Windkraft in OWL auf Rekordkurs

Christian Geisler

  • 4
Mehr als die Hälfte der 1.030 Anlagen steht in Paderborn. - © Symbolbild: Pixabay
Mehr als die Hälfte der 1.030 Anlagen steht in Paderborn. (© Symbolbild: Pixabay)

Paderborn. Die Zahl der Windenergieanlagen in OWL ist 2016 deutlich gestiegen. Das geht aus dem jährlichen Windenergiekataster der Bezirksregierung Detmold hervor. Demnach ist die Anzahl um zehn Prozent auf 1.030 Anlagen gewachsen. Allein im Kreis Paderborn stehen 547 – das sind mehr als die Hälfte aller Windenergieanlagen in OWL. Überhaupt fand der Zubau 2016 zu 81 Prozent im Kreis Paderborn statt.

Ein Drittel der in NRW installierten Gesamtleistung stammt aus OWL. „Es ist weiter davon auszugehen, dass es in der Region auch in Zukunft zu einem Zubau von Windenergieanlagen kommen wird", sagt Michael Ganninger von der Bezirksregierung Detmold. Die Windkraft ist ein wichtiger Baustein im Bemühen, den Klimawandel zu bremsen.

Information

CO2-Ausstoß gestiegen

Laut einer Studie des Umweltbundesamtes und der Grünen hat der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland 2016 zugenommen. Die Emissionen stiegen um etwa vier Millionen Tonnen auf rund 906 Millionen Tonnen an.

Dass vor allem im Kreis Paderborn kräftig weiter investiert wird, liegt laut Johannes Lackmann, Geschäftsführer Technik von WestfalenWind Strom, an der „guten Eignungsfläche" in dem Gebiet. Das Land sei weniger zersiedelt als beispielsweise das Münsterland. Das enorm starke Wachstum 2016 sei aber ein „Ausreißereffekt", so Lackmann. Im Kreisgebiet seien ungewöhnlich viele Anlagen gleichzeitig fertig geworden, deren Planung bereits 2011 begonnen habe. Lackmann betont die gestiegene Akzeptanz der Windkraft. Die Anwohner seien stets an den Planungen beteiligt. Beispielsweise in Lichtenau habe es deswegen keine Klagen gegeben.

Jürgen Baur, Sprecher der windkraftkritischen Bürgerinitiative DaWi Paderborn, widerspricht: „Wir haben nur deswegen keine Klage erhoben, weil sie mit einem erheblichen Kostenaufwand verbunden ist." Abgesehen von Investoren und Landbesitzern sei „niemand mit der Bebauung zufrieden."

Nachbarschaftsklagen hätten aber wenig Aussicht auf Erfolg, wenn die in NRW geltenden Abstandsregelungen eingehalten würden. Ein Windrad muss drei Mal so weit von Wohnhäusern entfernt stehen, wie es hoch ist.

Für Aufsehen sorgte ein Fall aus Borchen. Das Verwaltungsgericht Minden erklärte im September den Flächennutzungsplan der Gemeinde für ungültig – wegen formaler Fehler. Während es keinen gültigen Nutzungsplan mehr gab, genehmigte der Kreis Paderborn bis Ende 2016 zehn weitere Anlagen. Gegen das Urteil will Borchens Bürgermeister Rainer Allerdissen Berufung einlegen – ohne viel Hoffnung zu haben. „Der Gemeinde wird die kommunale Selbstverwaltung aus den Händen geschlagen", so Allerdissen. „Die Wut der Borchener ist groß.

Kommentar: "Um Kompromisse ringen"

von Christian Geisler

Windkraft spaltet die Region. Für Investoren, Landbesitzer und viele Umweltschützer sind Windräder ein begrüßenswertes Zeichen der Energiewende. Für Anwohner zerstören sie einfach nur das schöne Landschaftsbild.

Gesundheitliche Schäden, Vogelschutz, Beeinträchtigungen für Flora und Fauna: Es werden viele Gründe angeführt, um die riesigen Anlagen vor der eigenen Nase zu verhindern. Wer möchte beim täglichen Gang vor die Haustür schon rotierende Windräder hören? Niemand.
Es ist also verständlich, dass riesige Windenergieanlagen die Anwohner verärgern, dass sie wütend werden, wenn Rotoren die Sicht aus dem Fenster versperren. Und es ist richtig und verständlich, dass sie diese Wut auch laut und deutlich artikulieren.

Andererseits muss ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Wind ist eine kostenlose und unbegrenzt verfügbare Energieform, deren Nutzung keine Ressourcen verbraucht und keine Schadstoffe in die Luft bläst. Strom aus Windkraft ist außerdem günstiger als Strom aus konventioneller Erzeugung.
Die Windenergie kann für sich allein gesehen zwar nicht die Lösung des Problems der zukünftigen Energieversorgung sein.

Aber ihre Nutzung wird im Energiemix der Zukunft weltweit eine entscheidende Rolle spielen. Deshalb bleibt gar nichts anderes übrig, als Kompromisse auszuhandeln. Gerade weil die Positionen von Befürwortern und Gegnern von Windenergie beide verständlich sind, muss weiter gestritten werden um den menschen- und umweltverträglichen Ausbau dieser Energieform.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

4 Kommentare
4 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!