Achtjähriger im Krankenhaus: Feuerwehr zieht Jungen aus Freibadbecken

Karin Prignitz und Thorsten Engelhardt

  • 0
Blaulicht eines Polizeiwagens (Symbolfoto). - © Foto: Armin Weigel / Symbolbild
Blaulicht eines Polizeiwagens (Symbolfoto). (© Foto: Armin Weigel / Symbolbild)

Oerlinghausen. Die Betroffenheit nach dem tragischen Unglücksfall im Freibad am Donnerstagnachmittag ist groß. Ein irakischer Junge, dessen Alter mit acht Jahren angegeben wird, war von Feuerwehrleuten vom 3,80 Meter tiefen Grund im Sprungbecken gerettet worden. Wie seine Überlebenschancen aussehen, ist unklar.

Der Junge ist zunächst im Bielefelder Krankenhaus Gilead intensivmedizinisch behandelt worden und soll in eine Herzklinik verlegt worden sein. „Im Moment gibt es noch keine Prognose", sagt dazu Klaus Becker von der lippischen Polizei. In jedem Fall aber ist der Zustand des Jungen lebensbedrohlich.

Nach Aussage des Notarztes sind die 72 Stunden nach dem Vorfall entscheidend. Wie viele Minuten der Junge im Wasser gelegen hat, kann niemand genau sagen. Auch über den Hergang kann bislang nur gemutmaßt werden. Spekulationen, nach denen der Junge von einem der Türme gesprungen sein soll, konnte die Polizei weder bestätigen noch dementieren.

Offensichtlich waren drei irakische Kinder, die wohl Brüder beziehungsweise Halbbrüder sind (zwei sollen acht und einer neun Jahre alt sein), und ein achtjähriges deutsches Kind über das gesicherte Drehkreuz im Eingangsbereich in das Freibad geklettert. Zuvor waren drei Schwimmmeister der Stadtwerke noch mit Vorarbeiten zur Saisoneröffnung am 12. Mai beschäftigt. Gegen 16.15 Uhr verließ der letzte von ihnen das Gelände – erst danach müssen die Kinder über den Zaun geklettert sein.

Ein 14-Jähriger war gegen 16.45 Uhr auf die Hilferufe der Kinder aufmerksam geworden. Per Handy rief er die Feuerwehr. Weil ihm vor Aufregung der Begriff Freibad nicht einfiel, rannte er zur Straße und hielt dort Walter Mende an. Der 82-Jährige kam gerade mit seinem Fahrrad den Berg hoch. „Er hielt mir das Handy hin und bat mich, das Gespräch zu übernehmen." Das tat Walter Mende und kletterte anschließend über das Geländer. Drei Kinder kamen ihm entgegen und deuteten auf den Jungen im Wasser.

Der 82-Jährige hatte gerade Hose und Schuhe ausgezogen, da war schon ein Feuerwehrmann zur Stelle und sprang ins Wasser. Weil die Montur jedoch für Auftrieb sorgte, habe er wieder auftauchen und die Hose ausziehen müssen. „In der Zeit war schon ein anderer Feuerwehrmann hineingesprungen", berichtet Feuerwehrchef Thomas Kronshage. Beide Kameraden seien Hobbytaucher. Sie zogen den Jungen an die Oberfläche und begannen unverzüglich mit der Reanimierung. Da beide Rettungswagen, die nur einen Katzensprung vom Freibad entfernt stationiert sind, anderweitig im Einsatz waren, musste einer aus Augustdorf kommen. Der Notarzt machte sich von Detmold aus auf den Weg. Ein Rettungshubschrauber wurde angefordert. „Wir haben bis zum Eintreffen reanimiert", berichtet Thomas Kronshage.

Weil es sich um ein Kind gehandelt habe, sei den Einsatzkräften der Vorfall sehr nahe gegangen. Drei Notfallseelsorger seien vom Kreis angefordert worden – für die Kinder, Eltern und Helfer. Die Feuerwehr vermittelte psychologische Unterstützung für ihre sechs Kameraden. Auch die Stadtwerke bieten ihren Mitarbeitern psychologische Hilfe an: „Die Betroffenheit in der Belegschaft ist groß. Die Schwimmmeister stehen unter Schock", sagte Stadtwerke-Chef Peter Synowski."

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen rund ums Freibad werde es nach Rücksprache mit der Polizei nicht geben. Bei solch einem großen Gelände sei nie auszuschließen, dass sich jemand unberechtigt Zutritt verschaffe.
Die Familie der irakischen Kinder lebt in der Bergstadt. Weil sie nicht das Geld hat, täglich mit dem Bus zum Krankenhaus zu fahren, hat Heike Weidhase in der Buchhandlung Blume ein Sparschwein zur Unterstützung der Familie aufgestellt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!