Nach der Schule ab an die Universität? Das kann ja nicht verkehrt sein: Du lernst was und hast dabei noch eine schöne Zeit. Oder du gehst am besten gleich irgendwo jobben, etwas Geld verdienen und hast massig Freizeit. Wer will da schon in eine Ausbildung? Oder ist es vielleicht doch nicht so einfach? Ein Perspektivwechsel.
Bezahlung: Geld regiert die Welt, aber wozu gibt es Unterstützung? Studenten können beispielsweise Bafög beantragen, und wer nicht ins Studium möchte, kann zum Beispiel auch erst mal in eine Zeitarbeitsfirma. Hier wird man an Arbeitgeber vermittelt und – je nach Branche – mit eher einfachen Aufgaben betraut, und bekommt trotzdem ein ansehnliches Gehalt, oftmals (auch hier wieder abhängig von der Beschäftigungsart) mehr als im ersten Ausbildungsjahr, das in NRW laut dem Statistischen Landesamt durchschnittlich mit 935 Euro vergütet wird. Es gibt also durchaus Wege für dich, an Geld zu kommen und sich trotzdem ein schönes Leben zu machen, oder? Jein. Denn Unterstützungen wie das Bafög sind nicht geschenkt, sondern nur geliehen und müssen somit zurückgezahlt werden. Und auch der vermeintliche Reichtum durch eine Beschäftigung über eine Zeitarbeitsfirma ist trügerisch. Denn die Beschäftigung hängt oft von Fragen, wie der Auslastung und Auftragslage ab. Kommt es zu Engpässen oder Krisen, wie 2020 Corona, steht man als Zeitarbeiter als erster vor der Tür. Eine Ausbildung hingegen zahlt sich langfristig besser aus. Sie öffnet den Weg für eine solide berufliche Existenz, zumal viele Firmen und Branchen händeringend Nachwuchskräfte suchen. Auch verdient man sein eigenes Geld, ohne gleich mit Schulden starten zu müssen.
Weg von zu Hause: Mama und auch Papa kochen, waschen, putzen, kaufen ein: Diesen Rund-um-Service aufzugeben, ist nicht leicht. Zumal, wenn du all diese Aufgaben nicht selber erledigen musst, mehr Freizeit und Gelegenheiten für dich bleiben, sich mit Freunden zu treffen.Aber willst du das wirklich? Willst du noch als Mitzwanziger oder sogar Dreißigjähriger im „Hotel Mama“ leben, während die meisten anderen deiner Freunde bereits in der eigenen Bude leben und sich eine Existenz aufbauen? Eher nicht. Dann doch lieber auf eigenen Füßen stehen und sein eigener Herr sein. Eine Ausbildung ermöglicht dir das, denn sie sichert die finanzielle Unabhängigkeit von Mama und Papa. Und: Wer eine eigene Bude hat, muss nicht auf Freizeit verzichten. Mit Struktur und Planung bleibt noch genug Zeit für Freunde.
Freizeit: Apropos Freizeit. Ist man im Job, ist es damit ja nicht so weit her. Morgens in die Firma, abends wieder raus. Besonders im Winter eine tolle Sache, denn wenn du kommst, ist es dunkel und wenn du wieder gehst, auch. Und dann ist noch nicht Schluss, denn man muss sich im Zweifelsfall noch über die Bücher hängen und für die Berufsschule lernen. Zeit zum Entspannen scheint da Fehlanzeige. Will man da eine Ausbildung antreten?Doch erstens: ist es nicht immer so. Klar musst du etwas leisten, gerade als Azubi. Aber auch hier zahlt sich Engagement langfristig aus. Nicht zu vergessen, abends mit dem Gefühl nach Hause zu kommen, etwas geleistet zu haben. Dieses Gefühl kennst du vielleicht aus der Schulzeit, ist im Beruf aber noch ungleich stärker und motivierender. Und zweitens: Viele Firmen haben erkannt, dass sie Arbeitnehmern eine nachvollziehbare Work-Life-Balance bieten müssen, um attraktiv für Bewerber zu sein. Mit anderen Worten: Die Zeiten, in denen der Job zur Tretmühle wird, haben sich geändert.
Studium: Mit einem Uni-Abschluss in der Tasche hat man es leichter auf dem Arbeitsmarkt – diese alte Weisheit scheint sich immer wieder zu bestätigen. Über die Hochschule stehen dir die wirklich guten Jobs mit einer entsprechenden Vergütung offen. Mit einer Ausbildung brauchst du ewig, wenn überhaupt, um in diese Bereiche zu kommen, oder?Ja, es stimmt zwar, dass man über den Weg einer Ausbildung viel an Arbeit investieren muss, um voranzukommen – Weiterbildungen und Fortbildungen lassen grüßen. Aber auch ein Uni-Abschluss ist keine sofortige Eintrittskarte zum Topverdiener-Bereich, auch hierfür musst du einiges leisten. Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich, einen akademischen Titel zu erwerben. Was vielfach übersehen wird, ist jedoch, dass es immer noch eine Frage ist, was man genau studiert. Ein abgeschlossenes Studium bedeutet keine Jobgarantie. Aber der vielleicht wichtigste Grund, warum man sich nicht zwischen Ausbildung oder Studium entscheiden muss: Beides schließt sich nicht aus. Denn viele, die eine abgeschlossene Lehre haben, entscheiden sich im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit nochmal für ein Studium.
Hierachie und Teamwork: Vorgesetzte haben mitunter eine „schlechte Angewohnheit“: Sie sagen einem dauernd, was man zu tun hat. Das kann nerven, man will doch nur für sich sein und in Ruhe seine Arbeit machen. Und auch die komischen Kollegen, was wollen die eigentlich? Mit denen hat man ja eh nichts gemein.Aber Hierachien und somit auch Vorgesetzte gehören nun mal dazu. Denn um zu funktionieren, braucht eine Firma eine Struktur, es geht hier um Fragen der Organisation, um effizient zu sein. Anstatt auf taub zu schalten, ist es besser, dem Chef zuzuhören und sich einzubringen.
Nicht zu vergessen: Es gibt schließlich nicht nur vertikale Strukturen, also von unten nach oben, sondern auch horizontale Strukturen in einer Firma – womit man beim Stichwort Teamwork ist. Damit ein Unternehmen gut läuft, sind Kooperation und Zusammenarbeit untereinander entscheidend. Im Team schafft man Aufgaben, die alleine zu schwer oder unmöglich sind, man hilft sich gegenseitig. Dafür musst du mit deinen Kollegen nicht befreundet sein, es reichen Akzeptanz, Toleranz und Höflichkeit. Aber wenn du neue Freunde findest – umso besser! (qdt)