Steinzeit-Relikt aus Bad-Salzuflen wechselt den Besitzer

Yvonne Glandien

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Manfred Wendel präsentiert die Axt, die er als kleiner Junge in Knetterheide gefunden hat. Hinter ihm stehen (von links) Franz Meyer, VHS-Direktor, Gerhard Gronemeier und Fritz Gast vom Heimatverein Werl-Aspe und Dr. Elke Treude, Kreisarchäologin des Kreises Lippe und stellvertretende Leiterin des Lippischen Landesmuseums. - © Yvonne Glandien
Manfred Wendel präsentiert die Axt, die er als kleiner Junge in Knetterheide gefunden hat. Hinter ihm stehen (von links) Franz Meyer, VHS-Direktor, Gerhard Gronemeier und Fritz Gast vom Heimatverein Werl-Aspe und Dr. Elke Treude, Kreisarchäologin des Kreises Lippe und stellvertretende Leiterin des Lippischen Landesmuseums. (© Yvonne Glandien)

Bad Salzuflen-Knetterheide. Es ist ein Sommertag Ende der 1950er Jahre. Der junge Manfred Wendel hilft seinem Patenonkel dabei, das Land zu bestellen. Ein Acker in den Weißen Breden in Knetterheide dient ihm zum Kartoffelanbau. Manfred Wendel stößt beim Graben auf einen großen, unförmigen Stein. Ein Stein, der sich knapp 65 Jahre später als Axt aus der Jungsteinzeit entpuppen soll.

Ein Fundstück, über das sich nun das Lippische Landesmuseum freuen kann. Gestern hat Manfred Wendel, der mittlerweile mit seiner Frau in Bleckede im Norden lebt, das Relikt übergeben. „Ich habe mehr als 60 Jahre gebraucht, um zu merken, was das eigentlich ist", sagt Wendel.Viele, die die Axt gesehen haben, glaubten nicht, dass es sich um ein so altes Fundstück handelt. „Sie meinten, das Loch sei mit einem Bohrer gefräst worden."

Steinzeit Axt - © Yvonne Glandien
Steinzeit Axt (© Yvonne Glandien)

In der Zwischenzeit ist die Steinzeitaxt mit ihm umgezogen, von Fensterbank zu Fensterbank und zwischendurch wieder in Vergessenheit geraten. Bis ein Freund aus alten Tagen, Fritz Gast, mit seiner Arbeit im Heimatverein an den Dorfchroniken für Werl, Aspe und Knetterheide begann. „Da war mir klar, dass die Axt zurück nach Lippe muss, hier kann sie zur Ruhe kommen." Und so gelangte das Relikt aus der Jungsteinzeit nicht nur nach Bad Salzuflen, sondern auch in die Hände von Experten.

Dr. Elke Treude, Archäologin beim Kreis Lippe und stellvertretende Leiterin des Lippischen Landesmuseums, und Franz Meyer, VHS-Direktor und ehemaliger Stadtarchivar, haben den Stein genauer untersucht. „Es ist schon ein wahnsinniges Bild, was man aus so einem Fund erschließen kann", sagt Dr. Elke Treude. Denn insbesondere der Fundort gebe Zeugnis über die Situation der Region.

„Vermutlich wurde die Axt bei der Arbeit verloren. Wir datieren das auf die frühe Jungsteinzeit, also etwa 2000 Jahre vor Christus." Zu dieser Zeit habe es bereits einen Übergang von den Jägern und Sammlern hin zu einem koordinierten Ackerbau gegeben. Die Wälder wurden gerodet und Getreide angebaut. „Man wurde damals sesshaft, hat Brunnenanlagen und Häuser gebaut und Felder bestellt", sagt Treude.

Dazu war ein fruchtbarer Boden notwendig – wie in der Weißen Breden, wo Wendel die Axt gefunden hat. „Das Wort Brede deutet auf ein uraltes Ackerland hin", sagt Franz Meyer. Heute ist dort eine dicht bebaute Siedlung.

Aus der direkten Umgebung von Knetterheide gab es bislang nur einen Fund. Ebenfalls eine Axt, die aber nur in Fragmenten erhalten ist. „Es sind alles Mosaiksteinchen, die uns ein Bild über die Siedlungsgeschichte geben", sagt Franz Meyer.

Information

Arbeitsgerät und Waffe zugleich

Die von Manfred Wendel gefundene Axt aus der frühen Jungsteinzeit besteht aus einem Felsgestein. Die Scheide ist vorne und hinten leicht nach oben gebogen – das deutet auf eine Anlehnung an die ,jütländische Streitaxt‘ hin. „Aber es ist eine Mischform. Die Nutzungsspuren zeigen, dass sie auch als Arbeitsgerät eingesetzt wurde", sagt Archäologin Dr. Elke Treude. So könnte sie etwa zur Baumfällung und Weiterverarbeitung des Holzes genutzt worden sein. „Durch das Loch wurde der Stil gesteckt und dieser mit Sehnen befestigt", sagt Treude. Franz Meyer ergänzt: „Der Stein könnte aus dem skandinavischen Raum stammen."

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