfach den Notfall-Knopf an seinem Krankenbett drückte, passierte eine Stunde lang gar nichts. „Was wäre denn gewesen, wenn ich dort verblutet wäre?", fragt sich der Rintelner. „Oder wenn ich bettlägerig gewesen wäre, hätte man mich dann erst nach dem Wochenende gefunden?"

Klinik-Geschäftsführer Marko Ellerhoff sagt, „grundsätzlich bedauern wir den Verlauf sehr". Man wolle sich „in aller Form bei dem Patienten entschuldigen". Ein Gespräch mit dieser Redaktion war möglich, da U., der namentlich nicht öffentlich genannt werden möchte, seine Ärzte von der Schweigepflicht entbunden hat. Zwar könne man die Sichtweise ihres Patienten nachvollziehen, sagt Pflegedienstleiter Jörg Hake, „aber für ihn bestand keine Gefahr, er wurde auch nicht wirklich vergessen". Man habe bereits die beiden Probleme, die zu der bedauerlichen Situation geführt haben, identifiziert und Maßnahmen ergriffen, dass es nicht erneut passieren kann.

Halbnackt durch Gänge geirrt

Als Arnold U. nach etwa einer Stunde und mehreren erfolglosen Notrufen noch immer alleine war, raffte er sich gegen 15.30 Uhr auf und verließ sein Krankenbett. Zu seiner Überraschung war auch die Station wie ausgestorben. „Erst in der nächsten Station fand ich eine Schwester, die hat mich ganz verwirrt angeschaut und gefragt, wieso ich in diesem Aufzug rumlaufe." Als er ihr seine Situation erklärte, kümmerte sie sich sofort. „Um 16.30 Uhr kam dann ganz vorsichtig ein Oberarzt herein und erklärte mir, man habe mich vergessen."

Da sein behandelnder Arzt bereits im Feierabend sei, habe man ihm freigestellt, über das Wochenende im Krankenhaus zu bleiben und sich am Montag operieren zu lassen. „Das habe ich abgelehnt. Ich habe fluchtartig das Krankenhaus verlassen." Auch wenn für ihn die Situation letztlich gut ausgegangen sei, hält U. die Situation für brandgefährlich. „Stellen Sie sich vor, ich hätte die Tablette nicht vertragen, die Not-Klingel funktionierte nicht, ich hätte mich gar nicht bemerkbar machen können."

OP-Team hatte Verschiebung nicht mitgeteilt

Das Problem habe er auch direkt der Beschwerdestelle des Krankenhauses mitgeteilt. „Das begrüßen wir sehr", erklärt Geschäftsführer Ellerhoff. So habe man sich sofort entschuldigen und entsprechende Maßnahmen ergreifen können. Aus Sicht von Pflegedienstleiter Hake ist Arnold U. allerdings nicht „vergessen" worden. Man habe durchaus gewusst, wo er sich befand. Allerdings sei dem Pflegepersonal vom OP-Team nicht mitgeteilt worden, dass die Operation von Arnold U. verschoben worden sei.

Und außerdem sei die Not-Klingel fälschlicherweise nicht auf die andere – mit Pflegepersonal besetzte – Station umgeleitet worden. Diese beiden Fehler in Kombination haben dazu geführt, dass der 57-Jährige über etwa eine Stunde alleine und ohne Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen, im Krankenhaus lag. Allerdings bestand laut Hake keine Gefahr für den Patienten. Nebenwirkungen des Medikaments treten wenn, dann nur am Anfang auf. Es handle sich außerdem nicht um ein überwachungspflichtiges Medikament, bei dem jederzeit eine Pflegekraft anwesend sein muss.

Als Konsequenz aus dem Vorfall ist künftig die Not-Klingel immer auf die Nachbarstation durchgeschaltet.

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