Kosten für die Sanierung der Kirche sind zu hoch

Guntmar Wolff

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Detlef P. Junge (Seniorenbeauftragter), Gemeindemitglied Margitta Dummann und Ulrich Wiesemann (von links) sind dabei, als Gemeindeleiter Stephan Falk die Tür abschließt. - © Guntmar Wolff
Detlef P. Junge (Seniorenbeauftragter), Gemeindemitglied Margitta Dummann und Ulrich Wiesemann (von links) sind dabei, als Gemeindeleiter Stephan Falk die Tür abschließt. (© Guntmar Wolff)

Detmold-Pivitsheide. Der vergangene Sonntag ist für die Gläubigen der Neuapostolischen Kirche (NAK) in Detmold-Pivitsheide alles andere als normal gewesen. Denn das Gebäude in der Straße „Im Nieleinen", das seit 1971 als Versammlungsstätte diente, wurde profaniert (entwidmet). Ab sofort finden dort keine Gottesdienste mehr statt.

Der Schritt zur Schließung des Gotteshauses war nach Aussage des stellvertretenden Detmolder Bezirksleiters der NAK, Ulrich Wiesemann, notwendig geworden, nachdem bauliche Mängel aufgetreten waren, deren Instandsetzung einen hohen Kostenaufwand verursacht hätte. „Da es in Detmold und Lage zwei weitere Gemeinden in unmittelbarer Nähe gibt, haben wir uns aus diesem Grund dazu entschlossen, diese Kirche nicht mehr für Gottesdienste zu nutzen", erklärte Wiesemann. Das Gebäude soll nun auf dem Immobilienmarkt angeboten werden.

Information

Acht Gemeinden, 2.000 Gläubige

Mit der Schließung der Gemeinde in Pivitsheide gibt es im Detmolder Bezirk der Neuapostolischen Kirche, der nicht identisch mit der politischen Grenze ist, noch acht weitere Gemeinden. Das sind Detmold, Lage, Lemgo, Lippe-West, Extertal, Schlangen, Bad Pyrmont und Horn-Bad Meinberg. Der Kirchenbezirk zählt insgesamt rund 2000 Gläubige.
Mehr Informationen über die NAK und ihre Arbeit gibt es im Internet unter www.nak-detmold.de

In welche Gemeinden die Gläubigen zukünftig gehen, sei ihnen freigestellt, so Stephan Falk, Leiter der Pivitsheider Kirchengemeinde. Wiesemann selbst hielt den Gottesdienst ab und riet den Gläubigen, sich in den neuen Kirchengemeinden wohl zu fühlen und die Erinnerungen an diese Gemeinde mitzunehmen und festzuhalten. Als Wiesemann die Worte sprach: „Hiermit entwidme ich dieses Haus", war in der Gemeinde deutliches Schluchzen zu vernehmen.

„Die Mitglieder wurden durch Gemeindeabende und viele Gespräche mit der Schließung des Gebäudes vertraut gemacht", erläutert Peter Johanning, Bischof des Kirchenbezirkes, die Vorgehensweise der Kirchenleitung bei der Schließung. „Natürlich ist trotzdem immer ein Stück Wehmut dabei", weiß Johanning die Gemütslage der Mitglieder einzuschätzen.

Im Anschluss an den Gottesdienst erinnerten sich die Anwesenden mit einem Diavortrag an die vielen Situationen, die sie in ihrem Kirchengebäude erlebt hatten. Mit einem gemeinsamen Frühstück ließen die Mitglieder dann den Morgen zum letzten Mal in dem Kirchengebäude ausklingen.

Viele der Gläubigen, die schon seit Jahrzehnten „ihr" Gotteshaus besuchten, waren sichtlich berührt. So auch Margitta Dummann. „Es ist schon ein wenig Wehmut da, aber trotzdem freue ich mich auf einen Neuanfang", so die Seniorin. Mit den anderen Mitgliedern bezeichnete sie die Versammlungsstätte als „Wohlfühlgemeinde".

Die Mitgliederzahl in der Gemeinde hing von Anfang an stark von äußerlichen Faktoren ab: Gab es in der Anfangszeit noch viele Soldaten und zahlreiche Kurgäste, die an den Gottesdiensten teilnahmen, änderte sich das im Laufe der Zeit. Zum Ende hin hatte die kleine Gemeinde noch 90 Mitglieder, die durch fünf Seelsorger betreut wurden.

Gemeindeleiter Stephan Falk betonte, dass es für die Gläubigen viele Chancen in größeren Gemeinden gebe, in denen eine gute Atmosphäre herrsche. „Musikalisch lässt sich in einer größeren Gemeinde in jedem Fall deutlich mehr bewegen", so Falk, der in Zukunft die Lagenser Kirchengemeinde besuchen wird. Deren Leitung wird er ab März übernehmen, wenn der dortige Priester Friedhelm Kuhlmann in den Ruhestand geht.

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