Im alten Supermarkt stapeln sich die Kartons

Flüchtlingsbetreuung zieht aus dem Zelt um in leerstehenden Naafi-Shop

Astrid Sewing

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Schrauben für die Kleiderkammer: Voss und Martens. - © Engelhardt
Schrauben für die Kleiderkammer: Voss und Martens. (© Engelhardt)

Detmold (sew/te). Der Arbeiter Samariter Bund versorgt die Flüchtlinge an der Adenauerstraße nicht mehr in einem Zelt. Im ehemaligen Naafi-Shop der britischen Armee werden Frühstück und Abendessen vorbereitet und verteilt. Geprüft wird, ob in einem ehemaligen Pub eine Kinderbetreuung angeboten werden kann. Unterdessen kam gestern tatkräftige Hilfe für den Ausbau der Kleiderstube.

Zurzeit leben 364 Flüchtlinge in den Häusern, darunter 30 Kinder bis 3 Jahre, 18 bis 6 und 52 bis 14 Jahre alte Kinder. Zehn Frauen seien schwanger. Bislang, so sagt ASB-Pressesprecher Jan Held, sei noch kein Flüchtling von einer anderen Kommune aufgenommen worden. Auch Asylanträge seien bislang noch nicht gestellt worden. Damit das Verfahren in Gang kommen kann, müssen die Flüchtlinge erst einmal die Voraussetzungen kennen. Der ASB hat deshalb Informationsblätter in verschiedenen Sprachen besorgt.

„Wir müssen die Situation weiter entwickeln“, sagt Held. Der ASB stelle eine Erzieherin ein für die Kinderbetreuung, eine Psychologin habe man ins Boot geholt und auch Sozialpädagogen. „Wir müssen präventiv arbeiten, und dazu gehört auch, dass wir die Leute sinnvoll beschäftigen und ihnen etwas anbieten.“ Pfarrer Maik Berghaus von der nahe gelegenen evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Siegfriedstraße will sie zum Beispiel in der Kleiderausgabe im Naafi-Shop mit einbinden. Sie wird von Bürgern betreut. Berghaus ist sehr dankbar für die vielfältige Hilfe der Detmolder Bürger.

Das drängendste Problem der Stadt war, die Kleiderkammer einzurichten. Auch hier halfen engagierte Bürger. Auf Kosten des Detmolder Rotary Clubs wurden zehn Ikea-Regale gekauft, die ein Fahrer der Firma Weidmüller aus Dortmund holte. Gestern bauten Mitarbeiter der Einrichtungsfirma Böckstiegel die Regale zusammen.

Natürlich gibt es Probleme – viele Menschen müssen auf engstem Raum leben. Streit müsse geschlichtet werden, sagt Held. Ansteckende Krankheiten – unter anderem fünf Fälle von Krätze – erforderten besondere Hygienemaßnahmen. „Das ist aber sehr schnell behandelt worden und die Leute sind wieder komplett gesund.“ Ein Hausarzt bietet seit Anfang der Woche eine improvisierte Sprechstunde von 8 bis 9 Uhr an. Das sei eine große Hilfe und entlaste auch das Klinikum, betont Held.

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