Ein Prosit auf den Brasseler-Neubau

Thomas Reineke

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Den Richtkranz im Blick: Gesellschafterin Klara Niehus (geborene Brasseler) hebt ein Glas vor dem Neubau. Links im Bild steht ihre Tochter 
Anke Niehus. - © Thomas Reineke
Den Richtkranz im Blick: Gesellschafterin Klara Niehus (geborene Brasseler) hebt ein Glas vor dem Neubau. Links im Bild steht ihre Tochter 
Anke Niehus. (© Thomas Reineke)

Lemgo. In Windeseile wächst ein wichtiger Teil der Zukunft der „Gebr. Brasseler GmbH & Co.“ KG oberhalb der Straße „Am Wasserturm“ aus dem Boden. Erst im vergangenen Mai war Grundsteinlegung, jetzt ragt auf einem ehemaligen Mitarbeiterparkplatz ein neuer dreigeschossiger Komplex für Büros und Produktion in die Höhe. Zuvor mussten unter anderem 1.000 Lkw-Ladungen Erde abgefahren werden.

Zum gestrigen Richtfest waren auch die drei Brasseler-Gesellschafterinnen Klara Niehus sowie ihre Töchter Anke und Kirsten Niehus zugegen, die die Mehrheit der Anteile im vergangenen Sommer von ihrer Mutter übernommen haben. Geschäftsführer Reinhard Hölscher begrüßte die zahlreichen Gäste des Richtfestes und bedankte sich insbesondere bei den Nachbarn für ihre Geduld im Zusammenhang mit der Großbaustelle.

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Platz für weitere Expansion

Ende 2016 soll das neue Gebäude für Büros und Produktion bezugsfertig sein. Bei der Planung des dreigeschossigen 
Baus hat Brasseler noch weiter in die Zukunft gedacht. Neben dem Neubau mit 6400 Quadratmetern Nutzfläche (zwei Drittel eines Fußballfeldes) könnte ein weiterer 
Komplex mit 3200 
Quadratmetern Nutzfläche entstehen. Klara Niehus (gebürtige Brasseler) ist die Tochter des Firmenmitbegründers Peter Brasseler (1897-1987). Seit dem Gründungsjahr 1923 
tragen die Brasseler-Produkte den Markennamen „Komet“ in die Welt.

Die rund 15 Millionen Euro für den Komplex sind die größte Einzelinvestition in der mehr als 90-jährigen Firmengeschichte, die 1923 in Düsseldorf begann. Nach dem Krieg zog das Unternehmen, das unter dem Markennamen „Komet“ weltweit bekannt ist, nach Lemgo um. Sukzessive wurde der Firmensitz am Trophagener Weg in den vergangenen Jahrzehnten erweitert.

Der Neubau jetzt soll laut Angaben des Brasseler-Geschäftsführers Klaus Rübesamen Ende 2016 bezugsfertig sein. Die Erweiterung um 6.400 Quadratmeter Nutzfläche ist insbesondere für die jüngsten Zweige der Firma gedacht: für die Bereiche „Medical“ und „Custom Made“. Der erste Begriff steht für Produkte für Chirurgen oder Orthopäden – zum Beispiel für Sägeblätter für Knieoperationen oder für Spiralbohrer für Eingriffe an der Wirbelsäule.

Hinter „Custom Made“ verbergen sich maßgeschneiderte Produkte, die Brasseler exklusiv für Großabnehmer herstellt – ein Geschäftsfeld, in dem die Lemgoer stetig wachsen. Mit dem Neubau könnten die beiden neuesten Geschäftsfelder nach Firmenprognose um 50 Prozent wachsen und damit 15 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.

Kerngeschäft von Brasseler bleibt aber die Herstellung von hochwertigen Zahninstrumenten. Die Bohrer, die in allen erdenklichen Varianten in Lemgo hergestellt werden, werden an gut 100.000 Kunden in mehr als 100 Ländern verkauft. Pro Tag verlassen 1.500 Warensendungen das Firmengrundstück.

Kommentar: Erstaunliche Parallelen

von Thomas Reineke
Phoenix Contact, gegründet 1923 in Essen, seit 1943 in Blomberg. Weidmüller, gegründet 1850 in Chemnitz, seit 1948 in Detmold. Jowat, gegründet 1932 in Breslau, seit 1945 in Detmold. Gebr. Brasseler, gegründet 1923 in Düsseldorf, seit 1943 in Lemgo.

Lippe als „Gewinner“ des Zweiten Weltkriegs zu bezeichnen, würde entschieden zu weit führen. Im Zusammenhang mit der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts verbietet sich eine derartige Wertung.
Aber: Ohne die tragischen Geschehnisse vor 1945 sähe die lippische Wirtschaftskarte heute ganz anders aus.

Besagte Unternehmen waren und sind Lokomotiven für den Kreis. Eine Region, die ehemals fast nur von der Land- und Holzwirtschaft sowie einigen wenigen Großproduzenten (zum Beispiel Hoffmann’s Stärke in Bad Salzuflen) geprägt war. Die erwähnten Unternehmen haben übrigens viel mehr gemein als eine Umsiedlung in oder nach den Wirren des Krieges. Alle zusammen beschäftigen allein in Lippe mehr als 8000 Menschen. Alle Firmen werden von Familien geführt, müssen sich damit nicht den Gesetzmäßigkeiten der Börse unterwerfen.

Zufall? Letzteres keineswegs: Bodenständigkeit und das Hochhalten einer bestimmten Unternehmenskultur sind in Lippe Tradition. Und das ist gut so.

TReineke@lz.de

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