Ruinöser Wettbewerb bedroht Regionalflughäfen

Paderborns Airportchef Kleinert kritisiert Subventionen in Dortmund und Kassel

VON MATTHIAS BUNGEROTH

Ruinöser Wettbewerb bedroht Regionalflughäfen - © NRW
Ruinöser Wettbewerb bedroht Regionalflughäfen (© NRW)

Paderborn. Hoher Kostendruck in der Luftfahrtbranche und die von der schwarz-gelben Koalition erhobene Luftverkehrssteuer machen den Regionalflughäfen nach eigenem Bekunden besonders zu schaffen. Die Chefs der Airports Paderborn/Lippstadt und Münster/Osnabrück schlagen deshalb Alarm. Sie kritisieren Subventionen, die andere Flughäfen bekommen, als unfair.

Besonders die Tatsache, dass der Airport Dortmund über seinen Mehrheitsgesellschafter, die Stadtwerke Dortmund, in der Lage ist, ein Defizit von bis zu 30 Millionen Euro auszugleichen, ist Elmar Kleinert, Geschäftsführer des Airports Paderborn/Lippstadt, ein Dorn im Auge. Kleinert spricht in diesem Zusammenhang von einer "Wettbewerbsverzerrung", die "politisch motiviert" sei.

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Passagierzahlen

  • Der Flughafen Paderborn/Lippstadt (Foto) verzeichnete bei den Passagieren im Juli im Jahresvergleich ein Minus von 4,1 Prozent. Der Pauschalflugreiseverkehr stieg um 6,9 Prozent. Die Halbjahresbilanz: minus 9,6 Prozent (388.827 Passagiere).
  • Der Airport Münster/Osnabrück verzeichnete im 1. Halbjahr ein Minus von 20 Prozent (460.000 Passagiere).

"Wir kritisieren genauso, dass wir da unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen haben", sagt Gerd Stöwer, Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO), auf Anfrage. Beide Airports werden ausschließlich von Gebietskörperschaften betrieben. "Wir haben Eigentümer, die keinen Wettbewerb einkaufen", betont Stöwer. FMO hatte im Frühjahr mit einem Rückgang bei den Passagierzahlen von bis zu 20 Prozent zu kämpfen. Ähnlich wie in Paderborn/Lippstadt strich Air Berlin aus Kostengründen einige Flugverbindungen.

Die Luftverkehrssteuer macht Regionalflughäfen zu schaffen.
Die Luftverkehrssteuer macht Regionalflughäfen zu schaffen.

Marc Schulte, Sprecher des Flughafens Dortmund, sagte, ein Großteil des Defizits des Airports stamme aus dem Ausbau des Terminals im Jahr 2000, der "komplett durch Eigenkredite finanziert" sei. Dennoch prüft die EU-Kommission die Sonderkonditionen, die unter anderem am Airport Dortmund gelten. Sie befürchte, dass die neue Entgeltordnung dem Dortmunder Flughafen "einen unangemessenen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern verschaffen könnte". Danach müssen Airlines pro Passagier in Dortmund lediglich drei Euro an den Airport abführen, in Paderborn sind es 16 Euro.

Auch die heranwachsende Konkurrenz des im Ausbau befindlichen Flughafens Kassel/Calden, den das Land Hessen als Mehrheitseigentümer mit rund 187 Millionen Euro zu großen Teilen finanziert, ist Kleinert ein Dorn im Auge, denn dieser könnte Paderborn/Lippstadt ab Frühjahr 2013 Passagiere abziehen.

Die seit dem 1. Januar 2011 geltende Luftverkehrssteuer bezeichnete Kleinert als "freches Umverteilungsprogramm", das den Airport Paderborn/Lippstadt eine sechsstellige Summe gekostet habe. Klaus-Peter Sieg-loch, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft, forderte, die Steuer müsse "so schnell wie möglich wieder abgeschafft werden". Fünf Millionen Passagiere seien deshalb im Vorjahr ins Ausland abgewandert.

Allen Unbilden zum Trotz wird der Airport Paderborn/Lippstadt das laufende Geschäftsjahr laut Kleinert mit einem operativen Plus von gut einer Million Euro abschließen. Ortwin Goldbeck, Präsident der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, sagte, der Airport habe eine "herausragende Bedeutung für unsere heimische Wirtschaft, denn drei Viertel der regionalen Unternehmen nutzen den Airport mindestens einmal im Jahr, ein Drittel sogar mindestens zehnmal". Eine Region, die nicht an den internationalen Flugverkehr angekoppelt sei, "wird langfristig nicht prosperieren können".

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