Zoff um privates Einsatztraining eines Bielefelder Beamten

Jens Reichenbach

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Symbolbild: Polizei (© pixabay)

Bielefeld. Weil sich ein junger Polizeibeamter für den Einsatz auf der Straße - etwa gegen kampferprobte und teilweise bewaffnete Täter - nicht genug ausgebildet fühlte und sich deshalb privat weitergebildet hat, sieht er sich jetzt internen Ermittlungen ausgesetzt. Nun muss der Polizist dienstrechtliche Konsequenzen befürchten. Denn außerdienstliches Einsatztraining ist verboten. Wie Polizeisprecher Achim Ridder bestätigt, wurde ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet.

Bekanntgeworden ist die Bielefelder Privatfortbildung durch einen Fernsehbericht. In dem RTL-Nachrichtenbeitrag im Januar kritisierten maskierte Polizeibeamte die Aus- und Fortbildung der Behörde als realitätsfern und nicht ausreichend. Gerade angesichts der erhöhten Gewaltbereitschaft bestimmter Täter sahen die Beamten dringenden Bedarf an einer häufigeren und besseren Einsatzausbildung, sprachen von Überforderung.

Sie alle trainieren bei dem Bielefelder Christian Hjort, der seit Jahren freiberuflich als Einsatztrainer für Polizei-, Zoll- und Justizbeamte sowie Security-Mitarbeiter arbeitet. Seine Spezialkurse, in denen Taktiken zur Eigensicherung, Zugriffstechniken und Kontrollgriffe gelehrt und trainiert werden, haben Zulauf aus dem gesamten Bundesgebiet.

Behörde ist Angebot ein Dorn im Auge

Der Bielefelder Behörde ist dieses Angebot ein Dorn im Auge. Kurz nach Bekanntwerden wies Polizeipräsidentin Katharina Giere im Intranet der Behörde ausdrücklich darauf hin, "dass polizeiliches Einsatztraining ausschließlich im Dienst durchgeführt werden darf und dessen Inhalte nicht an Außenstehende weitervermittelt werden dürfen."

Polizeisprecherin Sonja Rehmert erklärt warum: "Die Durchführung polizeilichen Einsatztrainings außerhalb des Dienstes können Pflichtverletzungen gegen die Gehorsams- und Verschwiegenheitspflicht darstellen."

Außerdem sei die Verwendung dienstlicher Ausrüstungsgegenstände und Hilfsmittel zu privaten Zwecken untersagt. Außerdem bestehe der Verdacht, dass die Beamten von Hjort Vergünstigungen erhalten haben. Die Behörde begann daraufhin intern zu ermitteln, um die maskierten Beamten zu identifizieren. Ein Trainingsvideo zu den Kursen, dass der Bielefelder Sportclubbesitzer auf seiner Homepage veröffentlicht hat, wurde daraufhin im Präsidium herumgereicht. Die Vorgesetzten sollten die Beamten, die auch in diesem Film mit Sturmhauben gezeigt wurden, identifizieren.

Ein junger Polizist wurde dabei jetzt an seiner Stimme erkannt und der Behördenleitung gemeldet, heißt es aus Polizeikreisen. Laut Sprecher Achim Ridder ist das Disziplinarverfahren gegen den Betroffenen noch nicht abgeschlossen, eine strafrechtlichen Relevanz - etwa durch Vorteilsnahme - sei aber nicht erkennbar. Möglicherweise ist aber schon die Mitwirkung an dem Trainingsvideo ohne Zustimmung der Behördenleitung ein Dienstvergehen.

Privattrainer Hjort wehrt sich gegen Kritik

Arnold Plickert aus dem Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte das Vorgehen der Bielefelder Polizei kritisiert: "Wenn bei den Kollegen das Gefühl vorherrscht, dass sie nicht richtig ausgebildet werden. Dann sollte die Behördenleitung nicht die Energie darauf verwenden, herauszukriegen, wer das gesagt hat. Sie sollte für sie lieber Lösungen finden." Polizeisprecher Achim Ridder sagt dazu: "Dienst- und strafrechtliche Verstöße werden konsequent verfolgt."

Privattrainer Hjort, der auf positives Feedback verschiedener Polizisten und Ausbilder verweisen kann und insbesondere für sein Anti-Messer-Seminar sehr gelobt wird, verwehrt sich gegen die Kritik der Behörde. Der Sprecher des NRW-Innenministeriums, Wolfgang Beus, hatte damals betont, dass die Ausbildung der Beamten einheitlich sein soll, weshalb privates Einsatztraining eben nicht erlaubt sei. Als unerwünschtes Beispiel nannte er "Angriffe gegen den Hals", wie angeblich in Hjorts Werbevideo zu sehen.

"Das ist gelogen", entgegnet der Bielefelder. "In der Szene kann ich Hals und Kehlkopf gar nicht erreichen." Er greife von hinten diagonal über die Schulter, über die Brust und unter den gegenüberliegen Arm, um so den Täter über seine Körpermitte nach hinten "zu brechen". Auch müssten die Kursteilnehmer keine Polizeiausrüstung mitbringen: Trainingswaffen und Einsatzmehrzweckstöcke seien Teil seiner Ausrüstung. Aufgrund des Verbots durch die hiesige Polizeibehörde hat der Trainer sein Angebot in Bielefeld trotzdem derzeit eingestellt. Woanders finden die Einsatztrainings aber weiterhin statt.

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