In der Feuerwehr fehlen Frauen und Migranten

Forschungsprojekt: Frauen und Migranten sind in den Wehren Mangelware. Wissenschaftler der Uni Paderborn wollen die Gründe erfahren und Abhilfe schaffen

Max Maschmann und Carolin Brokmann-Förster

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Frauen und Migranten sind selten in den Löschgruppen. Wie sich das ändern lässt, erforschen Wissenschaftler der Uni Paderborn. - © Jens Büttner/dpa
Frauen und Migranten sind selten in den Löschgruppen. Wie sich das ändern lässt, erforschen Wissenschaftler der Uni Paderborn. (© Jens Büttner/dpa)

Paderborn. "Frauen sind bei der Feuerwehr unerwünscht." Das zumindest meinen Forscher der Universität Paderborn. Dort läuft seit Anfang des Jahres ein Forschungsprojekt, das genau an dieser Stelle entgegenwirken will. Ziel ist es, neue Ansätze zu entwickeln, um die Vielfalt zu erhöhen - und das nicht nur bei den Löschtruppen.

"Fortesy" heißt das Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. „Wir beziehen Daten zu Ausbildung, Mitgliedschaft und Funktion in unsere Studien ein", erklärt Dr. Ilona Horwath, Junior-Professorin an der Fakultät für Maschinenbau und Leiterin der Studie.

Ein zentrales Problem in vielen Feuerwehren: Frauen und Migranten seien nicht nur unterrepräsentiert, sondern häufig auch unerwünscht. „Diversitätsförderung geht mit einem hohen Innovationspotenzial einher, das sich in einer sichereren und effektiveren Einsatztechnologie manifestiert. Mit 'Fortesy' wollen wir genau das herausarbeiten und zur allgemeinen Umsetzung beitragen."

"Es ist ein abwechslungsreicher Job"

"Die Feuerwehr-Welt ist zu einem großen Teil männlich und weiß", sagt auch Susanne Klatt, Vorsitzende des Netzwerks Feuerwehrfrauen. "Aber es gibt auch Wehren mit einem relativ hohen Frauenanteil." Doch dieser betrage nur etwa drei bis vier Prozent, in Ausnahmefällen bis zu zehn Prozent. "Wenig, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen." Ähnlich sieht es auch im Bereich der Feuerwehrleute mit Migrationshintergrund aus.

Doch woran liegt das? "Zum Teil kann es sicherlich abschreckend wirken, wenn die Mehrzahl der Kollegen männlich und weiß ist", gibt die Oberbrandrätin zu bedenken. Zum Teil wirke die Feuerwehr nach außen aber auch nicht so attraktiv, wie sie in Wirklichkeit ist. "Es ist ein abwechslungsreicher Job, kein Tag ist wie der andere. Es gibt Entwicklungsmöglichkeiten und unterschiedliche Spezialisierungen", das sei vielen Menschen einfach nicht bewusst. Natürlich sei die Arbeit in der Löschtruppe körperlich anspruchsvoll. Doch die Technik entwickele sich weiter und der Fortschritt erleichtere die Arbeit.

Gespannt auf die Ergebnisse

Ein weiteres Problem sei die öffentlichen Wahrnehmung. Gerade in Serien sehe man häufig Polizistinnen, bei der Feuerwehr sei das nicht der Fall. "Dabei sind wir in der Wahrnehmung der Menschen immer noch 'die Guten'", weiß Klatt. Feuerwehrleute werden immer wieder zu den vertrauenswürdigsten Berufsgruppen gewählt, auch wenn immer mehr Respektverlust und eine steigende Tendenz bei der Gewalt gegen Einsatzkräfte zu verzeichnen ist.

Sie sei gespannt, was bei der Studie der Universität Paderborn herauskomme. "Frau Horwath hat erst einmal eine Forschungshypothese aufgestellt und ich denke, dass sie sich wohl in vielen Bereichen bestätigen wird. Möglicherweise gibt es aber auch die eine oder andere positive Überraschung und Teilbereiche stellen sich als diverser als erwartet heraus", meint sie. Forschung in alle Richtungen - auch in Bezug auf Diversität und Willkommenskultur, sei wichtig. Denn von den Ergebnissen profitierten alle.

Spagat zwischen etablierten und neuen Verfahren

Bei "Fortesy" werden mittels Technik-, Diversity-, Organisations- und Resilienzforschung sowie mithilfe der Ingenieurs-Wissenschaften Faktoren herausgearbeitet, die effektive Kooperationen in heterogenen Teams fördern oder behindern. „Änderungen von lange praktizierten Routinen oder Arbeitsabläufen werden dann als kritisch angesehen, wenn zugrunde liegende Orientierungen und Werte infrage gestellt werden", weiß Horwath.

Der Spagat zwischen etablierten Verfahren, die gerade in Gefahrensituationen wichtig sind, und neuen Methoden sowie einer situationsspezifischen Ausgestaltung der Routinen ist laut der Expertin schwierig.„Dabei könnten die interkulturellen Kompetenzen gewinnbringend eingesetzt werden, insbesondere vor dem Hintergrund unserer multikulturellen Gesellschaft".

Durch das Projekt sollen Gestaltungsempfehlungen entstehen, die auch anderen Organisationen an die Hand gegeben werden können. „Einrichtungen, die im Bereich der Migrations- und Flüchtlingsarbeit tätig sind, können von den Ergebnissen profitieren", ist Ilona Horwath überzeugt.

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