Stadt richtet Treffpunkt für Flüchtlinge und Bürger ein

Viele Bürger helfen im Treffpunkt an der Adenauerstraße - 130 weitere Flüchtlinge kommen

Astrid Sewing

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Kommunikationszelt: In der Adenauerstraße können Anwohner mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen. - © Foto: Sewing
Kommunikationszelt: In der Adenauerstraße können Anwohner mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen. (© Foto: Sewing)

Detmold. Kinder malen, Jugendliche spielen Schach, lautes Lachen ist vor dem Kommunikationszelt zu hören und ein babylonisches Sprachgewirr. Seit gestern steht fest: Es werden mehr Flüchtlinge kommen.

Auf Nachfrage bestätigte die Bezirksregierung Arnsberg am Dienstagnachmittag, dass das Kontingent von 240 auf 330 aufgestockt wird. Zwei weitere Häuser werden bezogen, zwölf Wohnungen hergerichtet.

Noch mehr Arbeit für die vielen ehrenamtlichen Helfer und Ute Ehren. Sie ist Mitarbeiterin der Stadt Detmold im Bereich "Bürgerkommunikation". Dass sie diese jetzt quasi auf mehrere Länder verteilt - die Flüchtlinge stammen unter anderem aus Syrien, Georgien, dem Sudan, China oder Tschetschenien -, hätte sie sich vor zwei Wochen auch nicht träumen lassen. "Die Erstaufnahmestation wurde von einem auf den anderen Tag durch die Bezirksregierung angeordnet, und unsere Mitarbeiter, die sich schwerpunktmäßig um die Integration und die sozialen Belange kümmern, sind im Urlaub", sagt Ehren.

Weil die Detmolderin nicht nur Verwaltungswirtin ist, sondern auch Soziologie studiert hat, hatte sie die Idee, ein Kommunikationszelt aufzustellen. "Es braucht eine Erlebnisstruktur, einen Platz, wo die Menschen miteinander in Kontakt kommen können. Sonst laufen viele nur vorbei und trauen sich nicht, jemanden anzusprechen", sagt sie. Und das Ergebnis gibt ihr nicht nur Recht, es wird auch von allen Seiten hoch gelobt. "Das ist für die Menschen wichtig, dass sie einen Treffpunkt haben, dass sie merken, dass sie nicht nur unter sich sind", sagt Jan Held vom Arbeiter-Samariter-Bund.

Der ASB kümmert sich um die Essensverteilung, die Krankentransporte, um die vielen Bitten, die den Tag über an das Team herangetragen werden. "Wir wollen den ASB entlasten, deshalb sprechen sich unsere 20 Ehrenamtlichen ab", sagt Ehren. Und die haben ihre ganz eigene Kommunikationsplattform gefunden. Über "What?s App" läuft die Koordination, denn wenn das Kommunikationszelt öffnet, sind auch Betreuer zur Stelle.

Und die Bereitschaft zu helfen ist enorm. Als eine Chinesin über Schmerzen klagte, aber keiner dolmetschen konnte, startete Ehren einen Facebook-Aufruf. "Innerhalb einer halben Stunde kam eine Studentin und begleitete die Frau ins Klinikum." Auch andere fassen dort an, wo sie gebraucht werden. Gabriele Hollmann und Sigried Strate vom "Umsonstladen" am Hiddeser Berg sortieren im Keller der Gebäude saubere Kinderkleidung. Am Nachmittag gibt es zwei Führungen, ein Student übersetzt ins Arabische und Ulrike Levri von der Peter-Gläsel-Stiftung ins Englische.

Die Kirchen engagieren sich ebenfalls. Maik Berghaus ist Pastor der Freikirchlichen Gemeinde. "Wir wollen ein ökumenisches Aktionsbündnis aufbauen und zum Beispiel die Freizeitangebote koordinieren", sagt er.

Wer helfen möchte, kann sich bei Ute Ehren unter 05231-977200 melden.

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