Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Bad Salzuflen

Warum der Heinz seit 50 Jahren bei Plocken-Otto arbeitet

Heinz Saak ist seit 50 Jahren beim Imbiss Plocken-Otto in Schötmar. - © Screenshot: LZ-Video
Heinz Saak ist seit 50 Jahren beim Imbiss Plocken-Otto in Schötmar. (© Screenshot: LZ-Video)

Bad Salzuflen-Schötmar. Wie viele Würstchen er schon gewendet hat? Heinz Saak zuckt die Schultern. „Ich schätze, damit kann man Schötmar auf jeden Fall pflastern", sagt er trocken. Fürwahr. Und das liegt nicht daran, dass Schötmar besonders klein wäre. Es liegt vielmehr daran, dass Heinz – wie ihn hier jeder nennt – seit 50 Jahren eine Institution in einer Institution ist.

Video auf YouTube

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Als „Gastwirtgehilfe" fängt Heinz Saak 1966 in dem kleinen Eckbau an der Krummen Weide an. Da führt der 1949 von Otto Müller sen. gegründete Betrieb den Spitznamen des Chefs – benannt nach den groben Plocken in den Würstchen – bereits mit Stolz im Titel und hat sich einen guten Ruf als Anlaufstelle für Speis, Trank und Geselligkeit erarbeitet. „Es hat mir nach der Schule einfach Spaß gemacht – und das macht es bis heute", erklärt der 66-Jährige, warum er nach der Volksschule im Imbiss hängengeblieben ist.

Wenngleich „Plocken-Otto" noch immer täglich unzählige Mägen füllt – der Stellenwert des Betriebs war 1966 noch ein anderer. Das Angebot ist absolut übersichtlich: „Wurst, Frikadelle, Kotelett, Kartoffelsalat – mehr gab es damals nicht", erinnert sich Heinz Saak: „Dafür haben wir aber noch selbst hergestelltes Milchspeiseeis verkauft." Die Preise klingen wie aus einer anderen Welt: Die Wurst kostet eine Mark. Eine Kugel Eis ist für 20 Pfennig zu haben.

Das Geschäft öffnet vor 50 Jahren bereits um 8 Uhr morgens. Da werden bei Bedarf zwar auch schon Würstchen gegrillt. Doch viele Besucher trinken zu dieser Zeit lieber einen Kaffee oder eine Milch. Praktischerweise liegt die Bushaltestelle auf der Hauptverbindungsstrecke zwischen Bielefeld und Salzuflen damals direkt vor der Ladentür.

Rückt die Abfahrt näher, wird es hektisch. „Wir haben auch schon mal einen Bus angehalten, wenn ein Gast noch nicht fertig war", schwelgt Heinz Saak in Erinnerungen. Auch die Schlusszeiten orientieren sich flexibel an den Schötmaraner Bedürfnissen: Ist im Tivoli, dem ehemaligen Kino auf dem Grundstück des heutigen Raiffeisenmarktes, die Spätvorstellung zu Ende, können sich die Menschen darauf verlassen, dass sie auf dem Heimweg nicht hungrig bleiben müssen.

Heinz Saak arbeitet gerne in dem Imbiss. - © Stefan Backe
Heinz Saak arbeitet gerne in dem Imbiss. (© Stefan Backe)

Gefragt nach den Unterschieden zwischen 1966 und 2016 muss der Jubilar nicht lange überlegen: „Es ist hektischer geworden. Früher hatte man mehr Zeit zum Plaudern. Heute haben die Leute eine halbe Stunde Mittag, da muss alles zügig über den Tresen gehen." Spricht Heinz Saak über die Abläufe hinter der legendären Durchreiche von „Plocken-Otto", kommt er aber wieder ins Schwärmen: „Wir sind ein eingespieltes Team. Auf engstem Raum muss hier jeder Schritt sitzen." Und jeder Handgriff.

Der Betrieb ist mit der Zeit gegangen und hat sein Angebot deutlich ausgeweitet. In den 1970er Jahren kommen mit Pommes und den halben Hähnchen zwei Grundnahrungsmittel für viele Schötmaraner dazu. Als Tatjana Schäfernolte den Betrieb 1999 von der Familie Müller pachtet, wird noch einmal aufgestockt: Gyros Pita oder Burger gehören jetzt ebenfalls zum Programm. „1966 gab es in Schötmar ja nur uns und Hermann Werner am Markt. Heute gibt es an jeder Ecke einen Döner-Laden oder ein Pizza-Taxi", betont Heinz Saak die gewachsene Konkurrenz.

Doch viele Stammkunden sind „Plocken-Otto" treu geblieben und quasi mit Heinz Saak groß geworden. „Einige konnten früher kaum über die Durchreiche gucken. Und heute stehen sie als Erwachsene vor mir und sagen: ,Heinz, erkennst du mich? Ich bin‘s doch‘", freut sich der 66-Jährige. Noch immer sei es zudem bei vielen Stammgästen Tradition, dass beim Geburtstag von Oma oder Opa das Essen von „Plocken-Otto" geholt werde. Dann kann es auch mal heißen: „15 halbe Hähnchen, bitte."

Bei aller Freude an seiner Arbeit macht Heinz Saak sich keine Illusionen über die nahende Rente. „Ich muss ehrlich sagen, dass mir die Stunden mittlerweile doch schwerer fallen. Ich denke, ich werde nicht mehr so lange weiter machen. Aber ich werde den Laden sicher auch nicht von heute auf morgen hängen lassen", verspricht der Jubilar.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.