"Uhrwerk" in den Externsteinen

Neues Buch beschreibt die Felsformation als astronomisches Observatorium

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"Uhrwerk" in den Externsteinen - © Horn-Bad Meinberg
"Uhrwerk" in den Externsteinen (© Horn-Bad Meinberg)

Horn-Bad Meinberg (sap). Die markante Felsformation im Teutoburger Wald übt auf viele eine besondere Faszination aus. Auch Heimatforscher Wolfgang Lippek haben es die Externsteine angetan. Der Naturwissenschaftler und ehemalige Realschullehrer ist sich sicher: "Unsere Vorfahren haben schon in vorchristlicher Zeit dort astronomische Forschungen betrieben."

Seine Erkenntnisse, die auch Forschungen an den Johannissteinen bei Lage und den Schau-Hügelgräbern in Schlangen beinhalten, hat er in einem neuen Buch zusammengefasst. Zwei Jahre hat sich der Forscher aus Lage an den Externsteinen auf die Lauer gelegt, den Sonneneinfall beobachtet und gemessen, gemessen, gemessen.

Nur durch Zufall, als Lippek an einem Wochenende täglich an der Felsformation weilte, entdeckte er, dass es innerhalb der vier Tage vier Möglichkeiten gab, wie Tagundnachtgleiche anhand der Externsteine bestimmt werden können. Dazu trug unter anderem der sogenannte Wackelstein bei, ein mächtiger Steinbrocken auf einem Felsen, der für das bloße Auge abzustürzen droht.

Wolfgang Lippek aus Lage. - © FOTO: SPIEKER
Wolfgang Lippek aus Lage. (© FOTO: SPIEKER)

Regelmäßig studierte Lippek die Lichtwürfe in der sogenannten Höhenkammer, heute eine Aussichtsplattform im Felsen. "Sie diente damals als Dunkelkammer", sagt er. Im Zuge der Christianisierung habe vermutlich Karl der Große die einst geschlossene Höhenkammer um 772 herum zerstört. Mit Hilfe der Lichtwürfe durch das dortige Rundloch, das in vorchristlicher Zeit mit Steinhämmern in den Felsen gehauen worden ist, und nicht etwa durch direktes Anschauen der Mond- und Sonnenaufgänge, so Lippek, sei in der vorchristlichen Zeit exakt gemessen worden: Wochen, Monate, Jahreszeiten, Jahre. Ebenso wurden Fest- und Versammlungstage ermittelt. "Zu den Things, den Volksversammlungen nach dem alten germanischen Recht, die alle neun Jahre abgehalten wurden, war es wichtig, Jahre vorausberechnen zu können", sagt Lippek. Wenn zu der Zeit eine Mondfinsternis zu erwarten war, galt das als böses Omen.

Lippek, Wolfgang: Drei vorgeschichtliche astronomische Anlagen im Bereich Lippe-Detmold: Externsteine, Johannissteine, Schau-Hügelgräber, 2012.

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