Bad Salzuflen. Mit seinem Song „Always on the run“ vertrat ISAAK Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) 2024 und erreichte den zwölften Platz. Am Samstag, 14. Juni, steht der Sänger ab 18.30 Uhr beim Kurparkfest in Bad Salzuflen auf der Bühne. Im Interview spricht der 30-Jährige über Gänsehautmomente, wie viele seiner Songs unveröffentlicht bleiben und was das Publikum in Bad Salzuflen erwarten darf. ISAAK, wann hast du das letzte Mal auf der Bühne Gänsehaut bekommen? ISAAK: Erst vor ein paar Tagen bei einer Comedy-Charity-Veranstaltung mit sitzendem Publikum. Ich habe „Always on the run“ performt und am Ende gab es Standing Ovations von allen. Das war ein richtig schöner Moment. Aber ehrlich gesagt, passiert das oft: Wenn die Leute den Text mitsingen, richtig mitgehen und auch mit der Band habe ich viele besondere Momente. Gänsehaut bleibt da selten aus. Dann kommt es meistens auf die Reaktion des Publikums an? ISAAK: Das auch, aber nicht ausschließlich. Oftmals sind es auch bandinterne Dinge. Wir spielen nicht alles strikt nach Schema F. Alle in meiner Band sind ziemlich frei in dem, was sie spielen. Und manchmal passieren da einfach unvorhersehbare Sachen, die wunderschön sind. Das sind dann auch so Momente, wo ich denke: Uh, das war gerade besonders. Was wäre das zum Beispiel für ein Moment? ISAAK: Das kann zum Beispiel während eines Pianosolos passieren oder bei einem Song, bei dem am Anfang nur das Piano spielt und ich singe. Der Einstieg ist sehr frei und wir gestalten ihn jedes Mal ein bisschen anders. Gerade das finde ich oft sehr berührend. Du hast mit deiner Stimme auch schon viele Zuschauer berührt. Erst hast du eine Castingshow gewonnen, dann 2024 die ESC-Bühne gerockt. Aber wann war der Moment, an dem du gemerkt hast: Musik ist mehr als ein Hobby? ISAAK: Das war schon viel früher – mit zwölf oder 13, als ich mit Straßenmusik angefangen habe. Da war es mir schon klar und da hatte ich auch schon relativ feste Pläne. Ich habe mir gesagt: Ich ziehe die Schule bis 18 durch, wie es die Schulpflicht verlangt und danach mache ich Musik. Und genau so kam es dann auch. Wie hat sich dein Leben nach dem Durchbruch verändert? ISAAK: Prinzipiell ist es gleich geblieben – nur in einer ganz anderen Geschwindigkeit. Alles ging plötzlich schneller, es waren mehr Menschen um mich herum, das Team wurde größer, die Strategien durchdachter. Auch die Bühnen wurden größer, die Nachfrage stieg. Im Kern ist es aber noch immer das Gleiche: Ich schreibe Songs, trete auf, bin mal in einer TV-Show, mal in einem Podcast oder Interview. Es ist wie vorher nur viel mehr davon. Gibt es auch Momente, in denen die ganze Aufmerksamkeit belastend ist? ISAAK: Ja, definitiv. Das ist ganz komisch bei mir: Ich komme super gut mit Menschenmengen klar, solange ich auf der Bühne stehe oder danach noch Fotos und so weiter mache. Aber wenn ich privat unterwegs bin, zum Beispiel beim Einkaufen, ist mir das oft zu viel. Dann will ich einfach nur schnell raus aus der Situation. Ich war letztens in Bielefeld, die Stadt war komplett überfüllt. Danach war ich richtig fertig, total gestresst. Das würde mir nicht passieren, wenn dieselbe Menschenmenge vor meiner Bühne stehen würde. Im Gegenteil, das würde mich freuen. Nach dem ESC war das noch