Heimatverein ersteigert silbernes Abschiedsgeschenk für Schötmaraner Amtsrat Helwing

Ein Pokal für den "gerechten Richter"

veröffentlicht

  • 0
Empfindliches Schmuckstück: Nur mit Handschuhen darf der Silberpokal angefasst haben, den Bürgermeister Dr. Wolfgang Honsdorf, Stadtarchivar Arno Beuke, Sparkassen-Regionalleiter Marko König und Dr. Stefan Wiesekopsieker vom Heimat- und Verschönerungsverein hier in der Schalterhalle der Sparkasse Schötmar präsentieren. - © Dieter Asbrock
Empfindliches Schmuckstück: Nur mit Handschuhen darf der Silberpokal angefasst haben, den Bürgermeister Dr. Wolfgang Honsdorf, Stadtarchivar Arno Beuke, Sparkassen-Regionalleiter Marko König und Dr. Stefan Wiesekopsieker vom Heimat- und Verschönerungsverein hier in der Schalterhalle der Sparkasse Schötmar präsentieren. (© Dieter Asbrock)

Bad-Salzuflen-Schötmar. Vor gut 258 Jahren befand er sich schon einmal am gleichen Ort: der Silberpokal des Amtsrates Ferdinand Helwing. Lange in Familienbesitz, hat der Heimatverein nun dieses Stück Schötmaraner Geschichte ersteigert.

Als die Welt noch groß und das Fürstentum Lippe eigenständig war, da war ein Amtsrat ein respektabler Beamter, vergleichbar einem Landrat heutiger Tage. Doch Amtsräte gibt es nicht mehr, das Amt Schötmar ist heute ein Ortsteil von Bad Salzuflen, und Helwing wäre heute vielleicht "nur" Ortsvorsteher.

Doch damals wie heute bekommt jemand, der lange Jahre seine Dienstpflichten erfüllt hat, ein Geschenk zum Abschied. Und das war im Falle Ferdinand Helwings ein silberner, 600 Gramm schwerer, schön verzierter Pokal. Aber nicht sein Dienstherr, die lippische Landesregierung, dankte ihm damit für seine Dienste, sondern seine Mitarbeiter und die Honoratioren des Amtes Schötmar.

Der Silberpokal ist daher auch ein besonderes Stück Schötmaraner Heimatgeschichte. Und Dr. Stefan Wiesekopsieker, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV), war auch sichtlich stolz, das gute Stück in der Sparkasse Schötmar präsentieren zu können. Denn an gleicher Stelle stand das 1961 abgerissene Schötmaraner Amtshaus. "Der Pokal ist also schon einmal genau hier gewesen", so Wiesekopsieker.

Dass der HVV den Pokal erwerben konnte, ist einer Portion Glück und Zufall zu verdanken. Zufall, weil Wiesekopsieker schon mal nach Dingen mit Bezug zu Bad Salzuflen im Internet sucht. Glück, weil der HVV das Schmuckstück für die Hälfte der Summe ersteigerte, die beim direkten Kauf zu zahlen gewesen wäre.

Für Stadtarchivar Arnold Beuke ist der Pokal eine ideale Ergänzung des Archivbestandes des ehemaligen Stadt- und Bädermuseums. Es sei ein schönes Stück Erinnerungskultur, an dem man die Verwaltungsgeschichte des Amtes Schötmar gut aufhängen könne.

In den nächsten vier Wochen wird der Amtsrats-Pokal in einer Vitrine in der Schalterhalle der Sparkasse Schötmar ausgestellt sein. Künftig soll er im Rahmen einer stadtgeschichtlichen Ausstellung zu sehen sein, die sich der HVV in der Wandelhalle wünscht. "Wir sind auf einem guten Weg dahin", merkte Bürgermeister Dr. Wolfgang Honsdorf an, der sich freute, dass der Pokal dorthin zurückgekehrt sei, wo er hingehöre.

Amtsrat Ferdinand Helwing (1785-1858) entstammt einer lippischen Beamtenfamilie. Sein Großvater Christian Friedrich Helwing war unter anderem Rektor des Lemgoer Gymnasiums, Bürgermeister der Alten Hansestadt und Besitzer der Meyer'schen Verlagsbuchhandlung, die auch die "Lippischen Intelligenzblätter", den Vorläufer der LZ, herausbrachte.

Sein Vater Friedrich Wilhelm Helwing war Fürstlich Lippischer Regierungsdirektor, Berater der Fürstin Pauline, der die Tochter des Kanzlers Ferdinand Bernhard von Hoffmann geheiratet hatte. Ferdiand Helwing war zunächst Amtmann in Varenholz (1813-1818), dann Amtsrat in Schwalenberg (bis 1826) und schließlich 31 Jahre lang Amtsrat in Schötmar.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!