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Detmold

Ehemalige Soldaten erinnern sich an den Transport nach Augustdorf

Soldaten schafften Kanonenrohr heran

Augustdorf. Artilleriesoldaten, die 1961 in Augustdorf gedient haben, sind ein letztes Mal bei ihrer alten Einheit zu Gast gewesen. Einen weiteren Besuch wird es nicht geben – wird das Panzerartilleriebataillon 215 doch aufgelöst.

Der letzte, der „goldene“, Schuss ist bereits abgegeben, die meisten Soldaten haben andere Aufgaben erhalten. Und in den Kasernengebäuden von 215 dient nur noch eine kleine Zahl von Soldaten. Das Ende der Artillerie am Standort Augustdorf war schon lange beschlossene Sache gewesen, nun ist der letzte Auftrag an die Einheit, die Auflösung des Bataillons nahezu vollendet.

Bevor es künftig jedoch gar keine „215er“ mehr geben wird, wollte eine altgediente Gruppe Ehemaliger ein letztes Mal die Gelegenheit nutzen und die Kasernenluft ihrer alten Wirkungsstätte schnuppern. „52 Jahre sind vergangen, seit wir damals diese Kaserne verlassen haben“, erinnerte sich Uwe Hinz zurück, der gemeinsam mit einigen seiner Kameraden nach Augustdorf gekommen war. „Den Kontakt zueinander haben wir irgendwie immer gehalten. In unserer alten Kaserne waren wir 1992 schon einmal zu Besuch, und diese letzte Gelegenheit wollten wir jetzt natürlich unbedingt nutzen.“

Wie Uwe Hinz leben die meisten seiner Weggefährten heute im Westen des Landes: Rheinland, Ruhrgebiet oder Sauerland. Ganz so weit hatten sie es also nicht, um der Einladung des „Herrn Oberstleutnant“ zu folgen. Gemeint ist der letzte aktive Kommandeur des Bataillons, Roman Paschek, der seine Gäste sichtlich erfreut im alten Stabsgebäude empfing. „Sie sind und bleiben Soldaten dieses Bataillons“, betonte der Offizier während eines kleinen Rundgangs durch die Einheit. „Und entsprechend sind sie uns herzlich willkommen.“

Die Erinnerungen an die eigene Dienstzeit sind in der Gruppe bis heute sehr lebhaft erhalten, das wurde vor Ort besonders deutlich. „Hier in der Kaserne hat sich zwar vieles verändert, aber es ist eben genau so viel erhalten geblieben, woran wir uns noch sehr gern erinnern“, erklärte Hinz beim Besuch im technischen Bereich des Bataillons, wo noch heute ein Kanonenrohr auf Lafette zu sehen ist, zu dem die meisten dienenden Soldaten nicht die Hintergrundgeschichte kennen.

„Das ist bei uns anders“, betonte Uwe Hinz im Gespräch mit dem Kommandeur, „denn wir sind es damals gewesen, die dieses Ding erst hierher geschafft haben.“ Entdeckt habe man das zurückgelassene Rohr seinerzeit auf einem Übungsplatz im Süden der Bundesrepublik, wo ein damaliger Vorgesetzter Uwe Hinz und seinen Kameraden den entsprechenden Befehl für den Transport erteilte. „Das kommt mit. Das nehmen wir mit nach Augustdorf“, hieß es.

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