Freiheitsstrafe für Holocaust-Leugnerin Haverbeck

Ulf Hanke

Verurteilt: Die bereits mehrfach wegen Volksverhetzung vorbestrafte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck im Detmolder Amtsgericht. - © Bernhard Preuß
Verurteilt: Die bereits mehrfach wegen Volksverhetzung vorbestrafte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck im Detmolder Amtsgericht. (© Bernhard Preuß)

Bad Oeynhausen/Vlotho. Die notorische Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho ist erneut wegen Volksverhetzung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Es ist die dritte in wenigen Monaten, aber auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Amtsgericht Bad Oeynhausen verhängte eine Haftstrafe von elf Monaten ohne Bewährung für Haverbecks fortgesetzte Leugnungen des Massenmords an den europäischen Juden auf ihrer Internetseite. Damit ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die zehn Monate gefordert hatte.

Zahlreiche Unterstützer Haverbecks aus dem rechtsextremen Spektrum waren aus dem gesamten Bundesgebiet zu dem Prozess angereist. Jedoch fanden nur etwa 50 Besucher Platz im Gerichtssaal.

Ein 53-jähriger Thüringer zeigte während der Urteilsverkündung der Richterin den Stinkefinger. Zuvor hatte ein 65-Jähriger aus Bayern versucht, mit einem größeren Fahrtenmesser durch die Einlasskontrollen zu kommen. In beiden Fällen wurden Anzeigen gestellt.

Die Verhandlung und die Urteilsbegründung mussten wegen Zwischenrufen und Lärm mehrfach unterbrochen werden. Nach dem Prozess gab es Beifall und Blumensträuße für Haverbeck, dann sang die 87-Jährige mit ihren Unterstützern drei Strophen des Deutschlandliedes. Die Rede eines Anhängers wurde vom Amtsgerichtsdirektor unterbunden. Die Unterstützer fuhren später nach Informationen dieser Zeitung in eine Gaststätte nach Vlotho.

Haverbeck verteidigte sich selbst und hielt minutenlange Monologe. Die Pädagogin im Ruhestand behauptete dabei unter anderem, der jüngst verstorbene Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel sei nie in Auschwitz gewesen, seine Häftlingsnummer falsch und sein autobiografisches Werk "Die Nacht" sei ein Plagiat.

Nach Ansicht des Staatsanwaltes waren Haverbecks Einlassungen durchaus strafbar. Der Anklagevertreter bezog sich in seinem Plädoyer aber ausschließlich auf Haverbecks fortlaufende Hetze auf ihrer Internetseite.

Der Staatsanwalt bescheinigte Haverbeck "ein Maximum an Holocaustleugnung" sowie eine "antisemitisch Grundströmung". Die 87-Jährige versuche "den Nationalsozialismus zu rehabilitieren". Die Internetseite werde in den USA und damit außerhalb der Reichweite der Staatsanwaltschaft betrieben. Frau Haverbeck sei aber voll geständig und sogar stolz auf ihre Veröffentlichungen.

Die Richterin folgte dieser Argumentation, stellte Haverbeck aber keine gute Sozialprognose aus. Haverbeck sei keine gebrechliche alte Dame: "Sie weiß, was sie tut." Sie identifiziere sich mit Rassenideologie und Antisemitismus. Sie leugne wider besseren Wissens den Holocaust und schüre dadurch öffentlichen Hass.

Das bisherige Strafregister

  • Ursula Haverbeck, die 1963 mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann das mittlerweile verbotene Collegium Humanum in Vlotho gegründet hatte, stand bereits mehrfach vor Gericht.
  • Das Amtsgericht Bad Oeynhausen verurteilte sie 2004 und 2009 wegen Volksverhetzung jeweils zu Geldstrafen (5.400 Euro und 2.700 Euro).
  • 2007 verhängte das Landgericht Dortmund ebenfalls eine Geldstrafe (6.000 Euro).
  • Das Amtsgericht Hamburg verurteilte die Holocaust-Leugnerin zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung. Dieses Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.
  • Im September verurteilte das Amtsgericht Detmold die 87-Jährige zu acht Monaten Haft ohne Bewährung. Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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