Oerlinghausen. Ein besonderes Jahr ist mit einer besonderen Ausstellung eröffnet worden: Der Kunstverein in Oerlinghausen wird 40 Jahre alt. Kleinformatige Pastelle der jüdischen Künstlerin Käthe Loewenthal sind zu sehen.
Still und von großer Intensität ist der Ausdruck der „Landschaften“, die noch bis zum 6. März in der Alten Synagoge hängen. Bevor die Jubiläumsgäste zu den ersten Besuchern gehörten, die einen Blick auf die Bilder werfen konnten, trafen sich die Gäste im Bürgerhaus.
Isolde Müller-Borchert verwies dort darauf, dass das Ausstellungsjahr 2016 von Künstlern begleitet werde, „die uns in den vergangenen vier Jahrzehnten intensiv begleitet haben“: Wieslaw Smetek, Horst Antes, Hellmut Bruch. Eigentlich hatte die Vorsitzende des Kunstvereins das Wort an Professor Wulf Herzogenrath übergeben wollen. Weil der Direktor der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste in Berlin krankheitsbedingt kurzfristig hatte absagen müssen, verlas Isolde Müller-Borchert seine zugesandten Worte.
Herzogenrath skizzierte die Lebensstationen Käthe Loewenthals (1878-1942), deren Schwester Hedwig in Oerlinghausen gelebt hat. Die Mutter starb im Mariannenstift. Historiker Jürgen Hartmann, der auch gekommen war, hatte diese Informationen an den Verein „Lebenswerk Käthe Loewenthal“ weitergeleitet und damit eines der vielen Puzzleteile hinzugefügt. Jürgen Friedrich, Vorsitzender des Vereins, hatte die große alte Mappe mitgebracht, in der nach den Worten von Wulf Herzogenrath „lediglich etwa 250 Pastelle, Aquarelle und Grafiken sowie religiös-philosophische Texte, wenige Briefe und auch eine Anzahl von Fotos von bis heute verschollenen Ölbildern“ gesteckt hätten. Sie waren 1941 von dem elfjährigen Sohn einer Nachbarsfamilie gerettet worden.
Fast alles andere fiel in Stuttgart den Bomben zum Opfer, die Künstlerin selbst wurde in einem Konzentrationslager ermordet. Dass der Inhalt der Mappe wieder in der Welt ist und Teile davon an den Wänden der Alten Synagoge hängen, ist der Erinnerungsarbeit des Vereins „Lebenswerk Käthe Loewenthal“ zu verdanken. Ihm gehören die Familienmitglieder Gabriele Ritscher, eine Großnichte Käthe Loewenthals, ihr Mann Jürgen Friedrich und Großneffe Wolf Ritscher an, die am Sonntag ebenfalls in die Bergstadt gekommen waren. Bürgermeister Dirk Becker hob in seinem Grußwort hervor, dass der Kunstverein Oerlinghausen mit Ausstellungen auf höchstem Niveau sein Renommee wiederum unter Beweis stelle. Mehr als 200 Ausstellungen habe es in 40 Jahren gegeben, die sicherlich auch alle Erwartungen der einstigen Gründer übertroffen hätten. „Damit gehören Sie zu den Leuchttürmen der Angebote in der Stadt, der Kultur in Ostwestfalen-Lippe und darüber hinaus“, hob Becker den Stellenwert hervor. Vor allem das Engagement Gisela Burkamps mit ihren guten Kontakten, ihrer Beharrlichkeit und gelebten Leidenschaft habe den Erfolg möglich gemacht.