Poetry Slammer Marc-Oliver Schuster verrät, was einen guten Reimekünstler aus macht

Auftritt am Freitagabend im Ziegeleimuseum

Patrick Bockwinkel

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Am Mikro: Poetry-Slamer Marc-Oliver Schuster liebt die Atmosphäre im Ziegeleimuseum. - © Patrick Bockwinkel
Am Mikro: Poetry-Slamer Marc-Oliver Schuster liebt die Atmosphäre im Ziegeleimuseum. (© Patrick Bockwinkel)

Lage. Regelmäßig misst sich Marc-Oliver Schuster mit anderen Reimekünstlern beim Poetry Slam in ganz Deutschland. Heute Abend treten er und weitere hochkarätige Wortakrobaten im Ziegeleimuseum gegeneinander an. 

Mit dabei sind unter anderem Sven Hensel, der amtierende U20-NRW-Meister, und Monika Czyz, die aktuelle Siegerin des Ruhrpokals 2015. Alle Wortakrobaten stehen sechs Minuten auf der Bühne und stellen ihre Werke dem Publikum vor, das mit seinem Applaus über den besten Beitrag abstimmt. Der Wettstreit beginnt um 20.00 Uhr (Einlass 18.00 Uhr). Tickets kosten 7 Euro (ermäßigt 5 Euro). Vor den Auftritten sprach Marc-Oliver Schuster mit der LZ über gute Texte, die Performance und eine goldene Regel.

Information
Persönlich

Seit zwölf Jahren ist Marc-Oliver Schuster Poetry Slammer. Besonders bekannt sind die „Katze“-Geschichten des 41-Jährigen, der in Sylbach aufgewachsen ist und momentan in Detmold lebt. Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter studierte Schuster Medienwirtschaft. Regelmäßig nimmt „Katze“ an Poetry Slams teil, etwa acht Veranstaltungen im Jahr organisiert er selbst. Seit zehn Jahren gibt er Poetry-Slam-Workshops. Darüber hinaus ist Schuster Stadionführer bei Arminia Bielefeld.

Herr Schuster, woran erkennt man eigentlich einen guten Poetry Slammer?

Marc-Oliver Schuster: Daran, dass er oder sie authentisch ist. Vorne auf der Bühne zu stehen und seinen Text zu performen, muss demjenigen Spaß machen. Glaubwürdigkeit spielt eine große Rolle.

Also ist der Text eigentlich zweitrangig?

Schuster: Das würde ich so nicht sagen. Aber die Performance, die Betonung, Höhen und Tiefen in der Stimme unterstützen während des Auftritts den Text. Das Publikum merkt sofort, wenn man ihm irgendetwas vorspielt und man künstlich einen auf Show macht. Die Kombination aus Performance und einem guten Text macht es am Ende aus.

Gibt es bestimmte Themen, die beim Poetry-Slam-Publikum besonders gut ankommen?

Schuster: Oft sind es lustige Texte, die vorgetragen werden. Aber auch traurige, zum Nachdenken anregende Themen kommen manchmal genau so gut an. Dabei spielt es eine große Rolle, wie ich dem Publikum das Thema vortrage. Beim Poetry Slam gewinnt nämlich fast nie der beste Text, sondern das Gesamtpaket.

Was unterscheidet einen guten Text von einem schlechten?

Schuster: Es kommt immer auf einen guten Start an. Wenn ich gut in das Thema reingehe, ziehe ich das Publikum sofort in meinen Bann. Der Text sollte einen roten Faden haben. Pausen und Betonungen muss man an den richtigen Stellen einsetzen. Man muss seinen eigenen Stil entwickeln, auf gar keinen Fall sollte man versuchen, jemanden zu kopieren. Das sind dann meist die schlechten Texte. Eine goldene Regel lautet: je mehr man übt, desto besser wird man auch.

Kurt Tucholsky hat mal gesagt „Satire darf alles“. Gilt das auch für den Poetry Slam, oder gibt es irgendwelche Tabus?

Schuster: Schwierig. Grundsätzlich würde ich sagen, dass man beim Poetry Slam schon alles thematisieren darf – solange man gewisse Grenzen allerdings nicht überschreitet.

Welche Grenzen wären das?

Schuster: Politisch radikale Propaganda zum Beispiel. Allerdings habe ich es in all den Jahren, die ich Poetry Slam mache, noch nie erlebt, dass jemand aus dem Rahmen gefallen ist. Wenn dass passieren würden, würde derjenige sofort von der Bühne geholt. Und auftreten könnte er auch nie wieder. Die Poetry Slammer in Deutschland sind wie eine große Familie, man kennt sich und tauscht sich regelmäßig aus.

Kann jeder ein Teil dieser Familie werden oder ist es Poetry Slam eher eine schwere Kunst?

Schuster: Jeder, der Spaß am Reimen und Performen hat, kann mitmachen. Techniken, beispielsweise die Geschwindigkeiten beim Sprechen oder wie ich einen Spannungsbogen aufbaue, kann man erlernen. Viele glauben immer, dass sie begnadete Schreiber sein müssen, um einen Text für einen Poetry Slam verfassen zu können. Doch das ist nicht so. Jeder kann schreiben und nicht jeder Super-Schreiber ist automatisch auch ein guter Poetry Slammer. Der Grundgedanke von Poetry Slam ist: schreibe einen Text, tritt auf die Bühne und entfache das Feuer in Dir!

Hier gibt es einen Auftritt von Marc-Oliver Schuster beim Bielefelder Hörsaal-Slam zu sehen.

Das Interview führte LZ-Redakteur Patrick Bockwinkel.

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