viel krasser. Da wurde ich wirklich viel angesprochen. Ich habe mir aber immer vorgenommen, sehr offen zu sein, auch wenn ich mich in der Situation unwohl fühle. Wirst du oft erkannt? ISAAK: Es passiert immer noch, aber mittlerweile habe ich auch gelernt, niemanden direkt anzugucken. Sobald ich jemandem in die Augen schaue, ist das eine Einladung, mich anzusprechen. Ich werde also regelmäßig erkannt, aber die wenigsten fassen wirklich den Mut, mich dann auch anzusprechen. Deine Musik ist oft auch sehr persönlich. Gibt es für dich eine Grenze, bei der du sagst: Das gehört nur mir? ISAAK: Definitiv. Wenn ich alleine Musik mache, entstehen oft ganz viele Quatschprojekte – da lasse ich einfach mal den ganzen Gehirn-Kauderwelsch raus. Das sind oft sehr lustige oder auch kontroverse Sachen, bei denen ich mich selber kaputt lache. Solche Songs sind nur für mich – die würde ich nie veröffentlichen. Man schreibt eben nicht immer nur tiefgründige, emotionale Lieder. Aber ich weiß bei solchen Projekten auch ganz genau: Das wird niemals mit Erfolg gekürt – nur von mir persönlich. Also ist für dich schnell klar, was du veröffentlichen willst und was nicht? ISAAK: Nicht unbedingt. Ich schreibe auch viele ernste Songs – insgesamt einfach sehr, sehr viel mehr, als ich jemals veröffentlichen könnte. Man kann nicht jedes Jahr drei Alben rausbringen und promoten, das ist mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Ich komme vielleicht auf zwölf Songs pro Jahr, die ich wirklich rausbringen kann. Geschrieben habe ich da aber schon viel mehr. Musikalisch hast du schon viel ausprobiert – von Straßenmusik bis zu großen Festivals und dem ESC. Wo fühlst du dich am wohlsten? ISAAK: Ich fühle mich am wohlsten, wenn alles passt – unabhängig von der Größe der Bühne. Ich war schon auf großen Bühnen, wo ich mich absolut unwohl gefühlt habe. Ich muss einfach auf der Bühne das Gefühl haben, hier gehöre ich jetzt gerade hin. Bei Straßenmusik ist das meistens der Fall und es ist jetzt auch auf allen Bühnen immer öfter der Fall. Dann fühle ich mich pudelwohl. Wirst du dich wohl auch beim Kurparkfest in Bad Salzuflen pudelwohl fühlen? ISAAK: Da bin ich mir absolut sicher. Da werden auch viele Freunde, Bekannte und Familie mit dabei sein. Das wird wieder ein großartiger Abend. Was erwartet das Publikum bei deinem Auftritt? ISAAK: Ich passe das immer an mein Publikum an. Je nachdem, ob und wie viele Kinder dabei sind, gestalte ich das Programm unterschiedlich. Zum Beispiel habe ich einen Song, bei dem ich das Publikum auffordere, mir beide Mittelfinger entgegenzustrecken. Du gestaltest deine Auftritte sehr persönlich und authentisch. Wenn du jetzt mal zurückblickst auf deine ganze Karriere – was würdest du deinem 12-jährigen Ich gerne mit auf den Weg geben? ISAAK: Ich würde ihm sagen: Mach dir keine Sorgen, du wirst geliebt werden. Das wäre im Prinzip das Wichtigste. Persönlich ISAAK (30) ist ein deutscher Sänger, der beim ESC 2024 Deutschland mit seinem Song „Always on the run“ vertrat und den zwölften Platz erreichte. Geboren wurde er am 31. Januar 1995 in Minden und lebt heute in Espelkamp. Mit 18 Jahren machte er sich als Sänger selbstständig und trat auf Festen und Veranstaltungen auf. 2021 gewann er Knossis digitale Talentshow „Show your Talent“.