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Bad Salzuflen

Arbeiter und Lernende teilen sich die VHS

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgen die Verantwortlichen derzeit die Umwidmung der altehrwürdigen Aula. Sprachkurse für Migranten bilden mittlerweile das Kerngeschäft

Bad Salzuflen. Die Volkshochschule ist im Wandel. Das gilt nicht nur inhaltlich, sondern ganz akut auch räumlich. An beiden Punkten sind Flüchtlinge beziehungsweise Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt – einmal direkt, einmal indirekt.

Eigentlich sollte der marode Anbau der VHS in der Hermannstraße aus energetischen und organisatorischen Gründen im Sommer abgerissen werden. So hatten es die Politiker im September beschlossen. Zuvor waren die seit zweieinhalb Jahren laufenden Bemühungen, das Gebäude zu verkaufen, endgültig eingestellt worden. Der mit dem Abbruch des Anbaus einhergehende Wegfall aller dort noch genutzten Klassenräume sollte zuvor in Ruhe durch eine Umgestaltung der Aula und des Werkraumes kompensiert werden.

Da der Anbau nun aber doch erhalten bleiben und künftig als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt werden soll, musste schneller gehandelt werden. So hat der Umbau der Schul-Aula des ehemaligen Jungen-Gymnasiums bereits im November begonnen. „Eine Beeinträchtigung des Lehrbetriebs durch Staub und Lärm wird sich noch bis Ostern kaum vermeiden lassen“, bittet VHS-Leiter Franz Meyer um Verständnis. Lange hatten sich die Mitarbeiter der Volkshochschule gegen die Umwidmung der altehrwürdigen, fast acht Meter hohen Halle gesträubt. Franz Meyer ist aber davon überzeugt, dass der Umbau, der – dies sei noch einmal betont – auch ohne eine Flüchtlingsunterbringung im Anbau gekommen wäre, am Ende zu einer wesentlich effizienteren Raumstruktur führen wird.

Direkte Auswirkungen haben Menschen mit Migrationshintergrund dagegen bei der inhaltlichen Ausrichtung und beim Erfolg der Bildungseinrichtung. Liegt die VHS Bad Salzuflen mittlerweile bei fast 10.000 Unterrichtseinheiten pro Jahr, so hat dies laut Franz Meyer vor allem mit den Deutsch-Sprachkursen zu tun. Diese seien zu einem Kerngeschäft geworden. „Für Migranten und Migrantinnen, die in Bad Salzuflen eine Bleibe gefunden haben, ist die VHS in der Regel die erste Bildungseinrichtung, mit der sie in Kontakt kommen. Hier erlernen sie die wichtigste Voraussetzung der sozialen Integration: die deutsche Sprache“, betont der VHS-Leiter.

Bereits seit zehn Jahren werden in der Hermannstraße Deutschkurse für Migranten, anerkannte Asylbewerber und Flüchtlinge angeboten. Im vergangenen Jahr konnten 55 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Integrationssprachkurse mit zusammen 759 Teilnehmern realisiert werden. Die Zahl der Unterrichtseinheiten summierte sich auf 5250. Damit sei man allerdings auch an der Obergrenze angelangt. Aktuell beschäftigt die VHS Bad Salzuflen acht ausgebildete Lehrkräfte, die auf Honorarbasis Deutschunterricht erteilen. „Qualifizierte Lehrkräfte zu finden, ist äußerst schwierig“, erklärt Meyer.

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