Weidmüller-Vorstand im LZ-Interview: „Standort ist gesetzt“

Dr. Peter Köhler kündigt Investitionen in Höhe von 35 bis 40 Millionen Euro an

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Dr. Peter Köhler zeigt das U-Remote, eine Neuentwicklung im Bereich der Direktanbindung an Schaltschranksysteme. Für die Fertigung dieses Produktes ist der Standort Detmold wichtig. - © Thorsten Engelhardt
Dr. Peter Köhler zeigt das U-Remote, eine Neuentwicklung im Bereich der Direktanbindung an Schaltschranksysteme. Für die Fertigung dieses Produktes ist der Standort Detmold wichtig. (© Thorsten Engelhardt)

Detmold. Der Konflikt ist ausgestanden. Bei Weidmüller ist eine Lösung für den Arbeitsplatzabbau im Zuge der Neuaufstellung des Unternehmens gefunden. Was kommt jetzt? Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Köhler gibt Antworten.

Sind Sie erleichtert, dass jetzt eine Vereinbarung über die Veränderungen bei Weidmüller unterschrieben ist?

Information
Persönlich

Dr. Peter Köhler wurde 1958 geboren. Von 1996 bis 2002 war der promovierte Physiker bereits Geschäftsführer bei Weidmüller. 2011 kehrte er als Vorstandssprecher zurück, seit 2013 ist er Vorstandsvorsitzender. Köhler ist unter anderem Vorstandsmitglied im Verband der Elektrotechnikindustrie (ZVEI). Er ist verheiratet und vierfacher Vater. (te)

Dr. Peter Köhler: Der Standort liegt uns allen am Herzen, deshalb bin ich froh, dass wir eine konstruktive und sozial verträgliche Lösung gefunden haben. Wir haben gemeinsam ein gutes Paket geschnürt. Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen, und wir können in unser Zukunftskonzept investieren.

Sie wollten 120 Stellen reduzieren, jetzt sind es noch 58. Da könnte man sagen: Das war kein großer Wurf, oder?

Köhler: Wir haben sechs Monate lang intensiv mit dem Betriebsrat gesprochen. In der Zwischenzeit sind schon einige Mitarbeiter auf neue Arbeitsplätze versetzt worden, und wir haben ein Freiwilligenprogramm gestartet. Den jetzt verbleibenden 58 Betroffenen werden wir ein attraktives Paket anbieten: Vorgezogene Altersteilzeit oder ein früheres Ausscheiden. Wer das nicht möchte, kommt in einen flexiblen Einsatzpool und wird weiter qualifiziert. Das Ziel ist dann wieder ein fester Arbeitsplatz an anderer Stelle am Standort.

Können Sie nun ihr Zukunftskonzept umsetzen oder sind Sie da zurückgeworfen worden?

Köhler: Das ist das Gute an dem Ergebnis. Wir können die notwendige Personalveränderung vornehmen und unsere Zukunftspläne umsetzen – ebenfalls mit Zustimmung des Betriebsrates. Wir werden in Detmold in die Automatisierung investieren, in die Metallfertigung und in das geplante Technologiezentrum. Auch künftig werden 20 bis 25 Millionen Euro jährlich an Investitionen in den Standort fließen.

Mehr Innovation und Produktivität verlangt auch die Gewerkschaft. Welche Pläne haben Sie dafür?

Köhler: Das ist Teil unserer Strategie 2020. Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern auch um Innovationen bei unserem Kernportfolio, zum Beispiel den Reihenklemmen. Aber es geht auch um innovative Fertigungsprozesse. Hier entwickeln wir einerseits neue Lösungen für unsere Kunden, arbeiten aber auch intensiv mit den Hochschulen zusammen, um Dinge zu entwickeln, die wir bei uns selbst in der Produktion einsetzen wollen.

Andere Unternehmen aus der Gegend und aus Ihrer Branche sind schon lange nicht mehr mit dem Thema Personalabbau in Verbindung gebracht worden. Weidmüller immer mal wieder. Wieso geht hier nicht, was anderswo zu funktionieren scheint?

Köhler: Wir gehen unseren eigenen Weg. Wir haben damals die Sachverhalte abgewogen und zunächst keine andere Lösung gesehen. Gemeinsam haben wir aber jetzt eine neue Lösung gefunden.

Da fragt man sich, warum nicht gleich so?

Köhler: Es geht uns darum, besser, schneller und zuverlässiger zu werden. Einmalig Kosten zu senken, ist nicht der Schlüssel dazu. Die Effizienz kommt, wenn wir die Dinge anders machen. Damit sind wir Mitte 2015 gestartet – im Dialog mit der Arbeitnehmervertretung. Im Januar sahen wir unseren Plan als gute Vorgehensweise an. Aber mit der Lösung jetzt können wir alle leben. Es ist enorm wichtig, mit dem Betriebsrat und den Sozialpartnern an einem Strang zu ziehen, denn letztlich machen die Mitarbeiter den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Unternehmen.

Was sind die nächsten Schritte auf diesem Weg?

Köhler: Ein wesentlicher Eckpfeiler ist die Kundennähe. Wir wollen unsere Kunden in der Industrie noch besser verstehen und haben deshalb unser Industriemanagement weltweit neu aufgestellt. Darüber hinaus sehen wir sehr gute Wachstumschancen in Südostasien und haben hier unser Asiengeschäft neu organisiert. Und wir investieren 35 bis 40 Millionen Euro in neue Produkte. Automatisierung, Digitalisierung und Industrie 4.0 sind die Stichworte. Hier sind wir bereits jetzt ein anerkannter Spieler und unter anderem aktiv auf dem Feld der Erfassung, Analyse und Bearbeitung großer Datenströme und des Zustandsmanagements, des Condition Monitoring.

Wo sehen Sie Weidmüller in fünf Jahren?

Köhler: In fünf Jahren sind wir nach wie vor ein bedeutendes Unternehmen im Umfeld der elektronischen und elektrischen Verbindungstechnik. Darüber hinaus haben wir eine bedeutende Stellung bei der Digitalisierung erreicht, um unser Kerngeschäft zu stützen. Wir können heute mutig und zuversichtlich in die Zukunft schauen

Bleibt Detmold da als Standort gesetzt?

Köhler: Detmold ist unser Herz, hier sind unsere Wurzeln. Der Standort ist gesetzt. Wir wollen hier das Niveau von etwa 2000 Mitarbeitern halten, dafür müssen wir anderswo in der Welt wachsen. Es gibt Teile in der Fertigung, da ist der Standort Detmold unschlagbar gut. Diese Kernkompetenzen, insbesondere in der Metallfertigung, wollen wir hier bündeln. Und darüber hinaus soll der Standort so aufgestellt werden, dass die Entwicklungen von hier gesteuert und koordiniert werden können. Das bedeutet natürlich, dass sich Arbeitsinhalte massiv verändern werden. Genau darum geht es im Zukunftskonzept, dass wir jetzt umsetzen.

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